Toulouse

Elitepolizisten erschießen den Serien-Attentäter

Der Nervenrkrieg dauerte mehr als 30 Stunden, dann griff die Spezialeinheit zu. Der verdächtigte Attentäter von Toulouse kam bei einem Feuergefecht ums Leben, zwei Polizisten wurden verletzt.

Foto: Reuters / Reuters/REUTERS

Der mutmaßliche Serien-Attentäter von Toulouse ist tot. Nach einer mehr als 30-stündigen Belagerung stürmte die Polizei am Donnerstagvormittag die Wohnung, in der sich Mohamed Merah seit dem frühen Mittwoch verschanzt hatte. Scharfschützen töteten den 23-Jährigen per Kopfschuss. Das sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Bei einem vorangegangenen fünfminütigen Feuergefecht seien auch zwei Polizisten verletzt worden, einer von ihnen am Fuß, sagte Innenminister Claude Guéant.

Der 23-jährige Mörder selbst habe etwa 30 Schüsse beim Sturm auf seine Wohnung abgegeben. Bei seiner Leiche sei ein großkalibriger Colt entdeckt worden. Es sei alles getan worden, um ihn lebendig zu fassen. In einem Wagen seien zwei Maschinenpistolen der Modelle Uzi und Sten sowie zwei Faustfeuerwaffen gefunden worden. In einem anderen sei eine Waffe sowie Bargeld gefunden worden.

Gegen 10.30 Uhr seien Elite-Polizisten durch Fenster und Türen ins Haus eingedrungen und hätten mit Video-Robotern das Innere erforscht. Plötzlich sei der Verdächtige aus dem Badezimmer gestürmt und habe mit mehreren Waffen das Feuer auf die Beamten eröffnet. „Es waren häufige Schuss-Salven, ziemlich schwer. Ein Mitglied des Einsatzkommandos sagte mir, dass er noch nie zuvor ein Feuer von einer derartigen Intensität erlebt hat“, sagte Guéant.

Die Elite-Polizisten hätten zurückgeschossen. Nach mehrminütigem Schusswechseln sei der Mann dann aus dem Fenster gesprungen und habe mit der Waffe in der Hand weiter gefeuert. Scharfschützen trafen Merah bei seinem Sprung aus dem Fenster. Nach Polizeiangaben war der 23-Jährige bereits tot, als er am Boden aufschlug. Nach Angaben des TV-Nachrichtensenders BFM wurden am Tatort mehr als 300 Patronen verschossen.

Der Serienmörder hat laut Angaben des leitenden Staatsanwalts François Molins alle seine Bluttaten gefilmt. Sie seien erschreckend deutlich zu erkennen, sagte Molins. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer habe er erklärt: „Du tötest meine Brüder, und ich töte Dich.“ Polizisten habe er erklärt: „Wenn ich sterbe, gehe ich ins Paradies – wenn ihr sterbt, Pech für euch!“. In einem Wagen seien Maschinenpistolen und Revolver gefunden worden.

Innenminister Guéant erklärte, dass der Verdächtige beim letzten Kontakt am Mittwochabend angedeutet habe, nicht aufgeben zu wollen und bei einem etwaigen Zugriff auf die Polizisten schießen zu wollen. Die Sondereinheit der französischen Polizei, RAID, habe die Gefahr erkannt und am Donnerstagmorgen beschlossen zuzugreifen. Die Polizei setzte dabei offenbar auf Zermürbungstaktik, um den Mann zur Aufgabe zu bewegen. Um dieses Ziel zu erreichen, zündeten die Sicherheitskräfte mehrere Granaten. Dabei wurde ein Loch in die Vorderfront des Gebäudes gesprengt.

Alle Versuche, ihn lebend zu fangen, seien gescheitert, teilte der französische Präsident Nicolas Sarkozy mit: „Es hat bereits zu viele Tote gegeben.“ Die Regierung werde nun Lehren ziehen. Künftig werde jeder, der im Internet zu Hass aufrufe, bestraft. Frankreich habe entschlossen und kaltblütig gehandelt und seine Einheit bewahrt. Rachegedanken oder Wut seien jetzt nicht hilfreich, betonte Sarkozy.

Merah soll der Serien-Attentäter von Toulouse sein

Der 23-Jährige soll in den vergangenen Tagen vor einer jüdischen Schule in Toulouse einen Religionslehrer und drei Kinder sowie zuvor drei Soldaten in Toulouse und Montauban erschossen haben. Dabei floh er stets mit einem Motorroller vom Tatort.

Guéant dankte den Beamten für ihren „extrem schwierigen Einsatz“. Präsident Nicolas Sarkozy, der den Einsatz in Paris verfolgt hatte, drückte ihnen ebenfalls seinen Dank aus und kündigte eine Fernsehrede an. Die Staatsanwaltschaft will sich am frühen Abend äußern.

Die Polizei war Merah am Dienstag auf die Spur gekommen und hatte sein Wohnhaus seit dem frühen Mittwoch umstellt. Spezialkräfte hatten mehrfach Kontakt mit dem Mann, um ihn zur Aufgabe zu bewegen. In den Gesprächen hatte er erklärt, er stehe der Terrororganisation Al-Kaida nahe.

Merah wollte mit der Waffe in der Hand sterben

Innenminister Guéant hatte am Donnerstag gesagt, Priorität der Polizei sei es, den 23-Jährigen lebend zu fassen, damit er sich vor Gericht verantworten müsse. Merah habe erklärt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben. Guéant war am Vormittag am Einsatzort eingetroffen. Die Polizei hatte versucht, den Mann mit mehreren Explosionen zu zermürben.

Obwohl er sich selbst als „Mudjahedin“ bezeichnet, gehört der algerischstämmige Franzose Merah nach ersten Erkenntnissen der Behörden offenbar keiner bekannten Untergrundbewegung an. Er stand aber unter Beobachtung der Geheimdienste, nachdem er sich zweimal zu militärischem Trainings im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan begeben hatte.

Es gibt bislang keine Hinweise auf Mithelfer. Nach jetzigen Erkenntnissen spricht einiges dafür, dass Merah die Inspiration für seine Mordserie von gewaltbereiten Islamisten hat, die Taten aber weitgehend in Eigenregie durchführte.