Italienischer Premier

Monti fordert Belohnung für Italiens Reformen

Italiens Premier Mario Monti findet positive Worte für die Rolle Frankreichs und Deutschlands innerhalb der EU. Zugleich warnt er vor einem Alleingang beider Länder.

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Italiens neuer Ministerpräsident Mario Monti hat vor seinem heutigen Antrittsbesuch in Berlin eine andere Politik in der Euro-Krise angemahnt und indirekt ein stärkeres Engagement der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert.

In einem Exklusivinterview mit „Morgenpost Online“ sagte Monti, dass die Risiken für die Stabilität seiner Regierung vor allem aus Europa kämen. Seine Regierung verlange den Italienern vieles ab. „Das Problem besteht aber darin, dass wir trotz dieser Opfer kein Entgegenkommen der EU, etwa in Form einer Senkung des Zinssatzes, erfahren“, sagte Monti.

Der Premier warnte, es werde in diesem Fall zu sich heute schon abzeichnenden Protesten in seinem Land gegen Europa kommen, auch gegen Deutschland – das als „Anführer der EU-Intoleranz“ gelte – und gegen die Europäische Zentralbank.

Der italienische Regierungschef beschwerte sich im Gespräch mit „Welt“-Online-Herausgeber Thomas Schmid darüber, dass seine Reformpolitik „in Europa nicht die Anerkennung und Wertschätzung genießt, die ihr objektiv zukommt“.

Monti verlangt wachstumsfördernde Politik

Er verlangte von den EU-Partnern, auf eine wachstumsfördernde Politik einzuschwenken. Wenn das nicht geschehe, dann könnte das bisher europafreundliche Italien „in die Arme von Populisten flüchten“.

Monti empfahl Deutschland und Frankreich zudem, sich nicht zu sehr über andere Länder der EU zu erheben. Schließlich seien es die beiden Schwergewichte der Euro-Zone gewesen, die im Jahr 2003 gegen die Maastrichter Stabilitätskriterien verstoßen hätten.

Das bezeichnete Monti als „riesigen Fehler“ und als „schlimmsten Fehler der EU“ in den vergangenen zehn Jahren. Zwar fand Monti auch lobende Worte für Berlin und Paris und meinte, ganz Europa profitiere von der „deutsch-französischen Harmonie“.

"Wir sind ein starkes stolzes Land"

Gleichzeitig warnte er jedoch vor einem duopolaren Europa. Deutschland und Frankreich müssten aufpassen, andere Staaten nicht auszuschließen. Und er kündigte an, Italien wolle in Zukunft wieder ein zentraler Spieler auf der europäischen Bühne werden. „Wir sind ein starkes, stolzes Land, und wir haben eine im Prinzip effektive Wirtschaft“, sagte Monti.

Trotz seiner kritischen Worte auch gen Berlin offenbarte der italienische Regierungschef seine großen Sympathien für Deutschland.

„Ich habe immer für ein Italien gearbeitet, das so weit wie möglich Deutschland ähneln soll“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler, der einem technokratischen Kabinett vorsteht, das Italien aus der Krise führen soll.

„Ich wollte immer ein Europa des Wettbewerbs, das so weit als möglich der Idee von sozialer Marktwirtschaft verpflichtet sein soll, die von Ludwig Erhard stammt“, bekannte Monti. Und fügte hinzu: „Sie sehen, ich empfinde sehr deutsch.“ Deutschland sei das Land, welches Europa am meisten gegeben habe – nämlich ein „gut ausgewogenes Gesellschaftsmodell“.