Atomdebatte

Roth nennt Merkels Äußerungen zu Atomkraft zynisch

Umweltschützer und Grüne kritisieren Merkels Reaktion auf Japans GAU. Es sei die "verdammte Aufgabe" der Kanzlerin, Kraftwerke abzuschalten.

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Grünen-Chefin Claudia Roth hat den Reaktorunfall in Fukushima zum Angriff auf die Energiepolitik der Bundesregierung genutzt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfe jetzt nicht nur den Finger heben und Sicherheitsprüfungen deutscher Atomkraftwerke ankündigen, sagte Roth.

Nach der Explosion am Reaktorstandort in Fukushima sei es zynisch von Merkel zu behaupten, Atomkraft sei sicher. „Das stimmt einfach nicht“, sagte Roth. Es sei die „verdammte Aufgabe“ der Bundeskanzlerin, in Deutschland für Sicherheit zu sorgen. „Das heißt: Atomkraftwerke abschalten“, empörte sich Roth.

„Momentan steht die Hilfe für das von dem Erdbeben getroffene Japan im Vordergrund, aber dann muss Deutschland die Reaktortechnologie verlassen“, fügte die Grünen-Politikerin hinzu. In Japan habe es nicht nur eine Natur-, sondern auch eine Hightech-Katastrophe gegeben.

Ähnlich äußerte sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel AKWs auf den Prüfstand stellen will, muss das bedeuten, alle AKW in Deutschland abzuschalten, die ältesten und gefährlichsten Anlagen sofort“, forderte der Verband. „Wer nach einem solchen Störfall, wie er jetzt in Japan eingetreten ist, einfach so weitermacht wie bisher und die Risiken weiter bagatellisiert, der handelt unverantwortlich und zynisch.“

Schon jetzt sei klar, dass es in allen deutschen Atomkraftwerken unlösbare Sicherheitsprobleme gebe. Insbesondere in den älteren Reaktoren führten Konstruktionsmängel und jahrelang ausgebliebene Nachrüstungen zu steigenden Risiken. Reaktorgebäude, Sicherheitsbehälter, Reaktordruckbehälter und Lagerbecken seien zum Teil veraltet und könnten nicht nachgerüstet werden, erklärte der BUND.

Der Technikvorstand des Energiekonzerns RWE, Gerd Jäger, sieht angesichts der Atomkatastrophe in Japan allerdings keinen Anlass, die Laufzeitverlängerung für deutsche Meiler bis 2035 zu überdenken. "Naturkatastrophen in der Größenordnung des Tsunamis in Japan sind in Europa einfach nicht zu erwarten“, sagte Jäger der „Morgenpost Online“. Zudem sei jeder Standort, an dem RWE ein Atomkraftwerk errichtet habe, genauestens analysiert und überprüft worden. Sicherheit habe oberste Priorität.

Dass das betroffene Kraftwerk in Fukushima bereits 40 Jahre alt sei, habe nicht zum Unfall beigetragen. "Alter ist kein Maßstab für die Sicherheit einer Anlage – entweder ein Atomkraftwerk erfüllt die Sicherheitsanforderungen oder eben nicht“, sagte Jäger. In Deutschland würden mit gutem Grund höchste Sicherheitsstandards für Kernkraftwerke angesetzt. "Die Anlagen werden von uns regelmäßig überprüft und kontinuierlich auch weiterentwickelt." Dabei würden die Sicherheitsreserven immer weiter erhöht.

Nach einem Krisengipfel im Kanzerlamt hatte Merkel eine Überprüfung der Sicherheitsstandards bei den deutschen Atomkraftwerken angekündigt. „Die Geschehnisse in Japan, sie sind ein Einschnitt für die Welt“, sagte Merkel nach einem Krisentreffen am Samstagabend im Kanzleramt.

„Das ist eine außergewöhnlich ernste Situation.“ Wenn in einem solch hoch entwickelten Land wie Japan mit höchsten Sicherheitsstandards ein solcher Unfall passiere, könne auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, betonte die Bundeskanzlerin.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) bezeichnete die Atomkraft in Deutschland gar als „Auslaufmodell.

In Stuttgart hatten am Samstag bis zu 60.000 Menschen gegen die von Union und FDP beschlossene Laufzeitverlängerung für deutsche Atommeiler demonstriert.