Das von türkischen Kampfjets zur Landung in Ankara gezwungene Flugzeug hat seinen Flug nach Syrien fortsetzen können. Die syrische Maschine habe am Donnerstagmorgen um 1.30 Uhr MESZ mit allen 35 Passagieren an Bord die Starterlaubnis bekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Neun Stunden zuvor hatten zwei Kampfjets des Typs F-16 den Airbus A-320, der auf dem Weg von Moskau nach Damaskus war, zur Landung in Ankara gezwungen. Spezialeinheiten durchsuchten daraufhin das Flugzeug.

Nach Angaben des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu wurde an Bord der Maschine „illegale Ladung“ gefunden, die beschlagnahmt wurde. Um was es sich dabei handelt, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ meldete auf ihrer Webseite unter Berufung auf Sicherheitskreise, das Flugzeug habe Kommunikationsausrüstung und Störsender geladen. Im türkischen Fernsehsender NTV hieß es, die Behörden hätten Raketenteile gefunden. Davutoglu nannte keine Details und sagte, die Untersuchung dauere noch an.

Nach Informationen aus russischen Rüstungsexportkreisen soll das Flugzeug jedoch weder Waffen noch andere militärische Ausrüstungen an Bord gehabt haben. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstagmorgen.

Bei Eintritt in Luftraum abgefangen

Zuvor hatten am Mittwoch türkische Kampfjets das Flugzeug beim Eintritt in den türkischen Luftraum abgefangen und zum Flughafen der Hauptstadt Ankara eskortiert. Es habe der Verdacht bestanden, dass in der aus Moskau kommenden Maschine schwere Waffen nach Damaskus gebracht werden sollten, hieß es. Syrien kommentierte den Vorfall bislang nicht.

„Wir sind entschlossen, den Fluss von Waffen an ein Regime zu stoppen, das solch skrupellose Massaker begeht“, sagte Davutoglu im Fernsehsender TGRT. Im syrischen Bürgerkrieg sind Übergriffe von Regierungstruppen an Zivilisten dokumentiert. Russland hat sich im Weltsicherheitsrat bisher als wichtigster Verbündete von Präsident Baschar Assad gezeigt und Sanktionen gegen Syrien blockiert.

Die Türkei unterstützt im syrischen Bürgerkrieg die Opposition. Dies hat zu Spannungen zwischen den Nachbarländern geführt, in der vergangenen Woche gab es sogar Schusswechsel an der Grenze.

Die türkischen Behörden erklärten am Mittwoch den syrischen Luftraum für unsicher und untersagten türkischen Flugzeugen den Flug über das Nachbarland. Eine türkische Maschine aus Saudi-Arabien sei auf dem Weg in die Türkei bereits umgeleitet worden, um nicht über Syrien fliegen zu müssen, berichtete der Fernsehsender TRT.

Die Nato hatte Ankara am Dienstag demonstrativ Rückendeckung für den Fall einer weiteren Eskalation im türkisch-syrischen Grenzkonflikt zugesagt. „Wir haben alle notwendigen Pläne bereitliegen, um die Türkei zu schützen und zu verteidigen“, sagte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel. „Wir hoffen aber, dass dies nicht notwendig sein wird.“

dapd/rtr/sei