Atomanlagen

Atomenergiebehörde nimmt Iran in die Pflicht

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Die Internationale Atomenergiebehörde hat den Iran aufgefordert, unverzüglich zum Vorwurf eines geheimen Atomwaffenprogramms Stellung zu nehmen. Der Gouverneursrat der Atomenergiebehörde wollte am Donnerstag über einen neuen Iran-Bericht debattieren.

Syrien verweigert Inspektoren der Atomenergiebehörde den Zugang zu verdächtigen Anlagen. Trotz Zusicherung der syrischen Regierung, offene Fragen zu einem vermuteten Atomprogramm zu klären, hätten IAEA-Experten drei Anlagen nicht betreten dürfen, sagte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde Yukiya Amano am Donnerstag in Wien.

Zwischen der IAEA und den syrischen Behörden habe es keine Fortschritte in der Zusammenarbeit gegeben, sagte Amano während seiner Eröffnungsrede zur zweitägigen Sitzung des IAEA-Gouverneursrates. Im Einzelnen gehe es um Anlagen, die mit dem vermuteten Atomreaktor in Dair Alzour verbunden sind. Diese Anlage wurde 2007 wahrscheinlich von israelischen Kampfflugzeugen zerstört.

Die Internationale Atomenergiebehörde hatte den Iran zuvor aufgefordert, unverzüglich zum Vorwurf eines geheimen Atomwaffenprogramms Stellung zu nehmen. Zugleich kündigte Amano am Donnerstag in Wien an, dass er ein hochrangiges Team in den Iran entsenden wolle, um alle offenen Fragen zu klären.

„Ich rufe den Iran zu einer unverzüglichen, substanziellen Zusammenarbeit mit der Behörde auf und bitte, die geforderten Erklärungen zu einer möglichen militärischen Dimension seines Atomprogramms zu liefern“, sagte Amano.

Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA trat am Donnerstag zu einer Routinesitzung zusammen. Im Zentrum stand der alarmierende Bericht Amanos, wonach die Führung in Teheran zumindest bis 2010 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet hat. Mit Spannung wird erwartet, ob sich die 35 Mitgliedstaaten des Rates auf eine Resolution gegen den Iran einigen können.

Unmittelbar vor Beginn des zweitägigen Treffens hatte Israel nachdrücklich schärfere Sanktionen gegen den Iran gefordert. „Wir müssen die politischen Führer der Welt davon überzeugen, dass (das iranische Atomprogramm) nicht nur gegen Israel gerichtet ist, sondern gegen die Grundfesten der Weltordnung“, sagte Verteidigungsminister Ehud Barak dem israelischen Rundfunk am Donnerstag. „Ich hoffe, dass wir jetzt härtere Sanktionen sehen werden, aber ich kann nicht sagen, dass ich sehr optimistisch bin.“ Zu einem Militärschlag als letztem Ausweg sagte der 69-Jährige: „Man darf keine der Optionen vom Tisch nehmen.“

Der Gouverneursrat der Atomenergiebehörde wollte am Donnerstag über einen neuen Iran-Bericht debattieren. Der hatte weltweit große Besorgnis ausgelöst. Der Bericht listete Hinweise auf, wonach die Führung in Teheran mindestens bis 2010 an einem geheimen Atomwaffenprogramm gearbeitet hat.

Barak sprach von einer „dramatischen Sitzung“ des IAEA-Gouverneursrats in Wien. „Wir befinden uns in einem weltweiten intensiven Kampf, dessen Ziel es ist, internationale Führer (...) davon zu überzeugen, dass es angesichts des jüngsten IAEA-Berichts scharfe und effektive Sanktionen gegen den Iran geben muss“, sagte er. „Es gibt weltweite intensive Diskussionen zu dem Thema – von Hawaii über London und Paris bis Moskau.“

Israel dürfe nicht den Eindruck eines Landes erwecken, „das weinend und verängstigt dasitzt“, sagte der Verteidigungsminister zudem. „Dies ist eine Herausforderung für die ganze Welt, weil es die ganze Welt bedroht.“

Israel empfindet das iranische Atomprogramm als größte existenzielle Bedrohung. Es gibt deshalb weltweit Spekulationen, dass Israel in einem Alleingang Atomanlangen im Iran angreifen könnte. Die Führung in Teheran hat für diesen Fall Vergeltungsschläge mit eiserner Faust angekündigt.

Barak dementierte in dem Gespräch aus dem kanadischen Ottawa vehement Medienberichte, nach denen er Verständnis für die Bestrebungen des Irans nach Atomwaffen geäußert haben soll. Er sprach von einer „lächerlichen Beschreibung“ und sagte: „Ich habe nie die Worte gesagt: Wenn ich Iraner wäre, würde ich wahrscheinlich auch Atomwaffen wollen.“ Er habe auf eine entsprechende Frage vielmehr geantwortet: „Das kann sein, ich weiß es nicht, aber ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass es (das Atomwaffenprogramm) nur gegen uns gerichtet ist.“

( AFP/dpa/cb )