Gedenken an Wannseekonferenz

Wulff-Affäre überschattet seine wichtige Rede

Mit einer Gedenkveranstaltung ist an den Beginn des Völkermordes an den Juden Europas erinnert worden. Doch die Kreditäffäre drängt Wulffs Rede dazu in den Hintergrund.

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Überschattet von neuen Schlagzeilen zu seiner Kreditaffäre, hat Christian Wulff in Berlin an den organisierten Völkermord an den Juden erinnert. In seiner Ansprache zum 70. Jahrestag der Wannseekonferenz nannte der Bundespräsident die dauerhafte Erinnerung an die nationalsozialistischen Gräueltaten eine „nationale Aufgabe“. Zudem sicherte das Staatsoberhaupt den Juden in aller Welt bei Gefahr und Verfolgung die Verbundenheit Deutschlands zu.

Bei der Gedenkstunde im Haus der Wannseekonferenz in Berlin äußerte sich Wulff nicht zu der bereits seit Wochen andauernden Affäre oder zur Durchsuchung der Staatsanwaltschaft bei seinem langjährigen Vertrauten und Sprecher Olaf Glaeseker. Gäste der Veranstaltung im Südwesten von Berlin bedauerten im Vorfeld von Wulffs Rede jedoch, dass der eigentliche Grund des Gedenkens durch die Schlagzeilen um Wulff in den Hintergrund gerate.

Am 20. Januar 1942 waren in der Villa 15 hochrangige NS-Funktionäre zusammengekommen, um die Behörden und Ministerien auf die systematische Vernichtung der europäischen Juden einzuschwören. Adolf Eichmann hielt die wichtigsten Entscheidungen in einem Protokoll fest. Der Leiter der heutigen Gedenk- und Bildungsstätte, Norbert Kampe, führte das Staatsoberhaupt kurz durch die Ausstellung und erklärte Hintergründe und Dokumente des Treffens vor 70 Jahren.

Wulffs anschließende zwölfminütige Rede ähnelte bisherigen Ansprachen in seiner Amtszeit. Der Bundespräsident sprach über den Anlass, brachte eine persönliche Anekdote an, als er vom Treffen mit einer Holocaust-Überlebenden erzählte, und kam auf Schlussfolgerungen für die aktuelle Politik.

Bis zur Konferenz "Heiterkeit"

Aber er wiederholte nicht den Fehler, den er beim ersten öffentlichen Auftritt in diesem Jahr begangen hatte: Beim Empfang der Sternsinger in seinem Amtssitz Schloss Bellevue hatte er der Presse spitze Bemerkungen zugeworfen und damit seine Kreditaffäre ins Spiel gebracht.

Der Bundespräsident verwies auf den Schrecken, der von dem eigentlich idyllischen Ort am Wannsee ausgehe. Bis zur Konferenz habe der Wannsee für „Heiterkeit“, für „Sonnenabende am Wasser“ gestanden – und zwar für alle Berliner, egal welcher Konfession.

Doch das Treffen der Nazi-Größen habe das Haus zu einem „Ort deutscher Schande“ gemacht. „Dieser Ort und der Name Wannsee sind zum Symbol geworden für die bürokratisch organisierte Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben, für die staatlich organisierte Vernichtung“, betonte Wulff.

Der hier deutlich werdende Antisemitismus des NS-Staates sei genährt und gestützt worden vom Antisemitismus in der Gesellschaft. Deshalb müsse die Erinnerung am Massenmord an den Juden Europas wachgehalten werden. „Wir dürfen nie vergessen, dass das Unfassbare wirklich geschehen ist.“

Fehler bei der Einschätzung der braunen Gefahr

Mit Blick auf die Mordserie des Zwickauer Neonazi-Trios äußerte das Staatsoberhaupt „Scham und Zorn“ und gestand eigene Fehler bei der Einschätzung der braunen Gefahr ein. Alle, auch Polizei und Sicherheitsbehörden, hätten nicht für möglich gehalten, dass es so etwas in der Bundesrepublik noch gebe.

Auch er habe frühe Warnungen vor rechtsextremistischer Gewalt zunächst für übertrieben gehalten, sagte Wulff. „Wir werden alles tun, damit Terror und mörderischer Hass auf Fremde und Fremdes in Deutschland nie mehr Platz haben.“

Yossi Peled überlebte unter falscher Identität

An der Gedenkfeier am Wannsee nahm auch der israelische Minister Yossi Peled teil, der als Kind die deutsche Besatzung in Belgien unter falscher Identität überlebt hatte. Von seiner Familie überlebte nur seine Mutter den Holocaust im Konzentrationslager Auschwitz.

Peled hielt eine sehr persönliche und bewegende Rede. „Ich erfuhr nie, dass ein Vater mich streichelt“, erzählte der 71-Jährige. Zum Abschluss trug Peled für seinen ermordeten Vater das jüdische Totengebet Kaddisch vor.