In Klinik verlegt

Julia Timoschenko beendet Hungerstreik

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Die Oppositionsführerin hat ihren Hungerstreik beendet. Jetzt kümmert sich der Berliner Neurologe Lutz Harms um ihre Aufbautherapie.

Nach rund zwei Wochen hat die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko ihren Hungerstreik beendet. Die Aufbautherapie der früheren Ministerpräsidentin werde mindestens zwei Monate dauern, sagte der behandelnde Arzt, der Neurologie-Professor der Charité, Lutz Harms am Mittwoch während einer Pressekonferenz in Charkiw.

Nachdem die Oppositonspolitikerin am frühen Morgen aus dem Gefängnis in ein staatliches Krankenhaus gebracht wurde, begann der Berliner Spezialist mit der Behandlung seiner Patientin. „Sie hat den Hungerstreik beendet und wir haben mit der Aufbautherapie begonnen“, sagte Harms. Timoschenko werde derzeit mit Wasser und Säften an die Nahrungsaufnahme gewöhnt. „Das ist ein Prozess, der einige Tage dauern wird“, sagte Harms. Für Medikamente sei es noch zu früh. Parallel dazu solle am (morgen) Donnerstag mit einer leichten Physiotherapie begonnen werden.

Harms konnte keine Angaben machen, wie lange die Behandlung dauern wird und ob sie in Charkiw abgeschlossen werden kann. „Unter zwei Monate ist das nicht zu machen, eine genaue Angabe kann ich derzeit nicht machen“, sagte der Neurologieprofessor. Am nächsten Gerichtstermin am 21. Mai dürfte Timoschenko nach Angaben ihres Arztes jedoch nicht teilnehmen: „Das halte ich für sehr unwahrscheinlich“.

Vorherige Diagnosen bestätigt

Harms hatte die 51-Jährige am Mittwochmorgen umfassend untersucht, dabei seien die von Professor Karl Max Einhäupl und Professor Norbert Haas gestellten Diagnosen bestätigt worden. „Sie ist durch die vielen Monate und durch den Hungerstreik sehr geschwächt“, sagte der Arzt. Er habe auch ein intensives Gespräch mit seiner Patientin geführt. Teilweise unterhalte man sich auf Russisch, aber es komme auch vor, dass ein Dolmetscher hinzugezogen werden müsse. Professor Harms hat in den 1980er Jahren in Rostock studiert und spricht Russisch. „Das Vertrauen, das Frau Timoschenko in die Charité setzt ist so hoch, weil wir von außen kommen und in der ganzen Vorgeschichte nicht involviert sind“, begründete der Neurologe seine Anwesenheit in Charkiw.

Harms wird am Donnerstag entscheiden, wie lange er in der ostukrainischen Stadt bleiben wird, in der am 13. Juni das Fußballeuropameisterschaftsspiel Deutschland-Niederlande ausgetragen wird.

Timoschenko leidet an mehreren Bandscheibenvorfällen und kann sich wegen der starken Schmerzen kaum noch bewegen. Sie hat sich lange gegen eine Behandlung in einem ukrainischen Krankenhaus gewehrt, da sie eine absichtliche Infektion mit einem Virus fürchtet. Sie stimmte deshalb nur unter der Auflage, dass ein deutscher Arzt ihre Behandlung überwache, ihrer Verlegung zu. Moisejenko zufolge brachte Harms die Medikamente für Timoschenko aus Deutschland mit.

Die Ex-Regierungschefin verbüßt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe wegen Machtmissbrauchs während ihrer Amtszeit als Regierungschefin. Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen befand sie sich seit dem 20. April in einem Hungerstreik.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) bezeichnete die Verlegung Timoschenkos in die Klinik als „Fortschritt“. Abseits der Diskussion um einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine gehe es nun vorrangig darum, „dass Timoschenko eine angemessene medizinische Behandlung bekommt“, sagte er in Brüssel.

Der Fall Timoschenko hat eine anhaltende Debatte über einen politischen Boykott der Fußball-EM in der Ukraine ausgelöst, die ab dem 8. Juni auch in Polen stattfindet. Charkiw ist einer der vier ukrainischen Austragungsorte. Im Stadion der ostukrainischen Stadt findet auch ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft statt.

( AFP/dapd/nbo )

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