1. Mai-Demonstrationen

Polizei nimmt 250 Neonazis in Berlin fest

Sowohl im West- als auch im Ostteil Berlins haben Versammlungen von Rechtsextremisten für Aufregung gesorgt. Im Stadtteil Prenzlauer Berg blockierten Tausende Gegendemonstranten die Strecke, darunter auch der SPD-Politiker Thierse. Am Kurfürstendamm wiederum nahm die Polizei 250 Neonazis fest.

Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" nahm die Polizei rund 250 Neonazi-Demonstranten fest, die unangemeldet über den Kurfürstendamm in West-Berlin ziehen wollten und dort Sitzblockaden bildeten. Sie wurden in einem Linienbus abtransportiert. Die Demo-Aktion war nach Vermutung der Polizei keine spontane Idee. Es werde wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt, sagte ein Sprecher.

Im Prenzlauer Berg im Ostteil der Stadt trafen die Rechtsextremen heute auf reichlich Widerstand. Rund 10.000 Menschen demonstrierten nach Veranstalterangaben gegen einen Nazi-Aufmarsch dort. Im Stadtteil Prenzlauer Berg versuchten sie mit Blockaden, den Marsch der Rechtsextremen aufzuhalten. Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) blockierte zusammen mit anderen Politikern für kurze Zeit die Route des Aufmarsches. Dann wurde der 66-Jährige von der Polizei aus dem Weg geführt. Zwei Beamte sprachen den SPD- Politiker an und zogen ihn an Händen und Armen hoch. Dann führten sie Thierse an den Straßenrand.

Thierse hatte mit anderen Berliner Politikern den Zug von 500 Rechtsextremen durch den Stadtteil Prenzlauer Berg eine knappe Viertelstunde aufgehalten. Vor der Demonstration hatte er über seine Teilnahme an Blockaden gesagt: „Es ist nicht meine Art, mich in ein Abenteuer zu stürzen.“ Er werde je nach Situation entscheiden. Der Prenzlauer Berg liegt in Thierses Wahlkreis.

Die Proteste werden voraussichtlich bis zum Abend andauern. Bislang verläuft der Protest nach Polizeiangaben überwiegend friedlich. Angesichts massiver Proteste zogen sich die 500 bis 600 Neonazis in Richtung des Ausgangspunkts ihrer Demonstration zurück. Die Polizei hatte sie zum Umdrehen aufgefordert, nachdem der Aufmarsch an der Kreuzung Bornholmer Straße/Schönhauser Allee für eine halbe Stunde stockte. Damit haben die NPD-Anhänger nur einen Bruchteil der ursprünglich geplanten, insgesamt sechs Kilometer langen Route geschafft.

Das Bündnis „1. Mai – Nazifrei! kritisierte den Einsatz von Pfefferspray gegen die Demonstranten. Bis zum Nachmittag zählte das Bündnis fünf Festnahmen. Demgegenüber sagte eine Polizeisprecherin, von Festnahmen aufseiten der Gegendemonstranten sei ihr nichts bekannt.

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