Doktorarbeit

Merkel stellt sich in Plagiats-Affäre hinter Schavan

Trotz der Plagiatsvorwürfe bekommt Schavan Rückendeckung von der Kanzlerin: „Die Ministerin hat mein vollsten Vertrauen“, sagte Merkel.

Foto: Michael Gottschalk / dapd

In der Diskussion über mögliche Plagiate in ihrer Doktorarbeit bekommt Bundesbildungsministerin Annette Schavan Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU). „Die Ministerin hat mein vollstes Vertrauen“, sagte Merkel am Montag in Berlin. Mit einer ersten Prüfung der Beschuldigungen gegen Schavan ist der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf befasst. Die Ministerin will den Vorwurf, sie habe bei der Dissertation unsauber gearbeitet, mit einer umfassenden Stellungnahme für die Universität ausräumen.

Nach einem Bericht des „Spiegel“ kommt ein Gutachter der Heinrich-Heine-Universität zu dem Schluss, dass etliche Stellen von Schavans Dissertation das „charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“ trügen. Insgesamt soll es auf 60 der 351 Seiten langen Doktorarbeit beanstandete Textstellen geben. Zuvor hatte bereits ein Blogger erklärt, er habe zahlreiche Stellen mit falsch gekennzeichneten Zitaten gefunden.

„Ich habe zu keinem Zeitpunkt versucht zu täuschen“

Merkel mahnte eindringlich, nun zunächst die Stellungnahme von Schavan abzuwarten. Auch wolle sie der Entscheidung des Düsseldorfer Promotionsausschusses nicht vorgreifen. Vor der unabhängigen Arbeit habe sie den notwendigen Respekt, betonte die Kanzlerin. Ähnlich hatte Merkel bereits in der Plagiatsaffäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reagiert.

Schavan sagte der „Rheinischen Post“: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt bei der Arbeit an meiner Dissertation versucht zu täuschen. Sobald mir der Promotionsausschuss Gelegenheit dazu gibt, werde ich zu den Vorwürfen Stellung nehmen.“ Zugleich kritisierte sie die Universität. „Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß.“

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf will sich derzeit nicht zu den Plagiatsvorwürfen gegen Schavan äußern und verweist auf das laufende Verfahren. „Die zuständigen Organe und Gremien dieses Verfahrens haben zu keiner Zeit öffentlich Stellungnahmen abgegeben oder sich an Spekulationen beteiligt und werden es auch weiterhin nicht tun“, teilte die Hochschule auf Anfrage mit.

Die Beratungen an der Philosophischen Fakultät befinden sich den Angaben zufolge „noch im laufenden Verfahren“. Dabei gehe es darum, ob bei Schavans Doktorarbeit der „fachliche begründete Verdacht eines Plagiates“ besteht und deswegen ein Verfahren zur Rücknahme des Doktortitels eingeleitet werden soll. Mit der Voruntersuchung sei der Promotionsausschuss der Fakultät beauftragt, der dem Fakultätsrat eine Empfehlung vorlegen werde.

Künast hält Schavan bereits für beschädigt

Oppositionspolitiker halten Schavan für politisch erledigt, falls sich die Plagiatsvorwürfe bestätigen. Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, nannte es beschämend, dass Schavan die Sache aussitzen wolle. Noch habe Schavan ihr Amt formal inne. „Aber die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren“, sagte Künast der „Rheinischen Post“. „Eine für Wissenschaft zuständige Ministerin muss doch die Regeln des ehrlichen wissenschaftlichen Arbeitens hochhalten.“

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ernst Dieter Rossmann, forderte den Rücktritt der Ministerin, falls sie den Doktortitel verliert. „Am Ende kommt es darauf an, ob die Universität ihr den Doktortitel belässt oder nicht“, sagte er der „Berliner Zeitung“.

Die forschungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Petra Sitte, sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“, für Rücktrittsforderungen sei es noch zu früh. Sitte betonte allerdings: „Wenn Frau Schavan die Vorwürfe nicht entkräften kann, dann hat sie praktisch keinen Handlungsspielraum mehr.“

Plagiat-Jäger fordert Rücktritt Schavans

Der Gründer der Plagiat-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, hat den Rücktritt von Bundesforschungsministerin Annette Schavan gefordert. „Das Gutachten scheint eindeutig und zumindest nicht entlastend“, sagte Heidingsfelder am Montag zu Reuters mit Hinweis auf ein Gutachten für die Promotionskommission der Universität Düsseldorf. Nach eigenen Prüfungen der Doktorarbeit Schavans sei er zu dem Schluss gekommen, es sei berechtigt, Schavan die Doktorwürde abzuerkennen, auch wenn möglicherweise kein Vorsatz bei der Nutzung fremder Quellen bestanden habe. Gerade für eine Doktorarbeit sei aber wichtig, dass man die Formalien für wissenschaftliches Arbeiten einhalte.

Heidingsfelder sagte, Schavan müsse die politischen Konsequenzen tragen. „Ein Landwirtschaftsminister muss nicht unbedingt eine Kuh melken können. Aber der akademische Hintergrund einer Wissenschaftsministerin muss blütenrein sein“, sagte er. „Sie schädigt sonst das Ansehen der Politiker, der Wissenschaft, der Union und der Regierung.“

Heidingsfelder hatte sich an die Überprüfung der Doktorarbeit gemacht, nachdem die Plattform VroniPlag entschieden hatte, das Thema nach einer ersten Prüfung nicht weiter zu verfolgen, weil sie die Vorwürfe eines unsauberen Zitierens anderer Quellen für nicht so gravierend hielt.

FDP rechnet mit Klärung der Vorwürfe gegen Schavan

FDP-Generalsekretär Patrick Döring rechnet damit, dass die Plagiatsvorwürfe gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) geklärt werden. Er gehe davon aus, dass dies entweder durch andere Gutachter oder die Ministerin selbst geschehe, sagte Döring am Montag nach einer FDP-Präsidiumssitzung in Berlin. Es sei bemerkenswert, dass auch in diesem Fall wieder die Einzelmeinung eines Gutachters öffentlich werde, bevor das zuständige Gremium getagt habe.