US-Bericht

Die Taliban erobern weitere Landesteile Afghanistans

Die afghanische Regierung kontrolliert nur noch 65,6 des Landes. Laut einem Bericht des US-Senats sind die Taliban auf dem Vormarsch.

Ein afghanischer Soldat während einer Militäroffensive gegen die Taliban.

Ein afghanischer Soldat während einer Militäroffensive gegen die Taliban.

Foto: Watan Yar / dpa

Kabul.  Die radikalislamischen Taliban haben in Afghanistan weiteres Territorium erobert. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht des Aufsichtsgremiums des US-Senats für die Hilfe in Afghanistan (Sigar) hervor. Demnach kontrollierte die Regierung Ende Mai nur noch 65,6 Prozent der 407 Bezirke des Landes. Ende Januar seien es noch 70,5 Prozent gewesen.

Unter Berufung auf US-Militärquellen heißt es weiter, 268 Bezirke seien in den Händen der Regierung, 36 in der Gewalt oder unter dem Einfluss der Extremisten und 104 Bezirke „in Gefahr“.

Die Gewalt in Afghanistan hat seit dem Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark zugenommen. 2015 starben in Gefechten mit den Taliban rund 7000 afghanische Polizisten und Soldaten, rund 14.000 weitere wurden verletzt. 2016 sollen diese Zahlen weiter gestiegen sein, wie es aus Sicherheitskreisen heißt.

Fast ein Drittel der Opfer sind Kinder

Die Vereinten Nationen veröffentlichten zum Wochenbeginn neue Rekordzahlen ziviler Opfer. Demnach sind zwischen Januar und Juni 5166 Zivilisten getötet oder verletzt worden – vier Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Fast ein Drittel aller Opfer waren Kinder. Die UN zählen sehr konservativ. Für jedes Opfer brauchen sie drei unabhängige Quellen.

Obwohl die Kampfhandlungen anhalten, ist das Afghanistan am heutigen Freitag das 164. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) geworden. Bei einem WTO-Treffen am 19. Juli in Kenia hatte der afghanische Wirtschaftsminister Humajun Rasa gesagt, die WTO-Mitgliedschaft werde Afghanistan helfen, das Rechtsstaatsprinzip zu stärken, Transparenz herzustellen und die Basis für gesundes Wirtschaftswachstum zu legen. (dpa)