Regierungskrise

Belarus: Lukaschenko macht Sohn Nikolai (15) zum Bodyguard

Mit der Kalaschnikow in den Händen verteidigt der belarussische Präsident Lukaschenko die letzte Diktatur Europas. Was treibt ihn an?

Lukaschenko zeigt sich während Massenprotesten mit Kalaschnikow

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko zeigt sich vor seiner Minsker Residenz mit Kalaschnikow und schusssicherer Weste - während zwei Kilomter entfernt etwa 100.000 Menschen gegen ihn auf die Straße gehen. Zuvor warnte der 65-Jährige vor der Teilnahme an "illegalen Demonstrationen".

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Minsk. Und jetzt auch noch die Kalaschnikow. Als hätten die blutrünstigen Szenen von prügelnden Polizisten dem Diktator einfach nicht gereicht. Als wäre Alexander Lukaschenko erst dann zufrieden, wenn ihn die Welt endlich als den todesmutigen Mann anerkennt, als der er sich selbst begreift. „Ihr müsst mich schon umbringen, wenn ihr mich weg­haben wollt.“ So antwortet er Landsleuten in diesen Tagen immer wieder, die ihn in Sprechchören auffordern, endlich abzuhauen aus Belarus. Aber so nicht. Nicht mit Alexander Grigorjewitsch Lukaschenko. Da greift der 65-Jährige lieber zum Sturmgewehr und stellt sich dem Kampf. So wie am Sonntag.

Wer den Mann, den sie im Westen den „letzten Diktator Europas“ nennen, schon ein wenig länger beobachtet hat, der ahnt: Lukaschenko lässt nicht nur foltern und schießen. Er würde zur Not auch selbst den Abzug drücken.

Lukaschenko lässt Demonstranten blutig niederknüppeln

Oder doch nicht? Man kann das ja schnell mal verwechseln. Wenn sich da so ein Lukaschenko hinstellt und behauptet, das Coronavirus bekämpfe man am besten mit Wodka und Traktorfahren an der frischen Luft, dann denkt man natürlich sofort an Donald Trump oder Jair Bolsonaro. Bei Lukaschenko liegen die Dinge anders. „Wir werden euch nicht protestieren lassen. Also bleibt zu Hause, sonst fließt Blut.“ So hat er es neulich gesagt – vor der Präsidentenwahl. Und dann hat er alle, die doch gegen Fälschungen protestierten, in vier Blutnächten niederknüppeln lassen.

Oder man erinnere sich an die angeblichen Metrobomber von Minsk. Im April 2011 explodiert in der U-Bahn der Hauptstadt eine Nagelbombe. 15 Menschen sterben. Die Polizei nimmt zwei junge Männer fest. Ein Gericht verurteilt sie zum Tode – trotz vieler Ungereimtheiten. Den Anklägern fällt nicht einmal ein Motiv ein – außer sinnloser Mordlust. Die Mutter eines Verurteilten bittet um Gnade, doch ein Lukaschenko kennt keine Gnade. Die Hinrichtungen werden per Genickschuss vollstreckt.

Lukaschenko macht Belarus zu einem neosowjetischen Vorzeigestaat

Was treibt den Sohn einer Melkerin aus dem Dorf Kopys im Osten von Belarus zu seinen Taten? Der kleine Sascha fällt früh bei der Miliz auf, wegen einiger Kavaliersdelikte. Das ist Anfang der 1960er-Jahre. Nach dem Krieg geht es bergauf in der Sowjetunion. Beim KGB steigt er zum Politoffizier in einer Panzerkompanie auf. 1991 unterstützt er den Putsch gegen Michail Gorbatschow und stimmt im Obersten Sowjet von Belarus gegen die Unabhängigkeit des Landes, dessen Staatsoberhaupt er 1994 wird.

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Während in Russland unter Boris Jelzin Mafiakämpfe toben, baut der gerade 40-jährige Präsident von Belarus die kleine Republik in einen neosowjetischen Vorzeigestaat um – mit harter Hand und Planwirtschaft. Das macht ihn populär: zum „Väterchen“ des Landes.

Lukaschenko-Lieblingssohn Nikolai als Bodyguard und Nachfolger

Lukaschenko ist verheiratet und hat drei Kinder, darunter seinen Lieblingssohn Nikolai, der 2004 geboren ist. Diesen jüngsten Sohn präsentiert er seit vielen Jahren als seinen natürlichen Nachfolger. An diesem Montag steigt der Sohn als hochgewachsener Mann in Kampfmontur gemeinsam mit dem Vater aus einem Helikopter – als Bodyguard mit Helm, schusssicherer Weste und ebenfalls einer Kalaschnikow in den Händen. Lesen Sie hier: Belarus oder Weißrussland: Welcher Name richtig ist

Wie es heißt, begleitet er den Diktator auf Schritt und Tritt. Wie in einer Erbmonarchie. Er selbst könne sich ein Leben, in dem er nicht Präsident ist, gar nicht mehr vorstellen, hat Lukaschenko kürzlich in einem Interview gesagt. Das war vor der Präsidentenwahl, die er fälschen ließ. So wie alle anderen Abstimmungen seit 1994 auch. Weil er offenkundig nicht lassen kann von der Macht in diesem Land.

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