Bundestagswahl 2009

Das sind die Berliner Wahlgewinner und -verlierer

Mit 23 Abgeordneten hat Berlin einen Vertreter mehr im Bundestag als bislang. Die Erwartungen einiger prominenter Kandidaten sind am Wahlsonntag nicht in Erfüllung gegangen. Die Zahl der Gewinner und der Verlierer ist groß. Morgenpost Online hat zusammengestellt, wo Träume platzten und wer davon profitierte.

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Künftig sind 23 Berliner Abgeordnete im Deutschen Bundestag vertreten – einer mehr als 2005. Die große Wahlverliererin SPD musste dabei die meisten Federn lassen. Statt acht sitzen künftig nur noch fünf Berliner SPD-Abgeordnete im Reichstagsgebäude. Alle anderen Parteien gewannen je einen Abgeordneten dazu. So entsendet die CDU nun sechs statt fünf Abgeordnete, die Linke fünf statt vier, die Grünen vier statt drei und die FDP drei statt zwei Abgeordnete.

Die Erwartungen einiger prominenter Kandidaten sind am Sonntag nicht in Erfüllung gegangen. Wo Träume platzten und wer profitierte:

Die Berliner SPD

Der überraschendste Verlust der SPD in Berlin ist das Direktmandat von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse : Der Berliner SPD-Spitzenkandidat (65) unterlag im Wahlkreis 77 Berlin-Pankow überraschend seinem Linke-Konkurrenten Stefan Liebich (36) mit 25,8 zu 27,9 Prozent der Erststimmen. Doch Thierse zieht über die Landesliste wieder in den Bundestag ein.

Der Sprecher der SPD-Linken Björn Böhning ist nicht dabei: Der 31-Jährige verlor im Wahlkreis 84 Berlin Friedrichshain-Kreuzberg gegen den Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele (70) mit 16,2 zu 50,1 Prozent. Auch das Busenplakat von Vera Lengsfeld hat keine entscheidende Wahlwende gebracht: Die 57-jährige CDU-Kandidatin kam auf lediglich 10,9 Prozent und schaffte es auch nicht über die Liste, wo sie auf Platz 6 gesetzt war – einen Platz zu weit hinten, um noch in den Bundestag zu kommen.

Ihre Direktmandate erringen konnten Petra Merkel (Charlottenburg-Wilmersdorf) und Eva Högl (Mitte). Högl war im Januar 2009 als Nachrückerin für Ditmar Staffelt in den Bundestag gekommen. Außerdem ziehen über die Listenplätze drei und vier Swen Schulz und Mechthild Rawert in den Bundestag ein. Swen Schulz konnte seinen Wahlkreis Spandau-Charlottenburg Nord nicht verteidigen, ebenso erging es Mechthild Rawert in Tempelhof-Schöneberg. Beide Wahlkreise gingen an die CDU.

SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel gelang keine Überraschung in Treptow-Köpenick. Der SPD-Bundesgeschäftsführer (47) unterlag dem Linke-Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi (61) deutlich mit 18,2 zu 44,7 Prozent, ist also nicht im Bundestag vertreten.

Und auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter musste eine herbe Niederlage einstecken: Der Freund von Alt-Kanzler Gerhard Schröder unterlag zum zweiten Mal seinem CDU-Konkurrenten Karl-Georg Wellmann (56) im Wahlkreis 80 Berlin Steglitz-Zehlendorf mit 26,9 zu 38,8 Prozent. Weil die SPD in Berlin um gewaltige 14,1 Prozentpunkte zurückfiel und nur noch auf 20,2 Prozent der Wählerstimmen kommt, reicht Listenplatz 5 für Benneter nicht mehr.

Berliner CDU

Für die Berliner CDU errangen in diesem Jahr fünf statt wie 2005 nur einer der Kandidaten ein Direktmandat. Karl-Georg Wellmann konnte sein Mandat für Steglitz-Zehlendorf verteidigen. Jan-Marco Luczak holte sich den Sitz von Mechthild Rawert (SPD) für Tempelhof-Schöneberg, Kai Wegner nahm dem SPD-Politiker Swen Schulz Spandau-Charlottenburg Nord ab. Auch Reinickendorf und Neukölln gingen in diesem Jahr an die CDU statt an die SPD. Der ehemalige Spitzenkandidat und Fraktionschef der Berliner CDU Frank Steffel gewann in Reinickendorf gegen Jörg Stroedter , die CDU-Kreischefin und Stadträtin Stefanie Vogelsang verwies in Neukölln den stellvertretenden Vorsitzenden der Berliner SPD-Fraktion Fritz Felgentreu auf Rang zwei.

Über die Landesliste schaffte es Monika Grütters für die CDU in den Bundestag. Sie war in Marzahn-Hellersdorf angetreten, das Petra Pau von der Linken aber erneut klar für sich gewann. Für Grütters war es eine lange Zitterpartie. Weil die CDU bei der Bundestagswahl dieses Mal gleich fünf Direktmandate gewann (2005: 1), war in der Nacht lange unklar, ob der Listenplatz 1 der 47-jährigen Kulturexpertin noch ziehen würde.

Der frühere CDU-Landesvorsitzende Ingo Schmitt gehört zu den Verlierern: Er unterlag im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf der SPD-Kandidatin Petra Merkel mit 30,3 gegen 31,9 Prozent. Damit verliert Schmitt seine letzte politische Funktion. Er musste im Herbst 2008 im Machtkampf mit dem damaligen CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger vom Landesvorsitz zurücktreten.

Die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld , die durch ihre provokativen Plakate im Wahlkampf für Aufregung gesorgt hatte, ist, wie erwähnt, nicht im Bundestag dabei. Sie stand auf der Liste einen Platz hinter Monika Grütters .

Berliner Linke

Die Linke verteidigte drei Wahlkreise in Berlin: Lichtenberg ( Gesine Lötzsch ), Marzahn-Hellersdorf ( Petra Pau ) und Treptow-Köpenick ( Gregor Gysi ). Stefan Liebich holte von Wolfgang Thierse in Pankow das vierte Direktmandat – und sicherte so auch Ströbele-Konkurrentin Halina Wawzyniak den Einzug in den Bundestag. Sie stand auf der Landesliste auf Platz fünf, einen Platz hinter Liebich, und wird nun dabei sein. Auch Wawzyniak hatte einen sehr offensiven Wahlkampf gegen Lokalmatador Ströbele in Friedrichshain-Kreuzberg geführt. So war sie auf einem Plakat in enger Jeans von hinten zu sehen, versehen mit dem Slogan „Mit Arsch in der Hose in den Bundestag“.

Der Berliner Linke-Chef Klaus Lederer schaffte es hingegen nicht in den Bundestag. Er kandidierte auf Listenplatz sechs und als Direktkandidat in Mitte, wo die SPD-Kandidatin Eva Högl gewann.

Berliner Grüne

Hans-Christian Ströbele holte erneut das einzige Direktmandat für die Grünen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast zog über Listenplatz 1 in Berlin in den Bundestag ein. Auch Wolfgang Wieland , der in Mitte als Direktkandidat angetreten war (Sieg SPD) und Elisabeth Paus , die für Charlottenburg-Wilmersdorf direkt in den Bundestag wollte (Sieg CDU) sind über die Liste dabei. Auf Platz vier der Landesliste stand Özcan Mutlu , der nun nicht im Parlament dabei ist.

Berliner FDP

Die FDP hatte erneut keine Chance auf ein Direktmandat, entsendet aber drei Politiker in den Bundestag. Der frühere FDP-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Lindner , zieht über Listenplatz 1 in den Bundestag ein (Direktkandidatur in Pankow). Lars Lindemann ist dank Listenplatz 2 dabei, Hellmut Könighaus über Listenplatz 3 – er war in Treptow-Köpenick direkt angetreten.

Neu für Berlin im Bundestag sind somit:

Für die CDU Frank Steffel , Jan-Marco Luczak und Stefanie Vogelsang , für die Linke Stefan Liebich und Halina Wawzyniak , für die Grünen Elisabeth Paus und für die FDP Lars Lindemann und Martin Lindner .

Nicht mehr im Bundestag sind:

Für die SPD: Jörg-Otto Spiller, Detlef Dzembritzki, Ditmar Staffelt und Klaus Uwe Benneter , wobei nur Benneter in diesem Jahr wieder angetreten war.

Für die CDU: Ingo Schmitt und Peter Rzepka, der nicht wieder kandidiert hatte.

Für die Linke: Hakki Keskin, der nicht erneut zur Wahl stand.

Für die FDP: Markus Löning, der nicht wieder angetreten war.

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