Papstwahl

Franziskus – ein „Kardinal der Armen“ ist Papst

Im fünften Wahlgang haben sich die 115 Kardinäle am Mittwoch entschieden: Jorge Bergoglio ist der erste Nicht-Europäer auf dem Papstthron.

Foto: dpa

Die katholische Kirche hat einen neuen Papst. Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio ist das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Künftig wird er Franziskus heißen. Da er der erste Papst dieses Namens ist, entfällt der Zusatz I. Der 76-Jährige ist der erste Lateinamerikaner auf dem Papstthron. Die Entscheidung für ihn fiel am Mittwoch im fünften Wahlgang des Konklaves.

Um 19.05 Uhr war weißer Rauch aus dem Schornstein auf der Sixtinischen Kapelle im Vatikan aufgestiegen. Damit hatten die 115 wahlberechtigten Kardinäle signalisiert, dass einer unter ihnen die nötigen zwei Drittel der Stimmen auf sich vereint hat. Kurz nach dem Rauch begannen die Glocken des Petersdoms zu läuten. Zehntausende Menschen auf dem Petersplatz brachen in Jubel aus. Sie hatten trotz Regen zum Teil über Stunden ausgeharrt.

Franziskus begann sein Pontifikat mit einer Geste der Demut. In einer schlichten weißen Soutane trat er am Mittwochabend auf die Mittelloggia des Petersdoms, bat um einen guten gemeinsamen Weg und um Gebet für sich selbst. „Bevor ich euch segne, bitte ich euch, dass ihr den Herrn bittet, mich zu segnen“, sagte er. Dazu verneigte er sich tief. Es sehe so aus, als seien seine Brüder – die anderen Kardinäle – fast bis ans Ende der Welt gegangen, um einen neuen Papst zu finden.

Die Menge auf dem Petersplatz grüßte er mit einem schlichten „Brüder und Schwestern – guten Abend“.

Für seinen Vorgänger Benedikt XVI. betete er mit den Gläubigen ein Vaterunser und ein „Gegrüßet seiest du, Maria“. Franziskus verzichtete bei seinem ersten Auftritt auf besondere Abzeichen wie den roten Schultermantel. Nur zum Segen „Urbi et orbi“ ließ er sich die traditionelle rote Papststola reichen.

Direkt nach der Wahl des neuen Papstes Franziskus ist auch der Twitter-Account „@Pontifex“ wieder in Betrieb genommen worden. „Habemus Papam Franciscum“, war um 20.33 Uhr der erste Tweet des neuen Papstes im Kurznachrichtendienst Twitter. Jorge Mario Bergoglio twitterte zunächst noch unter dem Namen „Sede Vacante“ und mit dem Übergangsbild des Leeren Stuhls.

Sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. nahm den Twitter-Kanal am 12. Dezember 2012 in Betrieb und erreichte schnell fast über drei Millionen Follower. Nach seinem Rücktritt war der Account zunächst deaktiviert worden, damit sein Nachfolger entscheiden konnte, ob er unter dem gleichen Account weiter twittern möchte.

Offizielle Amtseinführung am Dienstag

Papst Franziskus wird am Dienstag mit einem feierlichen Gottesdienst um 9.30 Uhr in sein neues Amt eingeführt. Zuvor will der neue Papst am Sonnabendmit Medienvertretern zusammentreffen, wie der Vatikan kurz nach der Wahl bekanntgab. Auch mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. plant Franziskus. eine persönliche Begegnung. Einen Termin nannte das Presseamt noch nicht. Der Öffentlichkeit zeigt sich Franziskus den Angaben zufolge am Sonntag mit einem ersten Angelusgebet.

Am Donnerstagnachmittag will das neue Kirchenoberhaupt mit den Teilnehmern des Konklaves eine Messe im Vatikan feiern. Zuvor möchte er in privater Form in einem römischen Marienheiligtum beten. Für Freitag sei ein Treffen mit dem gesamten Kardinalskollegium vorgesehen, so das Presseamt.

Bundeskanzlerin Merkel gratuliert

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, gratulierte den Katholiken zur Wahl des neuen Papstes. Er wünsche Papst Franziskus „Gottes Segen für sein Amt und seine großen Aufgaben in der römisch-katholischen Kirche, viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick“. Schneider sagte, es freue ihn besonders, dass der neue Papst durch seinen Namenswahl an Franz von Assisi (um 1181-1226) erinnere und damit bewusst ein Zeichen setze für die Armen und für Gerechtigkeit in der Welt. Er erhoffe sich zudem Kontinuität im weltweiten Einsatz des Papstes für Frieden und für die Bewahrung der Schöpfung, sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte dem neuen Papst. „Kanzlerin Merkel wünscht Papst Franziskus Kraft + Gesundheit für seinen Dienst am Glauben + zum Wohl d. Menschen“, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. „Weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht“, teilte die CDU-Vorsitzende später mit. Sie freue sich vor allem mit den Christen in Lateinamerika und wünsche Franziskus Gesundheit und Kraft.

Bundespräsident Joachim Gauck gratulierte ebenfalls. „Eure Heiligkeit, zu Ihrer Wahl zum Papst und Bischof von Rom gratuliere ich Ihnen, auch im Namen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, sehr herzlich“, schrieb Gauck am Mittwoch laut einer Mitteilung des Präsidialamts. Der neue Papst trete die Nachfolge Petri in Zeiten großer Herausforderungen an. Gauck fügte hinzu: „Mit Ihnen wird erstmals ein Lateinamerikaner Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche – ein sichtbares Zeichen ihrer weltumspannenden Dimension.“ Der Name Franziskus stehe für einen Heiligen, dessen Zuneigung zu den Menschen und zur Schöpfung die Gläubigen aller Konfessionen bis heute bewege und anrühre. Franziskus sei insbesondere für seine Hinwendung zu den Armen und Schwachen Vorbild für Viele.

Andacht in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale

In der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin haben am Mittwochabend Gläubige ihre Freude über den neuen Papst zum Ausdruck gebracht und für ihn und seinen Vorgänger gebetet. Wie Stefan Förner, Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin, weiter sagte, ist die Überraschung groß gewesen, dass die Wahl so schnell verlief und auf einen Lateinamerikaner fiel. Auch Generalvikar Prälat Tobias Przytarski war bei der kurzen Andacht anwesend, zu der sich einige Dutzend Gläubige versammelt hatten. Sprecher Förner sagte, auch Przytarski „war sehr überrascht, dass die Wahl des Papstes so schnell erfolgt ist“.

Auch die Spitzen der EU-Institutionen gratulierten dem neuen Papst Franziskus. „Wir wünschen Ihnen ein langes und gesegnetes Pontifikat, das Eurer Heiligkeit und der katholischen Kirche erlauben wird, die Grundrechte des Friedens, der Solidarität und der Menschenwürde zu verteidigen und zu fördern“, erklärten EU-Kommissionschef José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, wünschte dem neuen Papst aus Straßburg „Mut und Stärke“. Er habe die „Gelegenheit zur Erneuerung“ zu einem Zeitpunkt, an dem die katholische Kirche vor großen Herausforderungen stehe.

Messi, Maradona, Papst – Argentinien feiert

Die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst hat in Argentinien auch die Fußball-Fans begeistert. „Maradona, Messi... und jetzt Jorge Mario Bergoglio“, titelte die Sportzeitung Olé am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe. In der Kathedrale der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires nahmen die Menschen die Nachricht mit Jubel und Applaus auf. Die argentinische Staatspräsidentin Cristina Kirchner schrieb: „In meinem Namen, im Namen der argentinischen Regierung und als Repräsentantin des Volkes in unserem Land möchte ich Sie grüßen und Ihnen meine Glückwünsche zur Wahl ausdrücken.“ Für viele Argentinier hat die „Hand Gottes“ wieder zugeschlagen. Nicht die Fußball-Legende Diego Maradona, sondern der neue Papst. Die Wahl lässt die Herzen seiner Landleute höher schlagen. Die Argentinier strömten in die Kirchen und feiergten die völlig überraschende Wahl des 76-jährigen zum Pontifex Maximus. Viele Menschen in dem überwiegend katholischen Land weinten und schickten Dankgebete zum Himmel.

Vatikansprecher Lombardi ist „schockiert“

Für Federico Lombardi (71), Vatikansprecher und Jesuit, kam ein Ordensbruder als Papst überraschend: „Ich persönlich bin ein bisschen schockiert, einen jesuitischen Papst zu haben“, sagte Lombardi laut dem US-amerikanischen Pressedienst CNS. „Jesuiten sehen sich als Diener, nicht Autoritäten in der Kirche.“ Die Wahl des Namens Franziskus nannte Lombardi „mutig“ und ein Zeichen von Einfachheit.

Den gewählten Argentinier Jorge Bergoglio (76) kenne er nicht besonders, obwohl er ein Ordensbruder sei, gestand Lombardi ein. „Ich habe ihn gestern noch gegrüßt, aber ich erwartete nicht, ihn in Weiß wiederzusehen.“ Seine Stimmung schwanke zwischen Überraschung und Begeisterung. „Ich habe keine Idee, was morgen passiert“, sagte der Jesuit und Leiter des vatikanischen Pressesaals.

Frankreichs Präsident François Hollande übermittelte Papst Franziskus die besten Wünsche, um sich den Herausforderungen der heutigen Welt zu stellen. Frankreich werde den vertrauensvollen Dialog mit dem Heiligen Stuhl fortsetzen. Dies werde „im Dienst von Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Menschenwürde“ geschehen, schrieb Hollande nach Angaben des Élysée-Palastes. US-Präsident Barack Obama erklärte, er freue sich darauf, mit dem Papst zusammenzuarbeiten, um Frieden, Sicherheit und die Würde aller „Mitmenschen, unabhängig ihres Glaubens“ zu stärken.

Bergoglio wird auch „Kardinal der Armen“ genannt

Mit Jorge Bergoglio kommt zum ersten Mal ein Papst aus Lateinamerika. Bereits beim letzten Konklave 2005 war der argentinische Jesuit der stärkste Kontrahent Joseph Ratzingers gewesen. Mit 76 Jahren und seiner etwas gebrechlichen Gesundheit ging er in die neue Papstwahl eher als Außenseiter unter den Favoriten. Er wird oft auch „Kardinal der Armen“ genannt.

Fast 560 Millionen Menschen, knapp die Hälfte der gut 1,1 Milliarden Katholiken, leben in Lateinamerika: Auf keinem anderen Kontinent ist der Anteil von Katholiken so hoch.

Bergoglio gilt zwar inzwischen als relativ alt für die aufreibenden Aufgaben, die etwa mit der Kurienreform auf den 266. Papst warten. Doch mit der Verbindung äußerst konservativer Auffassungen über Sexualmoral, Abtreibung, Kondome und Homosexualität mit einem schlichten Lebensstil überzeugte der italienisch-stämmige Argentinier, der in Deutschland studierte, viele Vatikanbeobachter.

Der Erzbischof von Buenos Aires und Primas Argentiniens bevorzugt ein möglichst unauffälliges Auftreten in der Öffentlichkeit. So konnte er bereits als Kardinal öfters in der U-Bahn auf dem Weg in die Kathedrale an der Plaza de Mayo beobachtet werden. Auch in Rom geht er lieber in einem dunklen Mantel und ohne Kardinalshut.

In den letzten Jahren kollidierte Bergoglio mehrfach mit den Regierungen von Néstor und Cristina Kirchner. Er kritisierte Korruption und Armut, außerdem wandte er sich erfolglos gegen die Legalisierung der Homo-Ehe in Argentinien.

Sohn italienischer Einwanderer

Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Sein Vater war Bahnangestellter in der argentinischen Hauptstadt. Dort ging er auf eine technische Schule, die er als Chemie-Techniker absolvierte. Mit 21 Jahren ging er ins Priester-Seminar.

Nach seiner Priesterweihe 1969 folgte er Theologiestudien und wurde 1973-1979 zum Provinzial des Jesuitenordens berufen. In diesen schwierigen Jahren Argentiniens, in denen nach sozialer Aufruhr das Militär die Staatsmacht übernahm, führte Bergoglio mit Strenge seine Ordensbrüder in strikt religiöse Aufgaben zurück.

Der einzige Jesuit im Konklave übernahm 1998 die Erzdiözese von Buenos Aires und wurde 2001 zum Kardinal berufen.

Entscheidung fiel in der fünften Wahlrunde

Papst Benedikt XVI. hatte am 11. Februar als erster Papst der Neuzeit aus Altersgründen seinen Rücktritt erklärt. Am 28. Februar legte der 85-jährige Joseph Ratzinger sein Amt nieder und zog sich auf den päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo zurück. Der aus Deutschland stammende Benedikt XVI. war im April 2005 zum Oberhaupt der mehr als eine Milliarde Katholiken weltweit gewählt worden.

Damals war das Konklave nach dem vierten Wahlgang am Nachmittag des zweiten Tages entschieden worden. Dieses Mal fiel die Entscheidung am Abend nach der fünften Abstimmungsrunde.

Neuer Papst gilt als 266. der Kirchengeschichte

Der Papst (griechisch: pappas – Vater) ist das religiöse Oberhaupt der römisch-katholischen Weltkirche mit 1,2 Milliarden Gläubigen. Seit dem 12. Jahrhundert spricht die Kirche vom Stellvertreter Jesu Christi auf Erden. Der Papst ist Bischof von Rom und zudem Staatsoberhaupt des Vatikans.

Der neue Papst gilt offiziell als 266. der Kirchengeschichte. Der Glaubenslehre zufolge ist der Papst der Nachfolger des Apostels Petrus. Diesen hatte Jesus von Nazareth nach dem Matthäus-Evangelium als ersten Kirchenführer eingesetzt. Petrus ging der Überlieferung zufolge nach Rom, wo er den Märtyrertod starb. Über seinem mutmaßlichen Grab wurde später der Petersdom errichtet.

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