Ermittlungen

NSU-Morde - Polizei betrieb eigenen Döner-Imbiss

Im Zuge der Ermittlungen im Fall der Mordserie an Migranten hat ein V-Mann der bayerischen Polizei über Monate einen Döner-Stand betrieben.

Bei den Ermittlungen zu der Mordserie der rechten Terrororganisation NSU hat die bayerische Polizei einen eigenen Döner-Imbiss in Nürnberg eingerichtet. Der Laden sei ein halbes Jahr lang von einem V-Mann betrieben worden, um Hinweise auf organisierte Kriminalität im Lieferantenmilieu zu sammeln, sagte der frühere Nürnberger Oberstaatsanwalt Walter Kimmel am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Im vergangenen November war bekanntgeworden, dass die Neonazi-Terrorzelle NSU für die Morde an neun Männern türkischer und griechischer Herkunft sowie einer Polizistin verantwortlich sein soll. Von den Opfern betrieben einige einen Döner-Imbiss.

Der Vorsitzende des Bundestags-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy (SPD) sagte zu den neuen Informationen, Spuren im Bereich der organisierten Kriminalität sei man mit einem „ungleich höhere Aufwand“ nachgegangen als einem möglich rechtsextremen Tatmotiv. Ex-Oberstaatsanwalt Kimmel betonte dagegen, aus damaliger Sicht habe man „alles Menschenmögliche“ getan, um die Taten aufzuklären.

Nur drei Hinweise über Facebook

Die Facebook-Fahndung des Bundeskriminalamts (BKA) zu der Mordserie ist bislang erfolglos verlaufen. Bei der Wiesbadener Behörde gingen seit Anfang Dezember 2011 insgesamt rund 1100 Hinweise ein, wie Morgenpost Online aus BKA-Kreisen erfuhr. „Nur drei davon bezogen sich direkt auf die Facebook-Fahndung“, sagte einen BKA-Mitarbeiter. Das liege allerdings auch daran, dass diese Art der Fahndung – anders als bei einigen Länderpolizeien – noch in den Kinderschuhen stecke.

Vor dem Rechtsterror-Untersuchungsausschusses des Bundestages sagten am Donnerstag mehrere Ermittler aus. Die Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ war im November 2011 aufgeflogen.

Den inzwischen toten Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie ihrer mutmaßlichen Komplizin Beate Zschäpe werden Morde an neun Männern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin zur Last gelegt. Das Trio lebte jahrelang unentdeckt in Zwickau.

( dpa/dapd/mim )

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