Rostock-Lichtenhagen

Gauck fordert furchtloses Eintreten gegen Rechts

Vor 20 Jahren steckte der Mob ein Ausländerwohnheim in Lichtenhagen in Brand. Anlass für Gauck mehr Engagement gegen Rechts zu fordern.

Foto: DAPD

20 Jahre nach den ausländerfeindlichen Krawallen in Rostock-Lichtenhagen hat Bundespräsident Joachim Gauck an die Deutschen appelliert, dem Rechtsextremismus ohne Furcht entgegenzutreten. „Wir schenken Rechtsextremisten nicht unsere Angst, wir lassen sie nicht gewähren“, sagte Gauck der in Rostock erscheinenden „Ostsee-Zeitung“ vom Montag. Er gehe am kommenden Wochenende zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Krawalle, „um zu zeigen, dass wir in Deutschland auch wirklich eine Kultur der Abwehr des Extremismus trainiert haben und dass wir da weiter aktiv bleiben wollen“.

Als Ursache für die Ausschreitungen sieht Gauck unter anderem das damalige Fehlen einer offenen Bürgerdebatte in Ostdeutschland. Anfang der 90er Jahre seien viele Menschen im Osten ohne Arbeit und orientierungslos gewesen. Ein Teil von ihnen sei anfällig für einfache Wahrheiten und für Schwarz-Weiß-Denken gewesen. Auch Konfliktlösungen in Form von Diskurs und Debatte habe man zu DDR-Zeiten nicht trainiert. Das, was in DDR-Zeiten als „Wahrheit“ ausgegeben worden sei, „wurde da gern mit Gewalt durchgesetzt“, erklärte Gauck, der seit wenigen Tagen Rostocker Ehrenbürger ist.

Für die Übergriffe vor 20 Jahren könne es natürlich keine Entschuldigungen geben und Erklärungen fielen schwer, betonte der Bundespräsident. Wenn allerdings alle Ostdeutschen ein Wirtschaftswunder erleben oder Anerkennung und Erfolg hätten, „wären die Chancen der Verführer kleiner. In abgehängten Regionen können einfache Wahrheiten leichter verfangen.“

Vom 22. bis zum 26. August 1992 ereigneten sich im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen die schlimmsten fremdenfeindlichen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte. 150 Menschen gerieten in akute Lebensgefahr. Die Gewalt, die sich durch Parolen, Sprechchöre, Steine und schließlich Brandbomben ausdrückte, richtete sich gegen die damalige Aufnahmestelle für Asylbewerber sowie gegen Wohnungen von vietnamesischen Vertragsarbeitern.

Zu den Tätern gehörten Neonazis aus ganz Deutschland. Die Krawalle einiger hundert Gewalttätiger wurden durch etwa 2.000 bis 3.000 Sympathisanten und Schaulustige vor Ort unterstützt.