Erinnerung an 2001

Neue zehnköpfige Terrorzelle in Hamburg entdeckt

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Foto: dpa

Acht Jahre nach den in Hamburg geplanten Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat sich in der Hansestadt erneut eine islamistische Terrorzelle gebildet. Im März reisten die Zehn zur Terrorausbildung an den Hindukusch. Zwei sind wieder zurück. Insgesamt sollen rund 80 potenzielle Terroristen in Deutschland sein.

Die Sicherheitsbehörden haben in Hamburg eine insgesamt zehnköpfige Gruppe von gewaltbereiten Islamisten im Visier. Ihre Mitglieder sollen im März in einer konspirativen Aktion zur Terrorausbildung an den Hindukusch gereist sein. Zwei der Islamisten seien inzwischen zurückgekehrt, berichtet „Report Mainz“.

Die Hamburger Innenbehörde wollte sich zu dem Inhalt des Berichts nicht konkret äußern, sondern erklärte lediglich, dass es Maßnahmen gebe, „über die wir aber nicht in aller Öffentlichkeit reden, um die Wirksamkeit unserer Maßnahmen nicht zu gefährden“.

Rund 180 Islamisten aus Deutschland haben nach Informationen des Bundeskriminalamtes inzwischen eine paramilitärische Ausbildung in einem Terrorcamp am Hindukusch absolviert oder planen eine solche Ausbildung. Knapp die Hälfte dieser „Personen mit Deutschlandbezug“, nämlich rund 80, sind nach diesen Informationen wieder zurück in der Bundesrepublik, wie ein BKA-Sprecher sagte. Ob und wenn ja wie diese Personen von der Polizei überwacht werden, wollte der Sprecher nicht sagen.

Zu dem Hamburger Fall beruft sich „Report Mainz“ auf einen internen Bericht des Hamburger Verfassungsschutzes und des Landeskriminalamtes. Darin heiße es: „Die einzelnen Gruppenmitglieder verfügen (...) über eine jihadistische Grundeinstellung und sind der gewaltbereiten jihadistischen Szene in Hamburg zuzurechnen.

Hohes Gefahrenpotenzial

Von ihnen gehe ein hohes Gefahrenpotenzial aus, sollten sie nach absolvierter Ausbildung wieder zurückkehren: „Je nach individuellem Radikalisierungsgrad ist davon auszugehen, dass diese Personen grundsätzlich bereit sind, im In- oder Ausland (Selbstmord-)Anschläge zu begehen“, zitierte das Magazin aus dem Bericht.

Als Anführer der Gruppe gelte der polizeibekannte Deutsche syrischer Abstammung Rami M. aus Frankfurt/Main. Er werde als sogenannter Gefährder eingestuft. Um ihn sollen sich neun weitere Islamisten unterschiedlicher Herkunft zusammengefunden haben, darunter auch zwei deutsche Konvertiten.

Die Gruppe soll sich regelmäßig in der Hamburger Taiba-Moschee getroffen haben, die früher „Al Quds“ geheißen habe und Treffpunkt für einige der Attentäter des 11. September 2001 gewesen sei.

Die Reisebewegungen stehen dem Magazin zufolge in Zusammenhang mit einer immer größer werdenden Zahl junger Islamisten aus Deutschland, die mutmaßlich Ausbildungscamps von Al Kaida oder der Islamischen Dschihad-Union absolvieren. Das BKA rechnet „mit weiteren Reise- und Absatzbewegungen von Angehörigen des islamistisch-terroristischen Milieus“.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem Magazin zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen auf dem Münchner Oktoberfest und verstärkten Reisebewegungen von Islamisten: „Diese Gefahr ist ganz real. Wir wissen, dass immer wieder Leute an solchen Ausbildungslagern teilnehmen. Diese Reiseaktivitäten sind natürlich ein Teil der Gesamtgefährdungseinschätzung, die die Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder insgesamt vornehmen.“

Islamisten hatten am Wochenende in zwei Drohbotschaften erneut zu Gewalt gegen Deutschland aufgerufen. In einem von beiden, einem Video, sind nach Presseberichten neben zwei bekannten Bonner Islamisten auch erstmals bislang unbekannte Islamisten aus Deutschland aufgetaucht.

Drei irakische Islamisten verurteilt

Wegen des geplanten Anschlags gegen den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Iyad Allawi in Berlin müssen drei in Deutschland lebende Islamisten endgültig ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigte die Freiheitsstrafen zwischen zehn und siebeneinhalb Jahren und verwarf die Revisionen der Angeklagten.

Die drei Mitglieder der irakischen islamistischen Terrororganisation Jaish Ansar Al Sunna hatten die Ermordung Allawis bei dessen Berlinbesuch im Dezember 2004 geplant. Sie wurden jedoch zuvor festgenommen. Außerdem war der Besuchstermin des irakischen Regierungschefs abgesagt worden, was die Angeklagten jedoch nicht wussten. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte die drei Männer am 15. Juli 2008 zu zehn, acht beziehungsweise siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist jetzt rechtskräftig.

Die islamistische Vereinigung führt im Irak den sogenannten Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen und ist für die Enthauptung von Geiseln und Selbstmordanschläge mit zahlreichen Toten verantwortlich. Die jetzt verurteilten Mitglieder sammelten in Deutschland Geld für die Organisation und versuchten, Kämpfer zu rekrutieren.

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