Angst vor der Bombe

Moskau warnt Israel vor Angriff gegen Iran

Israel fragt: Hat der Iran die Fähigkeit, Atomwaffen zu bauen? Laut "Washington Post" half Know-how aus der UdSSR, Pakistan und Nordkorea bei der Atomrüstung.

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Der in Kürze erwartete Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zum iranischen Atomprogramm hat schon vor seiner Veröffentlichung für Spannungen gesorgt. Grund sind Gerüchte, dass die IAEA darin neue Hinweise auf ein iranisches Atomwaffenprogramm vorlegen wird. Vor allem Israel dringt darauf, dass die internationale Gemeinschaft alles Notwendige unternimmt, um den Iran in dieser Hinsicht zu stoppen.

Nach Informationen der „Washington Post“ helfen ausländische Wissenschaftler dem Iran bei der Entwicklung von Atomwaffen. Unter anderem habe ein früherer sowjetischer Waffenspezialist Teheran über mehrere Jahre bei der Entwicklung hochpräziser Sprengzünder geholfen, berichtete die Zeitung.

Sie berief sich dabei auf westliche Diplomaten und Nuklearexperten. Der Iran habe zudem von technischem Know-how aus Pakistan und Nordkorea profitiert, zitiert das Blatt die Experten.

Die IAEA will diese Woche einen detaillierten Bericht über das iranische Atomprogramm veröffentlichen. Dazu sollen unter anderem Informationen zählen, die auf ein Computermodell eines Atomsprengkopfes hindeuten. Außerdem gebe es Satellitenaufnahmen eines Stahlkörpers, in dem hochexplosiver Sprengstoff zur Zündung von Atombomben getestet werden könne.

Auch in Berlin wird erwartet, dass der Bericht eine ausführliche Darstellung zu weiteren Hinweisen auf eine mögliche militärische Komponente des iranischen Atomprogramms enthält. In diesem Fall sei aus Sicht der Bundesregierung eine Ausweitung des politischen und diplomatischen Drucks auf den Iran nötig, hieß es aus deutschen Diplomatenkreisen.

Spekulationen über bevorstehenden Waffengang

Israel und der Westen vermuten seit langem, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms auch Atomwaffen entwickelt.

Die Ängste über eine iranische Atombombe mehren sich seit dem Wochenende: Der israelische Staatspräsident Schimon Peres sagte in einem Fernsehinterview, der Iran könnte in nur sechs Monaten eigene Atomwaffen haben. Israelische Medien berichteten von einem möglichen Angriff auf den Iran.

Befeuert wurden Spekualtionen über einen bevorstehenden Waffengang in der vergangenen Woche: Am Mittwoch testete Israels Armee erfolgreich eine Rakete des Typs Jericho-3, die nach Medienberichten mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden und bis in den Iran fliegen kann.

Fast zeitgleich wurde bekannt, dass die israelische Luftwaffe über Sardinien Flüge zu weit entfernten Zielen trainiert hat.

Simulation von Raketenangriffen

Außerdem probte die Armee den Notfall und simulierte massive Raketenangriffe auf den Großraum Tel Aviv – Israel stellt sich für den Kriegsfall auf einen gleichzeitigen Raketenhagel aus dem Iran, Libanon und Gazastreifen ein.

„Vielleicht ist dies alles nur Zufall – oder es ist Absicht“, sagte die Militärkorrespondentin des israelischen Rundfunks. Das jüngste Säbelrasseln könnte auch ein Versuch Israels sein, den Druck auf die internationale Gemeinschaft zu erhöhen, damit diese die Sanktionen gegen Teheran weiter verschärft.

„Wenn dieser Bericht die Bemühungen des Irans, Nuklearwaffen zu entwickeln, deutlicher darstellt als bisher, dann ist dies sehr bedeutsam“, sagte der israelische Iran-Experte Uzi Eilam. „Das Kriegsgetrommel ist dagegen dumm und bedeutungslos.“

Er stelle sich gegen die Sicht, dass es sich bei dem iranischen Atomprogramm vor allem um ein israelisches Problem handele. „Der Bericht wird der ganzen Welt nutzen, nicht nur Israel“, sagte Eilam. Er könne als Rechtfertigung für eine deutliche Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran dienen.

Aus Israels Sicht drängt die Zeit. Teheran könnte schon in sechs Monaten die Atombombe haben, warnte Staatspräsident Schimon Peres am Wochenende – Dagan rechnet allerdings erst bis 2015 damit. Bislang galt die Anwesenheit von US-Truppen im Irak als ein Hindernis für einen israelischen Angriff im Iran, weil diese dann zur Zielscheibe von Vergeltungsschlägen werden könnten. Mit dem Abzug der US-Soldaten bis Jahresende wäre zumindest diese Hürde aus dem Weg.

Israel arbeitet seit Jahren an mehreren Raketenabwehrsystemen, die Bedrohungen aus unmittelbarer und aus weiter Entfernung beantworten sollen. Eine verbesserte Version des Systems „Chez-2“ (Pfeil-2), das gegen Mittelstreckenraketen etwa aus dem Iran eingesetzt werden kann, soll zur Jahreswende einsatzbereit sein. Dennoch gilt es als fragwürdig, ob Israel wirklich bereit wäre, das immense Risiko eines militärischen Alleingangs auf sich zu nehmen.

Die iranische Führung bestreitet, an einer Computersimulation für Atomsprengköpfe zu arbeiten. Außenminister Ali Akbar Salehi wies die Anschuldigungen als haltlos zurück. Das Atomprogramm diene allein der Energiegewinnung und der medizinischen Forschung.

Russische Warnung

Russland warnte Israel am Montag vor einem militärischen Angriff gegen den Iran. „Es wäre ein sehr schwerer Fehler mit unvorhersehbaren Folgen“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Es könne „keine militärische Lösung“ für den Streit um das iranische Atomproblem geben – „ebenso wenig wie für irgendein anderes Problem der heutigen Welt“. Eine Militärintervention erhöhe nur die Zahl der Opfer und steigere das menschliche Leid.

Jeder Konflikt könne nur mit den von der internationalen Gemeinschaft in der Charta der Vereinten Nationen genehmigten Maßnahmen beigelegt werden.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte, einziger Zweck eines Angriffs sei es, den gestiegenen Einfluss Teherans zu bekämpfen.

„Der Iran hat seine Kapazitäten erhöht und entwickelt sich immer weiter“, sagte er. „Aus diesem Grund ist er in der Welt konkurrenzfähig und Israel und der Westen, besonders die USA, zweifeln diese Kapazitäten und die Rolle des Iran nun an.“

Israel und die USA versuchten, internationale Unterstützung für einen Militäreinsatz im Iran zu erlangen, um den Einfluss Teherans zu „vernichten“, sagte Irans Staatschef weiter. Der Iran werde ihnen jedoch nicht erlauben, gegen das Land vorzugehen.