Antonis Samaras

Papandreous Studienfreund drängt an die Staatsspitze

Kann eine große Koalition Griechenland retten? Papandreous Widersacher Antonis Samaras kennt den Premier aus gemeinsamen Studententagen. Nun will er dessen Amt.

Foto: dpa / dpa/DPA

Schicksalsstunden in Athen: Ministerpräsident Giorgos Papandreou steuert auf die entscheidende Vertrauensabstimmung zu, die als Weichenstellung für die Zukunft des vor der Pleite stehenden Landes gilt.

"Wir beobachten das wie die Goldfische – mit offenen Mündern", fasste der Schriftsteller Petros Tatsopoulos die Stimmung in Griechenland zusammen. Papandreou hat schon signalisiert, dass er zum Rücktritt bereit sei. In Kreisen seiner Partei hieß es, dies gelte auch für den Fall, dass er das in der Nacht zum Samstag angesetzte Vertrauensvotum überstehen sollte.

Damit wäre der Weg frei für eine Übergangsregierung und Neuwahlen . Dies sei das Ergebnis einer Kabinettssitzung gewesen, hieß es in Athen. "Ihm wurde gesagt, dass er in aller Ruhe gehen muss, um seine Partei zu retten", sagte eine Person aus Papandreous Umfeld.

Antonis Samaras – wichtiger Widersacher Papandreous

Antonis Samaras ist der Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia (Neue Demokratie) und einer der wichtigsten Widersacher Papandreous. Der Oppositionschef hatte den Rücktritt Papandreous zur Bedingung für eine Übergangsregierung gemacht. Im Gegenzug hatte er seinen Widerstand gegen das Sparpaket aufgegeben.

Die offene Frage ist aber, ob Samaras akzeptieren würde, mit Papandreou zu verhandeln, wenn dieser zusichert, das Feld nach Ende der Gespräche zu räumen.

Samaras kennt Papandreou sehr gut. Beide teilten sich zu Studienzeiten ein Zimmer am Amherst College in den USA. Bei anderen Konservativen in Europa ist Samaras wiederholt auf Kritik gestoßen, weil er die Sparvorhaben der Regierung ablehnte. Dabei war es seine 2009 als Regierungspartei abgelöste Neue Demokratie, die Griechenland in die schwere Schuldenkrise stürzte und eine Aufblähung des Staatsapparats, Vetternwirtschaft und Klientelpolitik mit zu verantworten hat. Samaras war damals Kultusminister.

Nach der Wahlniederlage stieg er zum Parteichef auf. Er werde die Neue Demokratie rasch wieder an die Regierung bringen, kündigte der tief im konservativen Milieu verwurzelte Samaras damals vollmundig an.

"Erpressung, Lügen und Festklammern an der Macht"

Er habe Papandreou gesagt, so Samaras, er solle abtreten und die Bildung einer Übergangsregierung anstreben, die vorgezogene Neuwahlen organisieren solle.

Er warf dem Regierungschef "Erpressung, Lügen und Festklammern an der Macht" vor. Den Plänen von Regierung und Opposition zufolge soll die Übergangsregierung eine vorgezogene Neuwahl organisieren.

Bis dahin soll das derzeitige Parlament das neue Rettungspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro ratifizieren. Darin sagt Griechenland eine konsequente Fortsetzung des Sparkurses zu.

Mit der Ratifizierung wäre dann auch der Weg frei für die Überweisung der nächsten Hilfstranche von acht Milliarden Euro aus dem ersten Rettungspaket, die Griechenland bis spätestens Mitte Dezember benötigt.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonte, die Regierung in Athen könne sich weiterer Unterstützung der EU sicher sein. "Wir wollen, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt."

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