Israel-Besuch

Bundespräsident Gauck versichert Israel Freundschaft

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Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) und der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin eröffneten den musikalischen Abend.

Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) und der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin eröffneten den musikalischen Abend.

Foto: Rainer Jensen / dpa

In Tel Aviv zeigt Bundespräsident Joachim Gauck Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis der Israelis. Und er spricht von einem Wunder.

Berlin/Tel Aviv.  Reuven Rivlin macht sofort klar, was beide Seiten wollen: Kaum tritt er mit Joachim Gauck an diesem festlichen Abend auf die Bühne der nüchtern wirkenden israelischen Oper in Tel Aviv, umarmen sich die beiden Staatsmänner. Dann stehen der 76-Jährige Rivlin und der 75 Jahre alte Gauck Hand in Hand vor den gut 1500 Gästen, die gleich mit ihnen dem Thomanerchor und dem Gewandhausorchester Leipzig lauschen. Gauck und Rivlin, beide in Zeiten von Krieg und Holocaust geboren, demonstrieren Freundschaft. Deutsch-israelische Dissonanzen soll es bei diesem Besuch nicht geben.

Gauck nahm an Konzert des Thomanerchores teil

In der Oper von Tel Aviv wird das „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach aufgeführt – das in Deutschland vor dem Fest so beliebte Musikstück. Auch das soll ein Zeichen der Verständigung und Normalisierung sein: Deutsche Stimmen singen die Texte – lange Zeit war es in Israel undenkbar, dass die Sprache der früheren Massenmörder aus Deutschland wieder im „Heiligen Land“ erklingt.

Die beiden Präsidenten wollen in den Zeiten von Gewalt, Terror und Flüchtlingskrise vor allem Bilder der Harmonie ausstrahlen. Dabei geht es zwischen den beiden so ungewöhnlichen Partnern manchmal auch ganz anders her: Als Kanzlerin Angela Merkel den israelischen Premier Benjamin Netanjahu vor einiger Zeit in Jerusalem öffentlich und ultimativ zum Stopp des umstrittenen Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten aufforderte, erhob der ganz undiplomatisch laut und ungehalten seine Stimme.

Gauck zeigt in der Universität viel Gefühl

Doch Gauck hat sich für den zweiten Israelbesuch in seiner Amtszeit vorgenommen, Differenzen nicht zu sehr zu betonen. Auch nach den schwierigen Entscheidungen Zuhause, wo der Bundestag gerade eben einen gefährlichen Einsatz der Bundeswehr im Kampf gegen den IS-Terror beschlossen hat, würde zusätzlicher Zoff mit dem wichtigsten Partner in Nahost kaum ins Bild passen.

Bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität in Jerusalem zeigt Gauck betroffen Verständnis für das für manchen übertrieben wirkende Sicherheitsbedürfnis Israels: „Jetzt, wo der Terror näher an Westeuropa heranrückt, kann ich besser, intensiver jene Bedrohung erfassen, in der die Menschen in Israel seit Jahrzehnten leben.“ Der Ruf nach Fortschritten im Nahost-Friedensprozess klingt dagegen eher zurückhaltend: „Ich wünschte, Juden und Palästinenser könnten die endlose Spirale der Gewalt endlich durchbrechen und friedlich und selbstbestimmt zu einem Miteinander finden.“

Immer wieder beteuert Gauck öffentlich, auch Differenzen wie beim Siedlungsbau könnten die Freundschaft nicht erschüttern. Kein politisch Verantwortlicher in Deutschland werde „davon abstehen, ein Verteidiger des Selbstbestimmungsrechts, des Lebensrechtes Israels zu sein“, betont er. Dass es nicht doch ungewollte Misstöne gibt, dafür sorgt auch das israelische Protokoll. Beim Arbeitsfrühstück von Gauck mit Netanjahu sind nur Fotografen erlaubt, auch bei der Pressebegegnung mit Rivlin am Mittag hat die israelische Seite keine Fragen zugelassen.

Dafür zeigt der Bundespräsident in der Universität viel Gefühl, als er sich an Szenen beim Weihnachtsoratorium vom Vorabend erinnert. Abweichend vom Manuskript beschreibt er, wie es ihm dort ergangen sei, als Rivlin von Freundschaft gesprochen habe. Das könne man vielleicht auch ein Wunder nennen, wenn es so etwas heute zwischen Deutschland und Israel gebe, sagt Gauck. Und als er beschreibt, wie eine Holocaust-Überlebende ihn am Rande des Konzerts sogar geküsst habe, stockt ihm die Stimme. (dpa)