"Parteipolitisches Interesse"

VroniPlag-Gründer wehrt sich gegen Vorwürfe

Nachdem sich der Gründer der Internetplattform VroniPlag am Donnerstag in einem Interview geoutet hatte, werden Vorwürfe laut, Heidingsfelder verfolge mit der Plagiatsplattform politische Motive - weil er SPD-Mitglied ist.

Foto: action press / action press/SCHMIDT, EVA

Der Gründer von VroniPlag wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe die Plattform ins Leben gerufen, um gezielt gegen Politiker von FDP und Union zu schießen. „Das ist keine parteipolitische Aktion“, sagte Martin Heidingsfelder am Freitag in Erlangen. Zuvor hatte Jorgo Chatzimarkakis in der „Bild“-Zeitung spekuliert, Heidingsfelder verfolge ein „parteipolitisches und kommerzielles Interesse“. Die Plagiatsplattform hatte unter anderem die Doktorarbeit des FDP-Politikers Chatzimarkakis untersucht. Ihm wurde daraufhin von der Universität Bonn der Doktortitel entzogen.

Der Betreiber der bisher anonymen Plattform VroniPlag hatte sich am Donnerstag geoutet. Im Interview mit „Spiegel Online“ bekannte sich Martin Heidingsfelder mit Namen und Foto dazu, einst jene Plattform gegründet zu haben, deren Recherchen zum Entzug der Doktortitel von den FDP-Politikern Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis führten. Heidingsfelder ist laut dem Bericht selbst Mitglied der SPD. Er arbeitet nach eigenen Angaben als selbstständiger Programmier.

Der VroniPlag-Gründer erklärte , sein Name sei zuletzt in mehreren Internetforen veröffentlicht worden. Nachdem eine Boulevardzeitung bei ihm angerufen habe und wissen wollte, ob er die Plattform ins Leben gerufen habe, wollte er das Outing „selbst in die Hand nehmen“.

Heidingsfelder hatte bisher unter dem Pseudonym "Goalgetter" gearbeitet. Mitte Juli gab es Ärger innerhalb des Führungsriege der Plagiatssucher um den Gründer der Plattform. Andere Mitglieder hatten ihn nach einer Abstimmung die erweiterten Administratoren-Rechte entzogen. Als Administrator der Plattform konnte Heidlingsfelder unter anderem andere Nutzer zu Administratoren machen.

Goalgetter wurde unter anderem vorgeworfen, dass er mehrfach gegen den erklärten Willen einer Mehrheit von Administratoren von seinen Rechten Gebrauch gemacht habe. Goalgetter betrachte Konsensentscheidungen etwa als "Diktatur der Mehrheit".

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Gegenüber Spiegel Online erklärte Heidlingsfelder, er sei nicht frei von Eitelkeiten, könne aber "nichts dafür, dass sich die Medien vor allem für den Gründer von VroniPlag interessieren". Zudem habe er bis Mitte Mai die Presse die Pressearbeit für das Wiki größtenteils alleine gemacht.

VroniPlag Wiki ging vor ein paar Monaten aus der Plattform GuttenPlag Wiki hervor, die in der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg viele Plagiate festgestellt hatte. Die Plattformen dokumentieren übernommene Textstellen. Im Zuge der Untersuchungen entzogen Hochschulen die Doktortitel etwa von zu Guttenberg (CSU) und der Europapolitiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis (FDP).

Heidlingsfelders Motivation war bereits vom Start des Projektes VroniPlag umstritten. Die Plattform war nach der Auswertung der Doktorarbeit von zu Guttenberg aus dem Wiki GuttenPlag hervorgegangen. Heidlingsfelder bekam damals den Tipp, dass auch die Tochter von Edmund Stoiber, Veronica „Vroni“ Saß, in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben habe.

Um diese Hinweise zu untersuchen, gründete er VroniPlag. Diese Entscheidung war unter den Mitstreitern von GuttenPlag auch deshalb umstritten, weil Saß keine Politikerin ist und für viele auch keine Person von öffentlichem Interesse. Viele heutige Administratoren kamen erst später zu VroniPlag, als etwa die Arbeit von Koch-Mehrin untersucht wurde.

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