Kinder getötet

Paris schaltet Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ein

Frankreich unter Schock nach dem tödlichen Anschlag auf eine jüdische Schule. Der Täter verwendete dieselbe Waffe wie vergangene Woche bei zwei Anschlägen auf Soldaten.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat den tödlichen Anschlag vor einer jüdischen Schule in Toulouse als "nationale Tragödie" bezeichnet. Für diesen Dienstag ordnete er eine Schweigeminute zum Gedenken an die getöteten Kinder in allen Schulen des Landes an. "Es sind unser aller Kinder", betonte der konservative Politiker.

Gegen 08.00 Uhr morgens hatte der unbekannte Täter vor der jüdischen Schule Ozar Hatorah in Toulouse das Feuer eröffnet: Er erschoss zunächst einen Religionslehrer vor der Schule, ging dann auf das Gelände und feuerte dort wahllos auf Erwachsene und Schüler, wie die Staatsanwaltschaft Toulouse mitteilte. Dabei starben die beiden Kinder des Lehrers im Alter von drei und sechs Jahren sowie ein zehnjähriges Mädchen. Ein 17-jähriger Jugendlicher wurde schwer verletzt.

Die Tat folgte einem ähnlichen Muster wie die tödlichen Schüsse auf französische Soldaten am Donnerstag im nahegelegenen Montauban sowie wenige Tage zuvor ebenfalls in Toulouse: Der Angreifer fuhr den Ermittlern zufolge einen Motorroller, schoss am helllichten Tag seine Opfer nieder und benutzte eine Waffe vom Kaliber 11,43 Millimeter.

In Toulouse war ein Fallschirmjäger getötet worden, in Montauban starben zwei Fallschirmjäger und einer wurde lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben der französischen Polizei wurden bei dem Anschlag auf die Schule bei der dieselbe Waffe benutzt worden wie bei zwei Anschlägen auf Soldaten in der vergangenen Woche. Der Angreifer habe am Montag 15 Schüsse abgefeuert, sagte ein Polizeibeamter.

Auch der genutzte Motorroller soll identisch sein, berichtet die Nachrichtenagentur AFP mit Bezug auf Polizeikreise.

Wahlkampf unterbrochen

Sarkozy war noch am Vormittag in Begleitung von mehreren Ministern und dem Vorsitzenden des CRIF (Repräsentativer Rat der jüdischen Institutionen in Frankreich), Richard Prasquier , nach Toulouse geeilt. Auch sein sozialistischer Herausforderer François Hollande unterbrach den Wahlkampf, um an den Tatort zu reisen.

Staatsanwalt Michel Valet sagte, der Täter habe auf alle Personen in seiner Nähe geschossen. Die Staatsanwaltschaft in Toulouse sprach von "ernsthaften" Hinweisen auf eine Verbindung der Taten. Die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft in Paris erklärte, sie ermittle zum Verdacht des "Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung".

Sarkozy verspricht schnelle Aufklärung der Morde

Sarkozy zeigte sich verblüfft von den Ähnlichkeiten der Taten. Man benötige aber noch mehr Einzelheiten von den Ermittlern, um diese These zu bestätigen. Er sicherte zu, alles getan werde, um den Mörder schnell zu fassen: "Auf dem Boden der Republik Frankreich kann man nich einfach Kinder ermorden, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden", schrieb er später auf Twitter.

Innenminister Claude Guéant werde "so lange wie nötig" in Toulouse bleiben. "Wir dürfen angesichts des Terrors nicht klein beigeben", fügte Sarkozy hinzu. Hollande sprach von einer antisemitischen Tat.

Die kleine Schule, an der etwa 200 Schüler eingeschrieben sind, steht in einem wohlhabenden Viertel der Stadt Toulouse, die international als wichtiger Standort des Flugzeugbauers Airbus bekannt ist.

Weinende Eltern suchten am Morgen vor der Schule nach ihren Kindern. "Ich habe zwei Tote vor der Schule gesehen, einen Erwachsenen und ein Kind", sagte ein Vater dem Hörfunksender RTL. In dem Gebäude hätten die Körper von zwei Kindern gelegen. "Es war ein Bild des Grauens."

Rassistisches Mordmotiv liegt nahe

Bereits vor den Schüssen am Montag waren 50 Ermittler im Einsatz, um einen Anschlag auf Soldaten am Donnerstag in der Stadt Montauban aufzuklären. Die drei uniformierten Männer im Alter zwischen 24 und 28 Jahren wollten in der Nähe ihrer Fallschirmjägerkaserne Geld abheben, als auf sie geschossen wurde. Zwei wurden getötet, der dritte schwer verletzt.

Am Wochenende davor war ein 30-jähriger Soldat in Toulouse erschossen worden. Nach Sarkozys Worten waren einer der getöteten Männer karibischer Herkunft und die beiden anderen Muslime.

Jüdische Einrichtungen werden ab sofort verschärft überwacht, für die Armee in der Region Toulouse waren die Sicherheitsvorkehrungen bereits verschärft worden.

Westerwelle und Barroso bestürzt über Mord an Kindern

Der Angriff auf die Schule in Toulouse rief auch im Ausland Bestürzung hervor. Wir sind entsetzt über diesen Angriff, und wir vertrauen darauf, dass die französischen Behörden diese Tragödie vollständig aufklären und die Täter vor Gericht bringen", sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte in Berlin die Hoffnung, dass die Täter schnell gefunden werden: "Antisemitismus und Gewalt gegen jüdische Einrichtungen" hätten in Europa keinen Platz.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach von einem "abscheulichen Verbrechen". Das in Brüssel ansässige Rabbiner-Zentrum für Europa hob hervor, die jüdische Gemeinschaft lasse sich nicht einschüchtern.