Genre
Bauernschwank in Mundart. Rheinländer und Pfälzer sind bodenständig, experimentelles Theater schätzen sie nicht. Sie setzen auf ihnen vertraute Handlungsstränge und auf Verlässlichkeit bei der Rollenbesetzung. Wichtig ist auch, dass das Theater gut geheizt ist und die Sessel bequem sind.
Hauptrollen
Seit 16 Jahren tritt König Kurt Beck zumeist als gütiger Herrscher auf, der seine Untertanen stets freundlich empfängt und sie erfreut mit kostenlosen Kindergartenplätzen, einer ansehnlichen wirtschaftlichen Entwicklung und zahlreichen Weinfesten. In seinen vergangenen Spielzeiten am Mainzer Staatstheater spielte er die Hauptrolle in „Der gute Mann von Steinfeld“, „Der Menschenfreund“ und „Immer mal langsam mit de Leut“.
Schlechte Kritiken erfuhr der 61-Jährige für ein finanziell aufwendiges, erfolgloses Gastspiel in der Eifel („Der Nürburgring“). Mit dem politischen Theater, das auf der Berliner Bühne üblich ist, kann Beck wenig anfangen. „Vom richtigen Leben verstehen diese Darsteller so viel wie die Kaninchen von der Strahlenforschung“, sagte Beck kürzlich bei einer Metzelsupp-Matinee. Am Abend des 27. März will Beck Verhandlungen über eine fünfjährige Vertragsverlängerung aufnehmen.
Er gibt sich optimistisch. Zu seinen möglichen Partnern, den sich im Aufwind befindlichen, alternativ angehauchten Freunden des Mainzer Experimentaltheaters, hat er stets Kontakt gehalten. Gegenspielerin ist die 38-Jährige Julia Klöckner, die einst Auftritte als Weinkönigin und fröhliche Fürstin im Schauspiel ihrer Heimat Bad Kreuznach hatte. In den vergangenen Jahren bespielte sie die Berliner Bühne durchaus erfolgreich, doch für die Spielzeit 2011 bis 2016 wäre sie gern Hauptdarstellerin in Mainz. König Kurt agiere „bräsig“, klagt sie.
Außerdem habe er Filz und Vetternwirtschaft in der Theaterverwaltung verursacht. Von den Intrigen im eigenen Ensemble distanziert sie sich auch. Die Fürstin hofft ernsthaft, von der alternativen Theaterszene unterstützt zu werden. Sollte es dazu kommen, wäre sie bereit, die Hauptrolle in der „Offenen Zweierbeziehung“ zu übernehmen. Die Off-Bühne wird von Eveline Lemke in Bad Bodendorf betreut. Auch die Grüne strebt ans Staatstheater – für eine ansehnliche Nebenrolle. Für einen Souffleusen-Job steht sie nicht zur Verfügung.
Bühnenbild
Reben und Rüben. Berge und Burgen. Eifel, Westerwald, Hunsrück und Pfälzer Wald. Rhein, Mosel, Nahe und Ahr.
Handlung
Der gütige König ist nach einem nervenaufreibenden Aufenthalt in Sodom und Gomorrha (Berlin) wieder in die Heimat zurückgekehrt. Hier haben ihn die Untertanen fröhlich empfangen. Sogleich beackerte der König (Wahlspruch: Nah bei den Menschen) wieder sein Land, wie er es eh und je getan hatte. Kein Weinfest, kein Eselhautfest, kein Weihnachtsmarkt war sicher vor ihm. Auf der Bühne sind mehrere Hundert Schauspieler aktiv, derart würdigt das Staatstheater das Ehrenamt. Es geht fröhlich und weinselig zu. Nicht alle Zugereisten sind die mundartlichen Dialoge verständlich. Am Ende tritt der König allein vor das Publikum und erzählt gekonnt etliche Saarländer-Witze.
Besonderheit
In der Kantine des rheinland-pfälzischen Staatstheaters werden Saumagen und Schnüffel serviert. In den Pausen gibt es Lewwerworschtbrote und Rieslingschorle.
Die weiteren Aufführungen im Wahltheater 2011
Hamburg: Zurück in die Zukunft an der Elbe
Baden-Württemberg: Ein Land sieht Bahnhof
Berlin: Sturm und Drang in der Pleitestadt
Mecklenburg-Vorpommern: Der Zugereiste und die Schlossgespenster
Bremen: "Dinner for One" am Weserstrand
Sachsen-Anhalt: Die letzten Ritter der Schwafelrunde




