Der republikanische Herausforderer von US-Präsident Barack Obama soll als Highschool-Student einen homosexuellen Mitschüler drangsaliert haben. Wenige Monate vor seinem Abschluss im Jahr 1965 soll Mitt Romney zusammen mit Freunden dem Jugendlichen die blondierten Haare abgeschnitten haben. Romney entschuldigte sich am Donnerstag, obwohl er sich an den Vorfall nicht erinnere.
Romney soll die Meute an der elitären Cranbrook School angeführt und selbst geschnitten haben, berichtete die Zeitung „Washington Post“, die sich die Geschichte von fünf ehemaligen Mitschülern an dem Jungeninternat bestätigen ließ. „Er kann so nicht aussehen. Das ist falsch. Schaut ihn nur an“, soll Romney sich demnach über den Mitschüler John Lauber echauffiert haben, der seine gebleichte Haartolle über ein Auge drapiert hatte. Die extravaganten Strähnen seien dann der Schere zum Opfer gefallen, schrieb die Zeitung. „Als Lauber mit den Tränen rang und um Hilfe schrie, schnitt Romney ihm mit einer Schere mehrere Bündel Haare ab“, so die „Washington Post“.
Lauber outete sich erst nach seiner Schulzeit als homosexuell, er starb 2004 an Krebs
Der Angriff auf Lauber „quält mich noch heute“, sagte einer der Angreifer, Thomas Buford, der „Washington Post“. „Was für eine unsinnige, idiotische Tat“. Der inzwischen pensionierte Staatsanwalt entschuldigte sich nach eigenen Angaben später bei Lauber. Diese habe ihm von seiner Panik berichtet, als er von den anderen Schülern am Boden festgehalten wurde.
Romey entschuldigt sich - will aber nichts wissen
Romney reagierte rasch auf die Vorwürfe. Er habe zwar keine Erinnerung mehr an den Vorfall, sagte er in einem eilig arrangierten Radiointerview mit dem Sender Fox News. „Aber ich habe an vielen Streichen an der High School teilgenommen und manche sind zu weit gegangen, und dafür entschuldige ich mich.“ Er habe „einige dumme Sachen“ gemacht, und wenn jemand dadurch „verletzt oder beleidigt“ wurde, wolle er um Verzeihung bitten.
Zur Vermutung, Lauber könnte wegen seiner sexuellen Orientierung Opfer des Angriffs geworden sein, sagte Romney, derartige Gedanken hätten ihm und seinen Freunden völlig fern gelegen.
Das Thema Homosexualität spielt im US-Wahlkampf eine wichtige Rolle, seit sich Obama am Mittwoch nach langem Zögern für die Homo-Ehe ausgesprochen hatte. Seit Obamas Plädoyer betont sein republikanischer Widersacher seine konservative Haltung bei diesem Thema. Er sei der Auffassung, die Ehe sollte nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden, hatte Romney gesagt.
Obamas war von seinem eigenen Vize Joe Biden unter Zugzwang gesetzt worden, als dieser in einem Fernsehinterview zum Thema Homo-Ehe vorgeprescht war. Er fühle sich „absolut wohl“ mit einer Anerkennung der Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts, hatte Biden im Sender NBC gesagt. Angesichts des darauf folgenden Mediensturms sah sich Obama genötigt, seinerseits rasch mit einer Stellungnahme nachzuziehen.
Der US-Präsident machte kein Hehl daraus, dass er mit dem Timing seines Vizes wenig glücklich war. Nach Angaben von Vertrauten hat sich Biden inzwischen bei Obama für seine unbedachten Äußerungen entschuldigt. Seine Sprecherin Kendra Barkoff sagte, Biden habe den Präsidenten nicht in den Schatten stellen wollen: „Der Präsident war bei diesem Thema vom ersten Tag an meinungsführend und der Vizepräsident hat niemals beabsichtigt, davon abzulenken“, sagte sie.
AFP/dapd/Reuters/mim

