Gesundheitsversorgung

Deutschland hat zu wenig Hausärzte

In Deutschland leben immer weniger Menschen auf dem Land. Wer dort bleibt, muss in Zukunft mit großen Problemen bei der ärztlichen Versorgung rechnen, wie eine Studie zeigt. Zugleich braucht gerade die Landbevölkerung oft ärztliche Hilfe, denn sie ist im Durchschnitt besonders alt.

Foto: AP

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht in den nächsten Jahrzehnten vor großen Herausforderungen. Grund dafür ist nicht nur der Umstand, dass die Menschen immer älter werden. Problematisch ist vor allem, dass immer weniger Menschen in ländlichen Gebieten wohnen und sie deshalb immer weitere Wege zum Arzt zurücklegen müssen. Auf diese Entwicklung haben jetzt Gesundheitsexperten hingewiesen. Der „Rat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ übergab Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ein entsprechendes Gutachten.

Es sei eine zentrale Herausforderung der Gesundheitspolitik, die Bewohner ländlicher Regionen flächendeckend mit hochwertigen Gesundheitsleistungen zu versorgen, schreiben die sieben Experten in ihrem Gutachten. Dies gelte besonders für Ostdeutschland. Ein besonderes Problem dabei: „Wir stellen mit Sorge fest, dass es zu wenig Hausärzte gibt“, sagte Ferdinand Gerlach, der an der Universität Frankfurt Allgemeinmedizin lehrt und dem Expertenrat angehört.

Vor diesem Hintergrund müsse überlegt werden, wie die verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen, aber auch Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken besser zusammenarbeiten können, um jungen und alten Menschen in der Stadt und auf dem Land in gleicher Weise zu helfen. Mit der Frage, wie das Gesundheitswesen finanziert werden kann, haben sich die Experten in dem Gutachten nicht befasst.

Dramatische Entwicklung bei Hochbetagten

Wie stark sich die Bevölkerung verändert, lässt sich an der Vorausberechnung des Statistischen Bundesamts erkennen. Danach werden im Jahr 2025 rund 18 Prozent weniger Menschen in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands wohnen als noch 2006. Das bedeutet, dass diese Gegenden immer dünner besiedelt werden. Im Westen dagegen bleibt die Zahl der Menschen, die auf dem Land wohnen, fast konstant.

Gleichzeitig werden die Menschen immer älter: Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland steigt die Zahl der auf dem Land wohnenden über 65-Jährigen um 25 Prozent. Bei den Hochbetagten ist die Entwicklung noch dramatischer: 2025 werden doppelt so viele über 85-Jährige in den ländlichen Gebieten Westdeutschlands leben. Im Osten werden es mehr als eineinhalb Mal so viel sein wie heute.

Für die Gesundheitsversorgung ist das deshalb wichtig, weil die Ausgaben der Krankenkassen ab dem Alter von 50 Jahren spürbar ansteigen. Inzwischen leiden mehr als zwei Drittel der über 65-Jährigen an mindestens zwei chronischen Erkrankungen. Im Alter nehmen besonders die Kosten für Behandlungen im Krankenhaus zu. Um das Gesundheitswesen in den nächsten Jahren einigermaßen finanzierbar zu halten, empfehlen die Experten deshalb, die Versorgung aus dem Krankenhaus hin zu ambulant tätigen Ärzten zu verlagern.

Bessere Bezahlung für Hausärzte?

Dabei taucht aber das Problem auf, dass die Ärzte – und hier besonders die Hausärzte – selbst immer älter werden. Rund ein Drittel der Doktoren ist inzwischen älter als 50 Jahre. Es kommen gleichzeitig immer weniger junge Ärzte nach. „Der Beruf des Hausarztes ist nicht attraktiv genug“, sagte Experte Gerlach.

Um dafür zu sorgen, dass es auf dem Land, aber auch in ärmeren Stadtvierteln genügend Hausärzte gibt, empfehlen die Experten zunächst einmal eine bessere Bezahlung für Hausärzte. Weitere finanzielle Anreize sollen Mediziner dazu bewegen, sich in unattraktiveren Gegenden niederzulassen. Eine andere Möglichkeit wäre es, dass Gemeinden in dünn besiedelten Gegenden selbst Praxen betrieben und Ärzte aus anderen Gegenden dort einige Tage pro Woche arbeiten.

Dies könnten auch Ärzte nahe gelegener Krankenhäuser sein, schlagen die Experten vor. Langfristig müsse die Bezahlung der Ärzte so verändert werden, dass sie sich nicht nur um Heilung, sondern auch um die Vorbeugung von Krankheiten kümmern. Gesundheitsministerin Schmidt sagte, das Gesundheitssystem brauche mehr Solidarität. Alle Bürger müssten sich an der Finanzierung beteiligen.

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