Weltfrauentag

Gregor Gysi macht ein Praktikum im Kindergarten

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Am Weltfrauentag kommen nur die weiblichen Abgeordneten der Linken in den Bundestag – die Männer arbeiten dafür einen Tag lang in sogenannten Frauenberufen.

Die Linkspartei hat zum Internationalen Frauentag ein besonderes Zeichen gesetzt: Am Donnerstag erschienen im Bundestag nur Frauen, die Männer machten an dem Tag landesweit ein Praktikum in sogenannten Frauenberufen. "Wir sind die erste reine Frauenfraktion in der Geschichte der Bundesrepublik", sagte die frauenpolitische Sprecherin der Fraktion, Yvonne Ploetz.

Linksfraktionschef Gregor Gysi macht ein Praktikum in der Kindertagesstätte Waldspielhaus in Berlin, der Parteivorsitzende Klaus Ernst verteilt Essen in Schweinfurt, und Fraktionsvize Ulrich Maurer versucht sich als Friseur.

Ploetz warf Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) Versagen auf der ganzen Linie vor. Das reiche von der nach wie vor ungleichen Bezahlung bis hin zur Weigerung, eine verbindliche Frauenquote einzuführen. Das "kampflose Einknicken der Frauenministerin in Frauenfragen" sei einfach peinlich. Nötig sei eine Quote und ein Entgeltgleichheitsgesetz.

Schröder würdigt Frauen im Arabischen Frühling

Der Bundestag diskutierte knapp zwei Stunden lang unter anderem über zwei interfraktionelle Anträge von Union, SPD, FDP und Grünen. Dabei ging es um "Geschlechtergerechtigkeit im Lebensverlauf" sowie um das Voranbringen der Gleichberechtigung von Frauen in Entwicklungsländern. Letzteren Antrag verabschiedete das Plenum mit breiter Mehrheit.

Schröder, die am Mittwoch Tunesien besucht hatte, würdigte die Rolle der Frauen während des "Arabischen Frühlings". Wenn es ihnen gelänge, ihre Rechte durchzusetzen, "wäre das ein Signal für Frauen in der ganzen Welt", so Schröder. Deutschland stehe hinter all den Frauen, die sich in ihren Ländern für Gleichberechtigung, Demokratie und Menschenrechte einsetzten. Generell gelte: "Kein gesellschaftlicher Fortschritt ohne faire Chancen für Frauen und Mädchen."

Die FDP-Abgeordnete Christiane Ratjen-Damerau betonte, in den Entwicklungsländern, in denen Frauen gleichberechtigt lebten, entwickelten sich erwiesenermaßen Gesellschaften besser. Frauenrechte seien jedoch nicht nur ein Entwicklungs- und Wirtschaftsfaktor, sondern ein Grundrecht. Aber immer noch litten weltweit Millionen Frauen unter Ausbeutung und Unterdrückung. 70 Prozent der extrem armen Menschen seien Frauen.

Grüne gegen Diskriminierung beim Gehalt

Die Vorsitzende der Grünenfraktion, Renate Künast, warf Schröder vor, kein Wort zu konkreten Projekten gesagt zu haben, etwa gegen Genitalverstümmelung oder Benachteiligungen von Musliminnen in Deutschland. Immer noch sei es ein Problem für erwerbstätige Frauen, angemessene Kinderbetreuungsplätze oder Posten in Chefetagen zu finden.

Künast plädierte dafür, die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern endlich auszugleichen. Die Grünen hatten dazu einen Antrag gegen die "Entgeltdiskriminierung" von Frauen vorgelegt.

Unions-Fraktionsvize Ingrid Fischbach (CDU) unterstrich, dass vor allem Frauen die Aufgaben in Kindererziehung und Pflege von Angehörigen übernähmen. Sie müssten finanzielle Unterstützung erhalten, damit sich diese Erwerbsunterbrechungen nicht negativ für sie auswirkten, auch mit Blick auf die Altersvorsorge.

SPD will "Trostfrauen" entschädigen

Für eine Anerkennung und Wiedergutmachung des Leids der sogenannten Trostfrauen machte sich die SPD-Fraktion mit einem eigenen Antrag stark. Als "Trostfrauen" wurden jene verschleppten Mädchen und Frauen bezeichnet, die während des Zweiten Weltkriegs in japanischen Kriegsbordellen oder Unternehmen zur Prostitution gezwungen wurden.

Die Aufarbeitung verlaufe jedoch schleppend, kritisierte die SPD-Abgeordnete Angelika Graf. Sie forderte die Bundesregierung auf, auf die Vereinten Nationen und auf Japan einzuwirken, sich offiziell bei den Überlebenden zu entschuldigen, Opfer zu entschädigen und Verantwortliche zu bestrafen.

( KNA/dapd/dpa/smb )

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