Afghanistan

Isaf-General entschuldigt sich für Koran-Schändung

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Foto: PAO Masar-i-Scharif

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Afghanistan hat sich Isaf-General Markus Kneip für die Koran-Verbrennungen durch US-Soldaten entschuldigt. Am Tag zuvor waren zwei amerikanische Nato-Mitarbeiter von Taliban-Kämpfern erschossen worden.

Der deutsche Isaf-General Markus Kneip hat sich bei den Afghanen für die Koranschändung von US-Soldaten entschuldigt. Die Verbrennung der für Moslems heiligen Schrift sei ein „schrecklicher Irrtum“ gewesen, sagte Kneip am Sonntag im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Für dieses „Fehlverhalten“ wolle er sich ausdrücklich entschuldigen, fügte der General bei seinem Abschied als Befehlshaber des Regionalkommandos Nord (RC North) hinzu.

Kneip war seit einem Jahr im RC North für die 10.500 Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf aus 17 Ländern zuständig gewesen. Sein Nachfolger ist Generalmajor Erich Pfeffer, bislang Kommandeur der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig.

Nato-Angaben zufolge waren auf dem Stützpunkt US-Bagram nördlich von Kabul die Korane am 19. Februar versehentlich zu einer Grube zur Müllverbrennung gebracht worden. Dies löste Proteste in ganz Afghanistan aus, die auch den deutschen Verantwortungsbereich im Norden des Landes erfassten.

Allein am Sonnabend kamen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen in Kundus mindestens drei Menschen ums Leben.

Nato-Mitarbeiter aus Ministerien abgezogen

Nach der Tötung von zwei US-Offizieren im afghanischen Innenministerium haben die Vereinigten Staaten von der Regierung in Kabul einen besseren Schutz der Nato-Truppen gefordert. Verteidigungsminister Leon Panetta sagte seinem afghanischen Kollegen Abdul Rahim Wardak in einem Telefonat, er erwarte entsprechende Maßnahmen.

Wardak habe sich für den Vorfall entschuldigt und erklärt, Präsident Hamid Karsai habe führende Vertreter aus Religion, Politik und Justiz einbestellt, um dringende Schritte zur Eindämmung der Gewalt einzuleiten. Das Präsidialamt in Washington teilte mit, Präsident Barack Obama begrüße Karsais Aufruf zu Ruhe und Dialog. Die USA stünden weiter zur Partnerschaft mit der afghanischen Regierung und dem afghanischen Volk.

Die zwei Offiziere waren am Sonnabend aus kurzer Distanz von einem Unbekannten erschossen worden, der trotz strenger Bewachung in das Innenministerium gelangen konnte. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat und erklärten, es habe sich um eine Vergeltungsmaßnahme für die Schändung von Koran-Schriften gehandelt. Die Nato zog ihr gesamtes Personal aus den Ministerien in und um Kabul ab, um ihre Angehörigen zu schützen.

( dapd/Reuters/mim )

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