Tausende Libanesen aus allen Landesteilen strömen seit Sonntagmorgen in die Hauptstadt Beirut, um den bei einem Bombenanschlag getöteten Geheimdienstchef Wissam al-Hassan zu Grabe zu tragen.
Viele der schwarz gekleideten Menschen trugen Bilder des hochrangigen Funktionärs bei sich und riefen auf ihrem Weg in die Innenstadt anti-syrische Parolen. Dort sollte am Nachmittag die Beerdigung stattfinden. Die libanesische Armee hatte die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft.
Bei der Explosion einer Autobombe im christlichen Viertel Aschrafijeh waren am Freitag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag General al-Hassan, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung des Oppositionspolitikers Saad Hariri nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus.
Brüchiger Frieden gefährdet
Das Attentat gefährdet den brüchigen Frieden im Libanon. Am Sonnabend hatte es vor allem in den von Sunniten dominierten Regionen Massenproteste gegeben. Die Demonstranten forderten Ministerpräsident Nadschib Mikati zum Rücktritt auf.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat dem libanesischen Präsidenten Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati Unterstützung zugesagt. In einem Telefonat mit Suleiman am Sonnabend äußerte Ban die Hoffnung, dass sich Libanon nicht von „regionalen Ereignissen“ – gemeint war der Bürgerkrieg im benachbarten Syrien – beeinflussen lasse. Ban habe sein Mitgefühl ausgedrückt und seine Solidarität mit dem libanesischen Volk betont, sagte ein Sprecher Bans am Samstag in New York laut Mitteilung.
Al-Hassan soll am Sonntag an der Seite von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri im Zentrum von Beirut begraben werden. Der Vater von Saad Hariri war 2005 ebenfalls bei einem Bombenanschlag getötet worden. Damals war Al-Hassan sein Sicherheitschef. Auch damals machten viele Syrien verantwortlich – bewiesen werden konnte das aber nicht.
Rücktritt der Hisbollah-Regierung gefordert
Im Libanon wurden am Samstag die Rufe nach einem Rücktritt der von der Hisbollah gestützten Regierung immer lauter. Landesweit gingen am Samstag zum nationalen Tag der Trauer insbesondere in den von Sunniten dominierten Regionen Menschen auf die Straße und forderten Ministerpräsident Mikati zum Rücktritt auf. Nach einer Krisensitzung des Kabinetts sagte dieser, er habe Präsident Suleiman den Rücktritt angeboten, bleibe jedoch auf dessen Bitte hin vorerst im Amt.
Der Ministerpräsident argumentierte: „Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon.“ Die derzeitige Regierung wurde 2011 von einem Bündnis an die Macht gebracht, das von der pro-syrischen, schiitischen Hisbollah dominiert wurde.
dpa/bee

