Bundestagswahl

Auch Renate Künast bewirbt sich um Grünen-Spitzenkandidatur

Gleich drei Frauen und ein Mann ringen um die Spitzenkandidatur der Grünen bei der Bundestagswahl 2013.

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Der Spitzenkandidaten-Poker bei den Grünen für die Bundestagswahl 2013 wird immer mehr zu einer Belastungsprobe für die Partei. Nach Parteichefin Claudia Roth und dem Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin warfen am Freitag auch Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Co-Fraktionschefin Renate Künast ihren Hut in den Ring. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die 60.000 Mitglieder im Herbst aus den vier Interessenten ein Duo wählen. Entscheiden soll darüber ein kleiner Parteitag am 2. September 2012.

„Ich bewerbe mich, eine der beiden Spitzenkandidaten zu werden“, sagte Künast der „Süddeutschen Zeitung“. Sie wolle damit „einen Beitrag dazu leisten, dass die Grünen ihr Spitzenergebnis von 2009 noch einmal toppen“ und so die schwarz-gelbe Koalition ablösen können. Künast ist geschwächt, seit sie im Jahr 2011 damit gescheitert war, Regierende Bürgermeisterin von Berlin zu werden. Nach der Wahlniederlage „gab es einiges zu verdauen“, so Künast, „das habe ich hinter mir“. Sie sprach sich für eine rot-grüne Koalition aus.

Göring-Eckardt stellte sich in einer Erklärung gegen eine Mitgliederbefragung. Sie würde sich aber zur Wahl stellen, wenn sie doch stattfindet. Weder löse eine Urwahl aber an der Basis Begeisterung aus noch sei sie eine Mutprobe, so Göring-Eckardt. „Deswegen sollte sich der Bundesvorstand entschließen, mit einem Teamvorschlag in den Länderrat am 2. September zu gehen, um Lähmung und Selbstbeschäftigung zu beenden.“ Das gemeinsame Ziel sei die Ablösung von Schwarz-Gelb. „Für dieses Ziel will ich mit aller Kraft und allen meinen Möglichkeiten in einem grünen Spitzenteam kämpfen.“

Spitzenduo per Urwahl bestimmt

Künast lehnt eine Teamlösung offenkundig ab. Sie bewerbe sich darum, „eine der beiden Spitzenkandidaten“ zu werden, sagte die Fraktionsvorsitzende dem Blatt und fügte hinzu: „Es geht um eine Funktion auf Zeit, bei der zwei Köpfe weiter vorne stehen und motivieren müssen.“

Erst am Wochenende hatte Trittin seine lang erwartete Kandidatur erklärt. Als erste hatte Anfang März Parteichefin Claudia Roth erklärt, sie wolle dem geplanten Spitzenduo angehören. Kompliziert ist die Kandidatenfrage bei den Grünen, weil die Partei streng auf Flügel- und Geschlechtsproporz achtet – nach dem Motto: Parteilinke und -realos sollen an der Spitze vertreten sein, und mindestens eine Frau soll oben stehen. Trittin und Roth gelten als Parteilinke, Göring-Eckardt und Künast als Angehörige des Realo-Flügels.

Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, begrüßte in der Zeitung „Die Welt“ Göring-Eckardts Schritt: „Ein Team, dem Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin angehören, finde ich eine gute Lösung.“ Mitte März hatte sich das aus den Fraktions- und Parteichefs bestehende Führungsquartett der Grünen darauf geeinigt, dass ein Spitzenduo per Urwahl bestimmt werden soll – außer es gibt nur zwei Anwärter. Bei einem kleinen Parteitag Ende April schufen die Delegierten die Voraussetzungen für die Urwahl. Die Entscheidung darüber wurde mangels Einigkeit auf September verschoben.

Unterstützung vom Berliner Grünen-Chef

Unterstützung bei ihrer Bewerbung um die Spitzenkandidatur ihrer Partei für die Bundestagswahl bekommt Künast aus Berlin. „Renate Künast ist definitiv eine geeignete Spitzenkandidatin“, sagte der Berliner Grünen-Landesvorsitzende Daniel Wesener der „Bild am Sonntag“. „Es ist gut, dass die grüne Basis jetzt eine echte Wahl hat. Da es mehrere Bewerber gibt, muss es eine Urwahl geben.