Steinbrücks Attacke

"Kanzlerin Merkel hat ihren Zenit überschritten"

Zu Zeiten der großen Koalition verstanden sie sich prächtig, jetzt attackiert SPD-Hoffnungsträger Steinbrück die Kanzlerin. Auch seine eigene Partei schont er nicht.

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Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück sieht Deutschland schlecht regiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei in einer "veritablen Führungskrise", sagte Steinbrück dem Magazin "Stern". Weiter sagte Steinbrück: "Ich bin enttäuscht von ihrem Krisenmanagement." Merkel habe ihren Zenit überschritten.

Steinbrück werden Ambitionen nachgesagt, die SPD als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf 2013 zu führen. Im "Stern"-Interview ließ er Sympathien für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten erkennen: "Ich gewinne der Mitgliederbefragung bei der Kür von Spitzenkandidaten viel ab."

Sollte die schwarz-gelbe Koalition vor 2013 scheitern, sprach sich Steinbrück für Neuwahlen aus. "Die SPD sollte dann für Neuwahlen sein - und kein sinkendes Schiff betreten und in eine Notkoalition einsteigen".

SPD stehe altbacken da

Mit dem Zustand seiner eigenen Partei zeigte sich Steinbrück unzufrieden. Die SPD stehe sehr altbacken da. "Wir haben uns in der Vergangenheit zu häufig selbst dementiert. Wir haben bei der Agenda 2010 unseren Stolz aufgegeben." Von seiner Kritik nahm Steinbrück Parteichef Sigmar Gabriel allerdings aus. Gabriel habe die Partei sehr gut stabilisiert.

Vor dem Hintergrund möglicher Auswirkungen der Griechenlandkrise sprach Steinbrück sich für einen anderen Umgang mit Banken aus, die in ihrer Existenz bedroht sind. "Im Zweifel muss eine Bank geordnet abgewickelt werden und vom Markt verschwinden. Dafür gibt es Verfahren. Wir brauchen ein europäisches Bankeninsolvenzrecht."

Grünen-Anhänger wollen eigenen Kanzlerkandidaten

Zwar haben die Grünen beim neuesten Forsa-Wahltrend von "Stern" und RTL einen Punkt in der Wählergunst eingebüßt – mit 23 Prozent Zustimmung liegen sie aber immer noch gleichauf mit der SPD. Das rot-grüne Lager ist noch acht Punkte stärker als das schwarz-gelbe.

Bislang will die Partei aber keine Debatte über einen möglichen grünen Kanzlerkandidaten führen. Der "Stern" befragte allerdings 751 Grünen-Anhänger nach ihren Präferenzen. Das überraschende Ergebnis: Erstens sind 63 Prozent der Grünen-Wähler dafür, dass die Partei 2013 mit einem eigenen Kanzlerkandidaten antritt. Und zweitens würden sie am liebsten Ex-Außenminister Joschka Fischer in dieser Rolle sehen. 27 Prozent sprachen sich für Fischer aus.

Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen die beiden Fraktionschefs Jürgen Trittin (20 Prozent) und Renate Künast (19 Prozent), der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (13 Prozent) und Parteichefin Claudia Roth (12 Prozent).