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Opposition äußert Unverständnis über Wulffs Opferrolle

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Foto: dpa / dpa/DPA

Die Opposition ist unzufrieden mit Wulffs Interview. Die Grünen kritisieren, dass Wulff sich in dieser Situation "als Opfer widriger Umstände darzustellen versucht".

Bundespräsident Christian Wulff hat mit seinem Interview zu seiner Kreditaffäre aus Sicht der Oppositionen die Vorwürfe nicht ausräumen können. Für die CDU hat der Präsident dagegen Vertrauen zurückgewonnen. Von Wulffs Äußerungen unbeeindruckt forderte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel die Kanzlerin auf, dessen Eignung für das höchste Staatsamt zu überprüfen. „Sie muss eine ehrliche Neubewertung der Fähigkeit von Herrn Wulff in diesem Amt vornehmen“, sagte Gabriel. „Das ist keine Causa Wulff mehr, das ist eine Causa Merkel.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ schon vor dem Interview erklären, dass sie Wulffs Arbeit nach wie vor schätze. Sie vertraue auf umfassende Antworten Wulffs, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Er verneinte die Frage, ob Merkel den Bundespräsidenten zu einer Stellungnahme aufgefordert habe.

Unterstützung bekam Wulff von CSU-Chef Horst Seehofer . „Die CSU steht zu diesem Bundespräsidenten Christian Wulff, und er hat auch unser Vertrauen.“ Die CDU reagierte erleichtert auf das Interview. „Ich bin sicher, dass Christian Wulff damit erfolgreich Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen wird“, erklärte Generalsekretär Hermann Gröhe.

Die FDP forderte ein Ende der Debatte. „Es ist gut, dass Christian Wulff zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen heute öffentlich Stellung genommen und Fehler eingeräumt hat. Das war ein wichtiger Schritt“, sagte der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring .

SPD, Linke und Grüne sehen weiter Aufklärungsbedarf. „Noch immer sind viele Fragen offen“, sagte die Linken-Parteivorsitzende Gesine Lötzsch in Berlin zu dem Interview. Wulff habe „ein gestörtes Verhältnis zur Presse, zur Wahrheit und zum Geld“. Der Bundespräsident müsse jetzt selbst mit sich ausmachen, welche Konsequenzen er ziehe.

„Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil . „Dass sich Christian Wulff heute den Fragen von zwei Journalisten gestellt hat, war überfällig, ist aber nicht ausreichend.“

Die Grünen bezweifelten, dass die Kanzlerin mit der Erklärung Wulffs zufrieden sein könne. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sagte: „Wir erwarten, dass sie dazu Stellung nimmt. Ich hätte mehr Rückgrat erwartet und verstehe nicht, dass er sich in dieser Situation als Opfer widriger Umstände darzustellen versucht.“

Dem widersprach die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt : „Er hat zu allen offenen Fragen ausführlich persönlich Stellung genommen, und er hat auch sein Bedauern über getroffene Fehlentscheidungen zum Ausdruck gebracht.“

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