Flüchtinge

Zehntausende Syrer sind auf der Flucht Richtung Europa

Zehntausende Syrer aus der umkämpften Stadt Aleppo sollen auf der Flucht sein. Viele wollen wohl über die Ägäis Richtung EU reisen.

Die Lage in Aleppo ist gespannt, viele Einwohner fliehen aus der syrischen Stadt.

Die Lage in Aleppo ist gespannt, viele Einwohner fliehen aus der syrischen Stadt.

Foto: HOSAM KATAN / REUTERS

Athen.  Die EU muss auch in den kommenden Tagen und Wochen mit Tausenden Flüchtlingen aus dem Nahen Osten rechnen. Die Bemühungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Türkei zur Aufnahme von mehr Menschen zu bewegen, zeigen bisher keine Wirkung, im Gegenteil: Seit Merkels Besuch in Istanbul vor wenigen Tagen kommen noch mehr Flüchtlinge über die Ägäis auf die griechischen Inseln. Von dort wollen sie weiter nach Westeuropa, vor allem nach Deutschland.

Nach türkischen Medienberichten, die sich auf Quellen in Syrien stützen, sind etwa 50.000 Menschen auf der Flucht aus der umkämpften Stadt Aleppo. Die Kämpfe, an denen jetzt auch russische Kampfflugzeuge beteiligt sind, könnten bis zum Wochenende sogar rund 350.000 Menschen aus der Stadt vertreiben, schreibt die Zeitung „Hürriyet“. Viele von ihnen dürften in die Türkei fliehen – und versuchen, von dort weiter in die EU zu gelangen.

„Türkei ist kein Konzentrationslager“

In Gesprächen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und Regierungschef Ahmet Davutoğlu hatte Merkel am Sonntag in Istanbul Möglichkeiten sondiert, die Türkei zur Auf- und Rücknahme von mehr Flüchtlingen zu bewegen. Merkel stellte eine Wiederbelebung der EU-Beitrittsverhandlungen, Visa-Erleichterungen und Finanzhilfen in Aussicht. Die Kanzlerin wertete ihre Gespräche am Bosporus als „sehr erfolgversprechend“.

Doch bereits am Tag nach Merkels Besuch erklärte Premierminister Davutoğlu in schroffem Ton, die Türkei sei „kein Konzentrationslager“, das alle Flüchtlinge beherbergen könne. Zunächst müsse die EU ihre Versprechen einlösen, bevor die Türkei mitspiele.

Ankara öffnet die Schleusen

Um das zu unterstreichen, öffnet die Regierung in Ankara jetzt offenbar die Schleusen. „Die Türkei macht Druck“, sagt ein griechischer Sicherheitsexperte. Bereits im Vorfeld des Merkel-Besuchs kamen von Freitag bis Sonntag 28.850 Menschen in Booten von der türkischen Küste nach Griechenland, die meisten zur Insel Lesbos. Am Tag nach dem Istanbul-Besuch der Kanzlerin erreichte der Flüchtlingsandrang auf den griechischen Inseln mit rund 8000 Menschen an einem einzigen Tag einen neuen Höhepunkt. Damit sind seit Jahresbeginn bereits über 510.000 Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland gekommen.

Griechische Sicherheitsbehörden rechnen mit einem weiteren, starken Anstieg der Zahlen. Nach Erkenntnissen griechischer Experten warten in der Türkei derzeit bereits 3,7 Millionen Flüchtlinge auf eine Möglichkeit, über Griechenland oder Bulgarien in die EU zu gelangen.