Terrorverdächtige

Islamisten hatten deutschen Nahverkehr im Visier

Drei Marokkaner wurden in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Wahrscheinlich sind sie Mitglieder der Terrororganisation Al-Qaida. Offenbar wollten die Männer ihre Sprengsätze im Nahverkehr zünden.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Mit den Festnahmen von drei mutmaßlichen Al-Qaida-Mitgliedern in Deutschland haben die Behörden nach Angaben von Innenminister Hans-Peter Friedrich eine konkrete Terrorgefahr gebannt.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Um 6.40 Uhr griffen die Ermittler in Nordrhein-Westfalen zu. Drei Marokkaner wurden festgenommen. Sie sollen einen Bombenanschlag geplant haben. „Ziel war der öffentliche Nahverkehr in einer Großstadt“, sagte ein hochrangiger Ermittler Morgenpost Online. Der genaue Ort habe noch nicht festgestanden. Dass aber Gefahr im Verzug war, scheint gesichert zu sein. Darauf deuten sowohl größere Mengen sichergestellter Sprengmittel und Chemikalien in einem Wohngebiet hin als auch abgehörte Gespräche von Handys sowie Internetverbindungsdaten von Computern der Verdächtigen. Sie sollen laut „Rheinischer Post“ bereits Sprengstoff zu Testzwecken gezündet haben.

Die drei Marokkaner gehören einer größeren Gruppe von Terrorverdächtigen an. Da offenbar mit weiteren Festnahmen und Durchsuchungen gerechnet wird, zeigten sich Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesanwaltschaft ausgesprochen zurückhaltend. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatten Spezialisten des BKA die mutmaßlichen Terroristen schon seit Monaten im Visier. Einer der Anführer soll dem ZDF zufolge in einem Terrorcamp im Ausland ausgebildet worden sein.

Bei den Festgenommenen soll es sich laut „Bild“-Zeitung um die Marokkaner Abdeladim K. und Jamil S. aus Düsseldorf sowie Ahmed Sh. aus Bochum handeln, die angeblich deutsche Pässe besitzen. Zwei der Männer sollen in Düsseldorf festgenommen worden sein, der dritte in Bochum. Dabei gingen der Polizei nach Informationen der „Welt“ der Hauptverdächtige und zwei seiner Helfer ins Netz. Damit hat die Bundesanwaltschaft erstmals drei mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation al-Qaida in Deutschland gefasst. Nach Informationen von Morgenpost Online wird den Männern, die am heutigen Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung zur Last gelegt. Da mit weiteren Festnahmen und Durchsuchungen gerechnet wird, zeigten sich das BKA und die Bundesanwaltschaft ausgesprochen zurückhaltend.

Parallelen zur Sauerland-Gruppe

Beide Behörden machten zunächst keine weiteren Angaben zur Identität der Verdächtigen und den Hintergründen der Festnahmen. Sie wollen aber während einer Pressekonferenz am Sonnabend in Karlsruhe erste Details bekannt geben. Auch BKA-Präsident Jörg Ziercke, der von einer Brasilienreise zurückkehrt, will anreisen. Die Dimension des Falls sei vergleichbar mit dem der sogenannten Sauerland-Gruppe, die im Jahr 2007 festgenommen worden war, berichtete das ZDF. Die vier Islamisten dieser Gruppe wollten Terroranschläge in Deutschland verüben. Die Männer waren in einem Terrorcamp ausgebildet und auf Autobombenanschläge vorbereitet worden. Drei der Männer waren im September 2007 festgenommen worden, der vierte Islamist war später in der Türkei gefasst worden.

Nach den Worten von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wurde durch die Festnahme eine „konkrete und bevorstehende Gefahr durch den internationalen Terrorismus“ abgewendet. Es zeige sich, dass Deutschland nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus stehe. Es gelte, wachsam zu bleiben. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht Deutschland weiterhin im Fadenkreuz von islamistischen Terroristen. Er warnte in Düsseldorf jedoch vor Panikmache. „Die Festnahmen beweisen, dass die Behörden die Gefahr sehr ernst nehmen“, erklärte Jäger.

Für den Vorsitzenden des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), zeigen die Festnahmen, wie besorgniserregend die Bedrohungslage ist. Bosbach sagte im Gespräch mit der „Rheinischen Post“: „Auch wenn wir in den letzten Monaten die sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen, auf Bahnhöfen und im Berliner Regierungsviertel zurückgefahren haben, gibt es keinen Grund zur Entwarnung.“ Der aktuelle Erfolg der Sicherheitsbehörden mache deutlich, dass die Laufzeit der Anti-Terrorgesetzgebung verlängert werden müsse. „Es wäre jetzt grob fahrlässig, den Sicherheitsbehörden die Ermittlungsmöglichkeiten zu nehmen, die sie unbedingt brauchen, um den Terror bekämpfen zu können“, unterstrich der nordrhein-westfälische Abgeordnete.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gratulierte dem BKA zu dem jüngsten Ermittlungserfolg. „Wir sind erleichtert darüber, dass offenbar eine geplante Tat und damit möglicherweise Tote und Verletzte verhindert werden konnten“, sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut. Dass der rasche Zugriff in Deutschland mit dem Anschlag im marokkanischen Marrakesch zu tun haben könnte, wurde von Sicherheitskreisen nicht bestätigt. Die Terrorverdächtigen in Nordrhein-Westfalen sollen deshalb so schnell festgenommen worden sein, weil ihre Planungen zu gefährlich wurden.