Islamismus

Afghanische Frauen fürchten Rückkehr der Taliban

Unter der Herrschaft der Taliban wurden die afghanischen Frauen aller Rechte beraubt. 90 Prozent von ihnen fürchten heute eine Versöhnung mit den Islamisten.

Foto: AFP

Washma Frogh konnte die Schreie von Weitem hören. "Mit einem dicken Metallkabel schlug der Tugendwächter auf die Beine der Frau. Die Menge um sie herum war ganz still. 'Wirst du das noch einmal tun?', schrie der Mann", erzählt die afghanische Frauenaktivistin über den Vorfall, den sie jüngst beobachten musste. Der Grund für die Schläge: Die Afghanin trug unter ihrer blauen Burka eine weiße Hose. Weiß aber ist die Farbe der Taliban, Frauen dürfen sie nicht tragen.

"Immer wieder rief die Frau: ,Nein, ich werde das nie mehr tun!' Eine Frau, in aller Öffentlichkeit geschlagen von einem Vertreter unserer Regierung - das ist das Beängstigende daran", sagt Washma Frogh.

Vor zehn Jahren, nur Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001, begann der Krieg in Afghanistan. Der Westen begründete seinen Einmarsch 2001 auch mit der Verteidigung der Frauen, die unter der Taliban-Herrschaft Jahre des Grauens durchmachen mussten. Aller Rechte beraubt, verschwanden sie aus dem öffentlichen Alltag, mussten ihre Berufe aufgeben, die Mädchen durften nicht mehr zur Schule. Sie waren der Macht und Gewalt der Männer schutzlos ausgesetzt.

Ein Jahrzehnt später gibt es sichtbare Fortschritte, wie ein neuer Bericht der Hilfsorganisation Oxfam belegt. Rund 42 Prozent der Mädchen besuchen eine Grundschule. Während unter den Taliban nur einige Tausend Mädchen zur Schule gehen durften, sind es heute schätzungsweise 2,7 Millionen, vor allem in den größeren Städten.

Zweifel sind jedoch angebracht, wie nachhaltig die Fortschritte sind. Zwar zählt das Parlament dank einer gesetzlichen Quote mittlerweile 28 Prozent weibliche Abgeordnete, sogar im weltweiten Vergleich ein hoher Wert. Doch im Kabinett sitzt nur eine Frau. Im öffentlichen Dienst ist der Frauenanteil zwischen 2006 und 2010 sogar von 31 Prozent auf 18,5 Prozent zurückgegangen.

In einer Umfrage gaben 87 Prozent der Frauen an, sexuell, psychologisch oder körperlich missbraucht worden zu sein. Auch Zwangsheirat ist nach wie vor eine verbreitete "Sitte". Die größte Sorge aber bereitet eine mögliche Versöhnung mit den Taliban. Fast neun von zehn Frauen, so eine weitere Oxfam-Umfrage, sehen dieser Perspektive mit Schrecken entgegen.

In Deutschland gibt es nun neue Zahlen zu den Kosten des deutschen Engagements : Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung betragen sie inzwischen 17 Milliarden Euro, rund drei Mal so viel wie von der Regierung veranschlagt. Die Forscher berücksichtigen aber auch die Investitionen des Entwicklungsministeriums oder des Auswärtigen Amts zur Stabilisierung der Region oder gesellschaftliche Kosten durch Tod oder Verletzung von Soldaten.