Designierter Bundespräsident

Christian Gauck – "Er entschied immer alles alleine"

Kritik aus der eigenen Familie: Joachim Gauck sei "immer unterwegs" gewesen. Für andere habe er sich mehr eingesetzt als für die eigene Familie, sagt der älteste Sohn Christian.

Foto: Tabea Fachklinik

Joachim Gaucks ältester Sohn Christian hat seinen Vater gegen Vorwürfe verteidigt, er sei zu DDR-Zeiten kein wirklicher Widerständler gewesen. Der frühere Pfarrer, der in zwei Wochen zum Bundespräsidenten gewählt werden dürfte, „hat sich nicht gegen alles gestellt, aber er hat als Pastor sehr konkret geholfen. Damit war er für uns ein Bürgerrechtler im wahrsten Sinne des Wortes“, so Christian Gauck zur "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Viele haben meinem Vater schon in der Wendezeit schwer übelgenommen, dass er die DDR nicht reformieren, sondern abschaffen wollte.“

"Familie kam immer an zweiter Stelle"

Christian Gauck, der als Chirurg in einer Hamburger Klinik arbeitet, berichtet der Zeitung ausführlich von seinem Vater und von der Familie, die es mit ihm nicht immer leicht hatte: „Wir kamen als Familie immer an zweiter Stelle, er hat alles allein entschieden.“

Joachim Gauck sei „immer unterwegs“ und „für uns selten der Familienvater“ gewesen, berichtet der Sohn. In seiner Arbeit als Pfarrer in Rostock-Evershagen, wo er eine Gemeinde aufbaute, sei der Vater aufgegangen, was beeindruckend gewesen sei; für andere aber habe er sich immer mehr eingesetzt als für die eigene Familie, was ihn, Christian, oft „unglaublich enttäuscht“ habe. Auch nach der Wende habe sich der Vater in seine Arbeit bei der Stasi-Unterlagenbehörde „geflüchtet“.

Späte Aufarbeitung privater Dinge

Erst später habe er „angefangen, seine privaten Dinge aufzuarbeiten, und dabei wohl bemerkt, dass er nicht alles wegschieben kann und dass er auch Fehler gemacht hat“. Heute, so Christian Gauck, „ist das alles ausgestanden“.

Von der abermaligen Nominierung seines Vaters für das Amt des Bundespräsidenten ist die Familie nach den Worten Christian Gaucks überrascht worden. Sie hätten „nicht geglaubt, dass er nach dem Wulff-Rücktritt noch einmal gefragt wird. Wir haben alle gedacht: Sie wird nicht über ihren Schatten springen“, so Christian Gauck über Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Von der Mutter seiner Kinder lebt Joachim Gauck getrennt. Zu der von manchen geäußerten Forderung, Gauck solle seine Lebensgefährtin Daniela Schadt heiraten, sagt Christian Gauck: „Er macht sich Gedanken über eine Hochzeit, aber er hat wohl noch keine Entscheidung gefällt.“