Euro-Krise

Briten wütend über deutsche Dominanz in Europa

Spannungen zwischen Großbritannien und Deutschland: Grund ist die britische Angst vor einem "deutschen Europa". London sieht seine Finanzwirtschaft bedroht.

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Die Spannungen zwischen Deutschland und Großbritannien spitzen sich weiter zu.

Bereits am Mittwoch hatten sich der britische Wirtschaftsminister Cable und Unions-Fraktionschef Volker Kauder einen Schlagabtausch über Sinn und Unsinn eine europaweiten Finanztransaktionssteuer geliefert.

Die Briten fürchten sich offenbar immer stärker vor einem "deutschen Europa", wie es der Guardian schreibt . "Aber was ist Camerons Vison eines britschen Europas?", fragt die Zeitung, um dann selbst zu antworten: "Im Moment nur reinstes Leer-Geschwafel."

Wenn es Cameron und Merkel Ende der Woche bei ihrem Treffen schafften, die Krise zu überwinden, wäre das ein "Wunder an der Spree", heißt in der Zeitung.

Briten sind empört

Die Briten sind – vor dem Besuch ihres Premierministers Cameron in Berlin – empört. "Jetzt heißt es: Großbritannien gegen Deutschland", titelte der "New Statesman" bereits am Mittwoch.

Und die " Daily Mail " brachte in großen Lettern auf Seite 1 ein Zitat Kauders, das in der dargebotenen Form nur falsch verstanden werden kann: "Europa spricht jetzt deutsch!"

Dabei ist eigentlich gar nichts geschehen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte mit seinem "Mund halten"-Zitat in Richtung Cameron schon die Richtung gewiesen.

Kauder hat nun erneut das ausgesprochen, was in Deutschland und Frankreich mindestens seit ein paar Wochen allgemeine Erkenntnis ist: "Nur den eigenen Vorteil suchen zu wollen und nicht bereit sein, sich auch einzubringen – das kann nicht die Botschaft sein, die wir den Briten durchgehen lassen", hatte Kauder in Richtung des Nicht-Euro-Landes Großbritannien gesagt.

Klare Kampfansage an Börsenhaie in London

Das saß. Denn die klaren Worte Kauders , der in Großbritannien nur als "Merkel Ally" (Vertrauter von Merkel) tituliert wird, werden auf der Insel als klare Kampfansage an die City of London gewertet, jenes Bankenviertel an der Themse, das als größter Finanzplatz Europas für einen großen Teil des britischen Bruttoinlandsproduktes steht.

Das Bankenviertel ist aber auch wie kein anderes in Europa zum Synonym für ungezügelte Zockerei geworden. Margaret Thatcher hatte mit ihrer Deregulierungspolitik der 1980er Jahre den Bankern schon früh freie Fahrt signalisiert.

Die britische Regierung um Premierminister David Cameron und Schatzkanzler George Osborne hat nach Meinung der meisten Analysten und Kommentatoren in Großbritannien gar keine andere Wahl, als gegen die Finanztransaktionssteuer zu opponieren.

Zu wichtig ist die City für die eigene Wirtschaft, zu oft haben wichtige Banken wie die HSBC ihre Abzugsdrohungen gen Asien wiederholt.

Mehr Arbeitslose, weniger Wachstum

Erst am Mittwoch gaben die Statistiker die neue, alarmierend hohe Arbeitslosenquote von 8,3 Prozent bekannt. Die Bank of England korrigierte gleichzeitig ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,5 auf 1,0 Prozent und gab zu, dass auch 2012 nicht mehr zu erwarten ist.

Ihre eigene Schätzung für nächstes Jahr hatte bei 2,2 Prozent gelegen. Die Inflation liegt mit 5,0 Prozent weiter hoch.

Sollte Europa das alleine, also ohne die USA und China stemmen wollen, wäre das aus Osbornes Sicht "ökonomischer Selbstmord". Und in den Bankentürmen der Olympiastadt ist jetzt schon die Entlassungsangst größer als die Vorfreude auf die nächste Bonuszahlung.

Briten könnten von Euro-Krise sogar profitieren

Premierminister David Cameron versprach den City-Bankern erst am Dienstagabend bei einem Bankett, er werde für eine Aufweichung der EU kämpfen.

Er unterstellte Brüssel "Realitätsverlust" und warf den EU-Institutionen "sinnlose Eingriffe, Regeln und Regulierungen" vor, die Wachstum eher verhinderten als auslösten. Stattdessen wolle er "die Flexibilität eines Netzwerkes statt die Rigidität eines Blocks."

Immerhin sagte er noch dazu, dass es für Großbritannien besser sei, in der Gemeinschaft zu bleiben, statt auszutreten, was ein großer Teil des rechten Flügels seiner Partei zumindest für diskussionswürdig hält.

Die Politiker folgen gedanklich den Analysten der angesehenen Londoner Ökonomie-Denkfabrik CEBR. Die geht davon aus, dass Großbritannien von einem Platzen des Euro mittelfristig sogar profitieren könnte.