Nach einem „Focus“-Bericht soll ein von der Bundespolizei weiterentwickelter Ganzkörper-Scanner schon in Kürze an deutschen Flughäfen in Betrieb genommen werden. Das Gerät werde bereits im Januar 2010 dem Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Klaus Dieter Fritsche, vorgeführt, berichtet das Magazin.
Der Scanner sei in der Bundespolizeiakademie in Lübeck technisch überarbeitet worden. Demnach würde der Intimbereich von Flugpassagieren gepixelt und wäre somit auf dem Scanner nicht klar erkennbar.
Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach rechnet damit, dass Nacktscanner noch in diesem Jahr auf allen deutschen Flughäfen eingeführt werden. Gegenüber Morgenpost Online sprach sich Bosbach für eine „dringend notwendige Versachlichung der Diskussion“ aus. „Niemand will Scanner, die die Menschenrechte verletzen. Seit Jahren wird in Deutschland mit Millionenbeträgen in puncto Sicherheitsanlagen an Flughäfen geforscht. Die neue Form der Geräte zeigt nicht den Körper des einzelnen Passagiers, sondern ein Piktogramm", sagte Bosbach. "Und nur im Falle eines Treffers wird dann die Körperstelle angezeigt, an der sich beispielsweise ein in der Achselhöhle verstecktes Keramikmesser befindet.“ Die neue Technologie könne ohne den Einsatz von Strahlen am Körper verborgene Gegenstände erkennen. Zudem würde das lästige Abtasten per Hand durch das Sicherheitspersonal wegfallen. „Wer beispielsweise einen Herzschrittmacher trägt und viel fliegt, würde es zu schätzen wissen, wenn diese Prozedur wegfallen würde. Ich habe im Zusammenhang mit dieser Debatte noch nirgendwo gelesen, dass das Berührtwerden durch fremde Menschen die Menschenrechte verletzt.“
Auch der Deutschland-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich am Sonnabend für die neue Technologie aus. „Wir haben sei Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass es Mängel bei den Sicherheitskontrollen an unseren Flughäfen gibt. Es gab Realtests von Bundespolizisten, bei denen Beamte versucht haben, mit ihren Waffen durch die Sicherheitsschleusen zu kommen. Leider gab es teilweise eine Erfolgsbilanz von 30 Prozent zu Lasten der Sicherheit.“ Als Gründe für die Mängel benennt der Gewerkschafter veraltete Technik sowie die mangelnde Attraktivität des Berufs. „Teilweise verdienen die Mitarbeiter gerade einmal 7,50 Euro, melden sich deswegen krank oder haben einen Nebenjob. Das sind Zustände, die bei einem so wichtigen Punkt wie der Sicherheit im Flugzeugwesen nicht hinnehmbar sind.“ Die neuen Technologien würden die Menschrechte nicht verletzen, sondern seien akzeptabel. Sie müssen den Menschen schlicht vorgeführt und erläutert werden, damit sie erkennen können, dass sie eben akzeptabel sind.“
Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Klaus Jansen, realtivierte hingegen den Nutzen von Nacktscannern. „Wir müssen sehen, dass wir hier nicht einer technischen Lösung aufsitzen, die eine trügerische Ruhe verbreitet“, sagte Jansen im Deutschlandfunk. Im August vergangenen Jahres sei ein Anschlag auf den stellvertretenden Innenminister Saudi-Arabiens verübt worden, bei dem der Attentäter den Sprengstoff im Körper getragen habe. Die Scanner könnten einen gewissen Bereich abdecken, “aber wenn Selbstmordattentäter entschlossen sind, tatsächlich sich selber zu vernichten und andere mitzunehmen, dann wird der Sprengstoffgürtel möglicherweise nicht außerhalb des Körpers, sondern im Körper getragen“, gab Jansen zu bedenken.
Zudem sei fraglich, ob beim versuchten Flugzeugattentat von Detroit der in die Unterhose des Täters eingenähte Sprengsatz von einem Scanner erkannt worden wäre. Es sei der falsche Ansatz, sich nur auf die Technik zu verlassen, sagte Jansen. Maschinen und Computer könnten keinen Verdacht schöpfen. Den US-Behörden hätten alle notwendigen Informationen vorgelegen, um den Mann nicht auf die Passagierliste setzen zu lassen.
Gesundheitsexperten hatten zuletzt Bedenken gegen den Einsatz von Nacktscannern an Flughäfen erhoben. Aus Sicht des Vorsitzenden der Strahlenschutzkommission, Rolf Michel, könnte die Röntgenstrahlung langfristig Krebs und Leukämie erzeugen.
AFP/Reuters/ddp/fas




