Nach Zapfenstreich

Guttenberg tritt "Zeit der Reue und Buße" an

Ex-Verteidigungsminister Guttenberg ist mit militärischen Ehren in die politische Auszeit gegangen. Bei einem Empfang sprach er zuvor über seine Zukunft.

Die Fackeln der Bundeswehr sind auch nicht mehr, was sie einmal waren. Während des „Großen Zapfenstreichs“ für den aus dem Amt geschiedenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) knicken sie in den Windböen ein, brechen sogar ab, brennende Fackelteile liegen zwischen den Soldaten, oder werden vom Wind über den Appellhof des Bendlerblocks getrieben.

Feuerpolizeilich ist das höchste Ehrenzeremoniell der Bundeswehr bedenklich. Das rote Podest, auf dem es Guttenberg mit seinem Amtsnachfolger Thomas de Maizière und Generalinspekteur Volker Wieker verfolgt, gerät zum Glück nicht in Brand.

Es sei ein „schmerzlicher Abschied“ sagte Guttenberg zuvor bei einem Empfang für 450 geladene Gäste. Es ist seine erste öffentliche Wortmeldung seit dem Rücktritt am 1. März. Er habe viel gelernt, unter anderem, „was den Wert von Freundschaften angeht“. Er habe in den letzten Wochen auch den Sinn des Satzes „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ besser begriffen. Guttenberg zitiert ihn auf lateinisch und setzt hinzu: „Er stammt übrigens nicht von Thomas Hobbes. Hobbes hat ihn bei Plautus abgeschrieben, und zwar ohne die Quelle zu nennen.“ Wissendes Lachen im Saal.

Guttenberg lächelt, aber mit müden Augen. Er ist im Gesicht etwas runder geworden. Später wird er Tränen nur mit Mühe unterdrücken. Der Satz über Plautus ist einer von zwei Momenten, in denen Guttenberg mehr oder weniger offen zugibt, die Doktorarbeit nicht korrekt verfasst zu haben. Nun wolle er zur Ruhe kommen, das Geschehene aufarbeiten, sich um seine „geplagte und belastete Familie“ kümmern. „Auf diese Zeit freue ich mich und hoffe, nicht zur Plage für meine Familie zu werden“. Es stehe aber auch eine „Zeit der Reue, wahrscheinlich auch der Buße“ bevor.

Vertrauensbekundung für de Maizière

„Ich weiß, die Bundeswehr ist in guten Händen“, ruft er seinem Nachfolger de Maizière zu. Die letzten Worte gelten der Truppe, deren oberster Befehlshaber er 16 Monate lang war: „Gottes Segen der Bundeswehr. Ich melde mich ab.“ Seine Eltern und Stiefeltern schauen zu.

Die Musikauswahl für den Großen Zapfenstreich auf dem Paradeplatz des Berliner Bendlerblocks war mit Spannung erwartet worden. Neben zwei Märschen entschied sich der AC/DC-Fan für einen Rock-Klassiker der fast auf den Tag genau so alt ist wie er selbst: „Smoke on the Water“ von Deep Purple. Er erzählt die Entstehung des Albums „Machine Head“, das Deep Purple eigentlich im Casino von Montreux aufnehmen wollten.

Am 4. Dezember 1971 – einen Tag vor Guttenbergs Geburt – brach dort während eines Konzerts von Frank Zappa Feuer aus, das Gebäude am Genfer See brannte ab, und auch die Produktion der Deep Purple-Langspielplatte geriet in Gefahr. Die Band wich schließlich ins Grand Hotel aus und produzierte dort eins der wichtigsten und erfolgreichsten Alben der Rock-Geschichte.

Guttenberg will offenbar ein Buch über seine politische Karriere verfassen. Er wolle die eine oder andere Erinnerung aufschreiben, sagt er, und fügt ironisch im Hinblick auf die ungekennzeichneten Zitate in seiner Doktorarbeit hinzu: „Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde – auch das habe ich den vergangenen Wochen gelernt.“

Der "liebe KT"

Herzliche Worte hatte der neue Verteidigungsminister de Maizière bei der Verabschiedung für seinen Vorgänger parat. In seiner Rede sprach er mehrfach vom „lieben Karl-Theodor“ und vom „lieben KT“, und geißelte die Kritik an der Doktorarbeit als überzogen. „Was Sie in Ihrer Amtszeit geleistet haben, wird den letzten Eindruck überdauern.“

Als Guttenberg schließlich zusammen mit seiner Frau Stephanie nach dem Großen Zapfenstreich zum letzten Mal in die Dienstlimousine steigt, die sie vom Bendlerblock wegbringt, brandet unter den Zuschauern Beifall auf.

Kanzlerin Angela Merkel verabschiedet Guttenberg persönlich. Horst Seehofer ist nicht anwesend, und aus dem Kabinett kamen sonst nur Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU ) und Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). CDU-Fraktionschef Volker Kauder erschien, auch der US-Botschafter Philip Murphy.