Der Bundespräsident sucht die Hilfe der Chinesen. In Peking nutzte Joachim Gauck am Dienstag eine Rede in der Deutschen Botschaft, um einen kleinen Seitenhieb auf das Desaster um das Berliner Flughafenprojekt BER mit Respekt für seine Gastgeber zu verbinden: „Ich würde gern von den Chinesen lernen, wie man einen Hauptstadtflughafen in angemessener Zeit bauen kann.“ Das deutsch-chinesische Publikum quittierte die Bemerkung mit Gelächter. Während ein Eröffnungstermin für den neuen Berliner Flughafen noch immer nicht feststeht, baut Peking derzeit im Eiltempo einen neuen Airport: Der dann weltgrößte Flughafen soll nach knapp vierjähriger Bauzeit im Sommer 2019 in Betrieb gehen.

Gauck wollte in seiner Rede darauf hinweisen, dass Deutschland und China vielfältig vom gegenseitigen Austausch profitieren können. Deutschland könne umgekehrt etwa sein Sozialstaatsmodell als „Lernfeld“ empfehlen. Am zweiten Tag seines Staatsbesuchs hatte Gauck auch andere freundliche Botschaften für seine Gastgeber. Wortreich pries er die „stabilen Beziehungen“ beider Länder und ihre besondere Verbundenheit und lobte die Leistung Chinas bei der Armutsbekämpfung.

Joachim Gauck will mit Studenten diskutieren

Doch stellte der Bundespräsident auch klar, dass er während seines Staatsbesuchs bewusst nicht nur mit der Regierung, sondern auch mit den Regierten spricht. Geplant ist am Mittwoch nach einer mit Spannung erwarteten Rede an der Hochschule in Shanghai auch eine Diskussion mit Studenten – und am Tag darauf Besuche bei Christen und Muslimen. Sie beklagen eine Beschränkung der Religionsfreiheit.

Der Bundespräsident stand auch unter dem Eindruck eines Treffens mit Menschenrechtsaktivisten und Bürgerrechtlern am Abend zuvor in der Deutschen Botschaft. Einige seiner Gesprächspartner befürchteten eine Stagnation im Land, berichtete Gauck. Auch die Menschenrechtslage werde als Problem geschildert – was die chinesische Führung im Gespräch mit Gauck vehement von sich gewiesen hatte. So benutzte der Präsident seinen Bericht über die Treffen auch als diplomatisch verpackte Kritik an seinen Gastgebern: „Die deutsche Öffentlichkeit soll wissen: Ich nehme nicht nur das wahr, was ich von Regierungsseite sehen soll.“

Am Morgen hatte sich Gauck die Verbotene Stadt angesehen. Der Rundgang begann später als geplant. In Gaucks Hotel hatte es nach einem Feuer in der Küche eine derart starke Rauchentwicklung gegeben, dass einige Zimmer geräumt werden mussten.

Bundespräsident Gauck zu Besuch in China

Die Ankunft: Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt verlassen in Peking ihr Flugzeug.
Die Ankunft: Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt verlassen in Peking ihr Flugzeug.© dpa | Wolfgang Kumm
Das freundliche Begrüßungskomitee: Kinder mit Blumen.
Das freundliche Begrüßungskomitee: Kinder mit Blumen.© dpa | Wolfgang Kumm
Chinesische Soldaten formierten sich für den Bundespräsidenten zum Ehrenspalier.
Chinesische Soldaten formierten sich für den Bundespräsidenten zum Ehrenspalier.© dpa | Wolfgang Kumm
Am zweiten Tag seines Besuchs besichtigte Joachim Gauck den Sommerpalast in Peking.
Am zweiten Tag seines Besuchs besichtigte Joachim Gauck den Sommerpalast in Peking.© dpa | Wolfgang Kumm
Es warten nicht nur angenehme Gespräche auf den Bundespräsidenten: Von dem ehemaligen Bürgerrechtler wird auch erwartet, dass er die Menschenrechtslage in der Volksrepublik anspricht.
Es warten nicht nur angenehme Gespräche auf den Bundespräsidenten: Von dem ehemaligen Bürgerrechtler wird auch erwartet, dass er die Menschenrechtslage in der Volksrepublik anspricht.© dpa | Wolfgang Kumm
Zaungäste: Der Bundespräsident zog in Peking jede Menge Schaulustige an.
Zaungäste: Der Bundespräsident zog in Peking jede Menge Schaulustige an.© dpa | Wolfgang Kumm
Insgesamt fünf Tage sind Joachim Gauck und Daniela Schadt zu Besuch in China.
Insgesamt fünf Tage sind Joachim Gauck und Daniela Schadt zu Besuch in China.© dpa | Wolfgang Kumm
Am Montagnachmittag traf Joachim Gauck den chinesischen Premierminister Li Keqiang.
Am Montagnachmittag traf Joachim Gauck den chinesischen Premierminister Li Keqiang.© dpa | Wu Hong / Pool
In der Großen Halle des Volkes debattierte Gauck mit chinesischen Spitzenpolitikern.
In der Großen Halle des Volkes debattierte Gauck mit chinesischen Spitzenpolitikern.© dpa | Wu Hong/Pool
„Ich komme in einer Zeit, in der es wichtig ist, bestehende Brücken auszubauen und die Beziehungen zu vertiefen“, sagte Gauck.
„Ich komme in einer Zeit, in der es wichtig ist, bestehende Brücken auszubauen und die Beziehungen zu vertiefen“, sagte Gauck.© REUTERS | POOL
Bei der Willkommenszeremonie vor der Großen Halle des Volkes traf Gauck auf Chinas Präsidenten Xi Jinping.
Bei der Willkommenszeremonie vor der Großen Halle des Volkes traf Gauck auf Chinas Präsidenten Xi Jinping.© REUTERS | JASON LEE
Beinahe überall in Peking wurde der Bundespräsident mit der deutschen Flagge empfangen.
Beinahe überall in Peking wurde der Bundespräsident mit der deutschen Flagge empfangen.© REUTERS | JASON LEE
Auch chinesische Schulkinder empfingen den Bundespräsidenten. Gauck und Xi Jinping eröffneten ein „Jahr des Jugendaustausches“, um die Begegnungen von Schülern und Studenten zu intensivieren.
Auch chinesische Schulkinder empfingen den Bundespräsidenten. Gauck und Xi Jinping eröffneten ein „Jahr des Jugendaustausches“, um die Begegnungen von Schülern und Studenten zu intensivieren.© dpa | How Hwee Young
Sichtlich erfreut waren die Kinder über den hohen Besuch aus Deutschland.
Sichtlich erfreut waren die Kinder über den hohen Besuch aus Deutschland.© REUTERS | JASON LEE
Gauck diskutierte später unter anderem über die ökonomischen Beziehungen beider Länder, stellte aber auch kritische Fragen zur Menschenrechtslage.
Gauck diskutierte später unter anderem über die ökonomischen Beziehungen beider Länder, stellte aber auch kritische Fragen zur Menschenrechtslage.© REUTERS | POOL