Naher Osten

Lage in Gaza eskaliert - Tote bei Raketenangriffen

| Lesedauer: 6 Minuten

Foto: MENAHEM KAHANA / AFP

Israel setzt seine Luftschläge fort, die Palästinenser feuern zurück. Dabei sterben drei Israelis. Die Hamas kündigt massive Rache an.

Bei dem Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen sind auch drei Israelis ums Leben gekommen. Polizeiaingaben zufolge habe ein Raketenangriff am Donnerstag ein Wohngebäude in dem Dorf Kirjat Malahi getroffen. Vier weitere Menschen wurden verletzt.

Die israelische Luftwaffe setzte ihre massiven Luftschläge im Gazastreifen auch in der Nacht zum Donnerstag fort. Eine Armeesprecherin sagte, etwa 100 Ziele seien seit Mitternacht angegriffen worden. Die palästinensische Nachrichtenagentur Safa berichtete, seit Beginn der Militäroperation am Mittwoch seien 13 Palästinenser getötet und mehr als 150 verletzt worden.

Unter den Toten waren den Angaben zufolge auch zwei Kinder und eine schwangere Frau. Israel warf nach Medienberichten Flugblätter über dem Gazastreifen ab, die Zivilisten dazu aufriefen, sich zu ihrem eigenen Schutz von Waffenlagern fernzuhalten.Israel schließt auch eine Bodenoffensive nicht ausAm Mittwoch hatte Israel den Hamas-Militärchef Ahmed al-Dschaabari gezielt getötet und angekündigt, die Angriffe auf den Gazastreifen noch auszuweiten. Vorausgegangen war seit Tagen anhaltender Beschuss Israels aus dem von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Küstengebiet am Mittelmeer. Auch eine Bodenoffensive schloss Israel nicht aus. Bei den insgesamt über 50 Angriffen auf Lager und Startrampen für Raketen sowie zwei Trainingscamps islamistischer Kämpfer kamen mindestens zehn Palästinenser ums Leben, darunter zwei Kinder. Die regierende Hamas rief den Notstand für den Gazastreifen aus.

Raketen schlagen in Israel ein

Militante Palästinenser feuerten seit Mittwochabend Dutzende Raketen in Richtung Israel ab. Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen nannte die Tötung von Al-Dschabari eine „Kriegserklärung“ und kündigte massive Rache an. Die israelische Armee bezeichnete Al-Dschabari als „Terroristen Nummer eins“ im Gazastreifen. Auf beiden Seiten suchten Bewohner Schutz vor den schwersten Angriffen seit Jahren, die in ihrer Intensität an den Beginn des Gaza-Krieges 2008 erinnerten.

In einer Dringlichkeitssitzung beriet der UN-Sicherheitsrat über die jüngsten israelischen Angriffe. Ein konkreter Beschluss wurde nach Angaben der indischen Präsidentschaft nicht gefasst. US-Präsident Barack Obama bekräftigte das Recht Israels auf Selbstverteidigung. Er habe die Regierung in Jerusalem allerdings auch dazu aufgefordert, zivile Opfer bei den Militäroperationen zu vermeiden, teilte das Weiße Haus mit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte vor einer Eskalation der Gewalt. Er rief beide Seiten zur Ruhe auf und verlangte die Einhaltung des humanitären Völkerrechts.

„Die internationale Gemeinschaft muss handeln”

„Israel begeht Kriegsverbrechen gegen das palästinensische Volk“, hieß es in einer Stellungnahme des UN-Gesandten der Palästinenser, Rijad Mansur. „Die internationale Gemeinschaft muss handeln, um Israels illegale Praktiken zu beenden.“ Ägypten forderte die USA zum Eingreifen auf. Die USA müssten sofort intervenieren und der „israelischen Aggression gegenüber dem palästinensischen Volk“ Einhalt gebieten, forderte der ägyptische Außenminister Kamel Amr nach Ministeriumsangaben vom Donnerstag bei einem Telefongespräch mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton. Solange die israelischen Angriffe nicht aufhörten, werde sich die Lage zuspitzen und allmählich außer Kontrolle geraten.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi warnte derweil, die Angriffe drohten die gesamte Region zu destabilisieren. Am Mittwoch hatte Ägypten aus Protest gegen das israelische Vorgehen seinen Botschafter aus Israel abgezogen. Israels Luftwaffe hatte zuvor dutzende Angriffe auf den Gazastreifen geflogen und dabei den Militärchef der radikalislamischen Hamas, Ahmed al-Dschaabari, getötet.

Hamas ehrt toten Militärchef als großen Führer

Tausende versammelten sich vor dem Krankenhaus, in das Dschabaris Leichnam gebracht wurde. Sie forderten Vergeltung für den tödlichen Angriff und skandierten Parolen wie: „Wir wollen heute Nacht Tel Aviv treffen.“ Ministerpräsident Ismail Hanijeh ehrte Dschabari als großen Führer und kündigte Rache an. „Wir trauern um unseren toten Führer, der auf dem Pfad des Heiligen Kriegs wandelte, obwohl er wusste, dass am Ende nur Sieg oder Märtyrertod stehen können“, sagte der Regierungschef der Hamas. „In unserem Volk herrscht keine Angst und wir setzen diesem bösartigen Angriff Widerstand entgegen.“

Dschabari alias Abu Mohammed ist der ranghöchste Hamas-Funktionär, den Israel seit der Invasion im Gazastreifen vor vier Jahren gezielt getötet hat. Sein Name stand weit oben auf der Liste der Sicherheitsbehörden in Israel, die ihm eine ganze Reihe von Anschlägen vorwerfen. Zudem soll er an der Entführung des Soldaten Gilad Schalit im Jahr 2006 beteiligt gewesen sein, der erst im Oktober 2011 wieder frei kam.

„Ich würde ihn als den Terroristen Nummer 1 im Gazastreifen bezeichnen“, sagte der israelische Militärsprecher Yoav Mordechai. „An seinen Händen klebt Blut.“

Dschabari gehörte ursprünglich zur konkurrierenden Fatah

Dschabari hatte zuvor vier Anschläge überlebt. Im Jahr 1960 geboren, gehörte er ursprünglich zur moderaten Fatah, der Partei des heutigen Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. Nach 13 Jahren Haft in israelischen Gefängnissen schloss sich Dschabari jedoch der Hamas an und stieg dort 2006 zum Anführer des militärischen Arms auf. Als solcher befehligte er den blutigen Bürgerkrieg gegen die Fatah-Kräfte im Gazastreifen im Jahr 2007.

Vor den Luftangriffen am Mittwoch hatten extremistische Kämpfer aus dem Gazastreifen tagelang Raketen auf den Süden Israels abgefeuert. Am Mittwochabend schlugen über 65 Geschosse in der Region ein. In der Stadt Beersheba traf eine Rakete ein Einkaufszentrum und verursachte schwere Schäden.

Das Raketenabwehrsystem Iron Dome habe 25 Geschosse aus dem Gazastreifen abgefangen, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Für den Süden des Landes wurde der Ausnahmezustand verhängt. Am (heutigen) Donnerstag sollten in der Gegend die Schulen geschlossen bleiben.

In einer Ansprache sagte Netanjahu, Israel werde die Angriffe aus dem Gazastreifen nicht länger dulden. „Sollte es nötig sein, sind die Streitkräfte bereit, die Operation auszuweiten“, sagte der Regierungschef. „Wir werden weiterhin alles tun, um unsere Bürger zu schützen.“

( dapd/dpa/Reuters/mim/alu )

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