Joachim Gauck hat bei seiner Wahl zum Bundespräsidenten am Sonntag wie erwartet bereits im ersten Durchgang die erforderliche Mehrheit erzielt. Allerdings fiel die Zustimmung etwas kleiner aus als gedacht. Den Stimmrekord bei einer Bundespräsidentenwahl hält damit weiter Theodor Heuss. Allerdings brauchten auch mehrere Staatsoberhäupter zwei oder drei Anläufe in der Bundesversammlung.

Bei der Wahl in der Bundesversammlung ist im ersten und zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit notwendig, im dritten Wahlgang reicht dagegen die relative Mehrheit. Dann ist gewählt, wer die meisten Stimmen erhält.

Bei der ersten Präsidentenwahl 1949 setzte sich Theodor Heuss von der FDP erst im zweiten Wahlgang durch. Fünf Jahre später wurde Heuss mit 85,6 Prozent der Stimmen im ersten Anlauf gewählt. Auch Heinrich Lübke als CDU-Kandidat benötigte 1959 zunächst zwei Wahlgänge, bei der Wiederwahl 1964 dann nur noch einen.

Gustav Heinemann setzte sich 1969 erst im dritten Wahlgang gegen den Unionskandidaten Gerhard Schröder (CDU) durch. Dem von SPD und FDP vorgeschlagenen Heinemann reichte dabei die relative Mehrheit von 49,4 Prozent.

In den folgenden Jahren setzten sich die Kandidaten Walter Scheel (FDP), Karl Carstens (CDU) und Richard von Weizsäcker (CDU) jeweils im ersten Wahlgang durch. Während Scheel und Carstens dabei nur knapp die erforderliche absolute Mehrheit erreichten, kam von Weizsäcker im Jahr 1984 auf eine Zustimmung von 80 Prozent und fünf Jahre später bei seiner Wiederwahl sogar auf 84,9 Prozent.

Sein Nachfolger Roman Herzog (CDU) konnte dagegen im Jahr 1994 erst im dritten Wahlgang eine Mehrheit auf sich vereinen. Fünf Jahre später wurde der SPD-Kandidat Johannes Rau im zweiten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt.

Horst Köhler als Kandidat von Union und FDP war sowohl bei seiner ersten Wahl im Jahr 2004 als auch bei seiner Wiederwahl fünf Jahre später jeweils gleich im ersten Wahlgang erfolgreich. Unerwartet schwierig gestaltete sich nach dem Rücktritt Köhlers in der Bundesversammlung die Wahl von Christian Wulff: Im dritten Wahlgang – als eine einfache Mehrheit reichte – schaffte er schließlich doch noch eine absolute Mehrheit. Sein Gegenkandidat hieß damals Gauck.

Dieser wurde diesmal von Union, FDP, SPD und Grünen gemeinsam aufgestellt, die ihn aber nicht vollständig geschlossen wählten. Der parteilose Theologe kam damit auf knapp 80 Prozent der Stimmen bei seiner Wahl zum 11. Bundespräsidenten Deutschlands.

AFP/dino