Afghanistan

Auf Taliban-Kämpfer uriniert - Soldaten vor Militärgericht

Zwei Scharfschützen müssen sich für die Leichenschändung von Afghanen verantworten. Der Vorfall hatte im Januar für einen Skandal besorgt.

Foto: TONY KARUMBA / AFP

Zwei US-Soldaten müssen sich vor einem Militärgericht verantworten, weil sie in Afghanistan auf die Leichen von Taliban-Kämpfern uriniert haben sollen.

Wie das Pentagon am Montag mitteilte, drohen den beiden Unteroffizieren strafrechtliche Konsequenzen für die Leichenschändung, die in einem Internetvideo Anfang des Jahres öffentlich geworden war. Die Regierung in Kabul begrüßte das Gerichtsverfahren am Dienstag.

Das Pentagon wirft den beiden Soldaten einer Scharfschützeneinheit der Marineinfanteristen vor, gegen das Militärrecht verstoßen zu haben. Die Unteroffiziere hätten „mit menschlichen Opfern posiert“. Außerdem seien die Männer angeklagt worden, weil sie untergebene Soldaten nicht angemessen beaufsichtigt hätten.

Karsai wirft Soldaten „unmenschliches“ Verhalten vor

Der Vorfall ereignete sich Ende Juli 2011 in der südafghanischen Provinz Helmand. Im Januar tauchten im Internet die Aufnahmen der Schändung der Leichen dreier getöteter Aufständischer auf und sorgten für massive Empörung. Afghanistans Präsident Hamid Karsai warf den Soldaten „unmenschliches“ Verhalten vor, US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigte sich.

In dem Video sind vier US-Soldaten zu sehen, ein fünfter machte die Aufnahme. Wegen des Vergehens hatte das US-Militär Ende August bereits drei Soldaten mit Disziplinarstrafen belegt. Bei ihnen handelte es sich laut US-Armee um einen der urinierenden Soldaten, einen Kollegen, der die Szene aufnahm, sowie einen weiteren anwesenden Marineinfanteristen, der den Vorfall nicht meldete.

Afghanistan begrüßt Verfahren

Der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, Sahir Asimi, sagte am Dienstag, sein Land begrüße das Verfahren gegen die beiden US-Soldaten. „Wir wollen, dass alle Menschen, die gegen das Gesetz verstoßen, zur Verantwortung gezogen werden“, sagte er.

Die radikalislamischen Taliban erklärten dagegen, das Verfahren sei „nur eine symbolische Geste, um die Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen“. Bei den US-Soldaten handele es sich um „Kriegsverbrecher“, die „hart bestraft“ werden müssten, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid.

Der Ruf der US-Armee hat sich in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Skandale verschlechtert. Vor einigen Jahren sorgten Bilder vom Missbrauch Gefangener in der Haftanstalt Abu Ghraib im Irak für Empörung, erst kürzlich gab es Verurteilungen von Soldaten wegen der gezielten Tötung von afghanischen Zivilisten.