Südfrankreich

Selbst erklärtes al-Qaida-Mitglied nimmt in Toulouse Geiseln

In Toulouser Bank hat ein Mann vier Geiseln genommen. Ende März versetzte Serienattentäter Merah die Stadt in Angst.

Im südfranzösischen Toulouse hat am Mittwoch ein selbst erklärtes Mitglied des radikalislamischen Terrornetzwerkes al-Qaida in einer Bank vier Geiseln genommen. Wie die Polizei mitteilte, brachte der Mann unter anderem den Bankdirektor in seine Gewalt. Eine Geisel, eine Frau, soll am Nachmittag wieder freigelassen worden sein.

Nach Angaben der Polizei drang der bewaffnete Mann gegen 11 Uhr in die Bankfiliale ein. Dort habe er einen Schuss abgegeben und vier Geiseln genommen. Einem Beamten zufolge forderte der Mann, dass die Polizei-Eliteeinheit Raid anrückt – möglicherweise, um Verhandlungen mit ihr zu führen. Über mögliche Verletzte war zunächst nichts bekannt.

Die Polizei schließt nicht aus, dass der Täter einfach durchgedreht ist, nachdem ein Bankraub schief ging. Der Geiselnehmer soll rund 30 Jahre alt und polizeibekannt sein. Nähere Einzelheiten teilten die Ermittler zunächst nicht mit. „Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass der Typ verrückt ist, was ihn aber nicht weniger gefährlich macht“, hieß es bei der Polizei.

Nach Angaben des Nachrichtensenders BFMTV evakuierten Sicherheitskräfte eine Schule in der Nähe der Bank. Das Gebiet sei weiträumig abgesperrt, hieß es. Die Bank gehört zu der Gruppe Crédit Mutuel-CIC.

Die Geiselnahme erregte in Frankreich besondere Aufmerksamkeit, weil sie sich in Toulouse ereignete. Aus dieser Stadt kam der Attentäter Mohamed Merah, der ebenfalls erklärt hatte, dem Terrornetzwerk al-Qaida nahezustehen. Merah hatte im März 2012 sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer an einer jüdischen Schule in Toulouse. Er wurde am 22. März bei der spektakulären Stürmung seiner Wohnung durch Kräfte der Spezialeinheit Raid getötet.

Der jetzige Tatort liegt unweit des Wohnhauses, in dem Merah erschossen worden war.

( AFP/dpa/sei )