Chef des Bundespräsidialamts

Was Wulff-Vertrauter über Gratisurlaube wusste

Der Chef des Bundespräsidialamts Lothar Hagebölling könnte bereits seit 2010 von den Gratisurlauben des ehemaligen Wulff-Pressesprechers Olaf Glaeseker gewusst haben.

Foto: dpa / dpa/DPA

Als Christian Wulff Anfang Januar zum bislang wohl schwierigsten Termin seiner Amtszeit fährt, sitzt sein neuer engster Vertrauter neben ihm. Die Wagenkolonne des Bundespräsidenten rauscht auf den Hof der Wilhelmstraße 67, dem Sitz des ARD-Hauptstadtstudios. Gleich wird Wulff in einem Interview versuchen, die Vorwürfe in der Kreditaffäre abzuschwächen. Der Bundespräsident sitzt im ersten Auto auf der Rückbank, Papier-Blätter in der Hand. Neben ihm sitzt ein Mann Anfang 60: Lothar Hagebölling, Chef des Bundespräsidialamts.

Auf den Fotos, die man von Wulff kennt, sieht man meistens Bettina an seiner Seite, seine Frau. Bis vor ein paar Wochen oft auch Olaf Glaeseker, Wulffs Sprecher, den versierten Strategen. Hagebölling sah man nie. Er ist der Mann im Hintergrund. Im strategischen Dreieck Wulff, Glaeseker, Hagebölling, das im Sommer 2010 von Hannover ins Schloss Bellevue umzog, war Hagebölling bisher die stille Effizienz.

Seit Wulff Mitte Dezember wegen eines Hauskredits in die Schlagzeilen geriet, hat sich einiges geändert. Auch die Rollenverteilung. Kurz vor Weihnachten hat Wulff seinen langjährigen Sprecher Glaeseker entlassen, seinen „siamesischen Zwilling“. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Es geht um die Frage, ob Glaeseker sich hat bestechen lassen. Aus drei wurden zwei.

Und jetzt geht es um die Frage, was Hagebölling wusste. Ausgerechnet der Amtschef könnte nun zu Wulffs nächstem Problem werden. Es sieht so aus, als ob nicht nur Glaeseker, sondern auch Hagebölling von den Verquickungen der Landesregierung mit dem „Nord-Süd-Dialog“ 2007 bis 2009 wusste. Das war die offiziell privat organisierte Veranstaltung, deretwegen die Staatsanwaltschaft hinter Glaeseker und dem Veranstalter Manfred Schmidt her ist.

Die Nachricht des „Stern“ könnte für Wulff ungemütlich werden. Das Magazin schreibt, das Bundespräsidialamt habe schon vor eineinhalb Jahren davon gewusst, dass Glaeseker kostenlose Urlaube in Schmidts Feriendomizilen gemacht habe. Ende August 2010, also kurz nachdem Wulff sein neues Amt antrat, soll ein Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ im Bundespräsidialamt angefragt haben, ob es stimme, dass Glaeseker mehrfach Urlaubsgast von Schmidt gewesen sei, ohne dafür zu bezahlen. Glaeseker habe die Besuche damals bestätigt, sie aber zur reinen Privatsache erklärt.

Man wüsste gern, wie tief Hagebölling eingeweiht war. Und was Wulff wusste. Man würde gerne von den beiden hören, was sie dazu sagen. Doch das Bundespräsidialamt vermeidet es seit Tagen, auf diese und eine Reihe anderer unangenehmer Fragen zu antworten. Da auch von Wulffs Anwälten keine Stellungnahme zu bekommen ist und die Staatskanzlei in Niedersachsen nicht mehr hinterherkommt, all die Fragen zu beantworten, muss man sich an andere Dinge halten.

Sollte es tatsächlich so sein, dass Wulff nicht mitbekommen hat, was seine engsten Vertrauten trieben, müsste muss wohl angezweifelt werden, ob er seine Mitarbeiter in den vergangenen Jahren im Griff hatte. So oder so: Die jüngste Enthüllung lässt ihn nicht gut aussehen. Und je mehr Hagebölling in die Schlagzeilen rückt, desto schwieriger wird es auch für Wulff.

Der „Stern“ berichtet auch, dass Glaeseker am 29. August 2010 dazu eine „Sachverhaltsdarstellung“ für Hagebölling verfasst habe. Der war mittlerweile Leiter des Präsidialamts. Auch ihm gegenüber habe Glaeseker die Urlaubseinladungen bestätigt, sie aber als rein privat bezeichnet. Glaeseker war bereits seit Jahrzehnten mit Schmidt befreundet. Er erkannte offenbar immer noch nicht, dass diese private Beziehung mittlerweile in die Belange der damaligen Landesregierung hereinragte.

Oder wollte es nicht. Auf Anfragen von Morgenpost Online hat das Präsidialamt am Mittwoch geantwortet: „Dem Bundespräsidialamt liegt keine Sachverhaltsdarstellung des früheren Sprechers, Herrn Olaf Glaeseker, an den Chef des Bundespräsidialamts, Herrn Lothar Hagebölling, zu angeblichen Urlaubseinladungen vor.“

Aber was dachte Hagebölling? Hat auch er die mögliche Brisanz dieser Urlaube nicht geahnt? Und was hat Hagebölling unternommen, als es im Sommer 2010 um Glaesekers Urlaube ging? Hat er mit Wulff darüber nicht gesprochen? Wer den pflichtbewussten Hagebölling kennt, hält es für unwahrscheinlich, dass dieser wichtige Fragen nicht mit seinem Chef bespricht. Was also wusste Christian Wulff?