Saif al-Islam

Letzter Gaddafi-Sohn soll gefasst sein

Der letzte, noch in Libyen flüchtige Gaddafi-Sohn Saif al-Islam ist Rebellen zufolge festgenommen worden. Die Nato veröffentlichte Einzelheiten zum Bombardement des Konvois, in dem sich Gaddafi befand.

Foto: dpa / dpa/DPA

Einen Tag nach dem Tod des langjährigen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi ist am Freitag dessen zweitältester Sohn Saif al-Islam angeblich festgenommen worden. Kämpfer des Nationalrats hätten ihn in Slitan, 160 Kilometer östlich von Tripolis, gefangen genommen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf einen der Beteiligten. Er soll am Rücken verletzt sein, hieß es. Offiziell wurde der Bericht noch nicht bestätigt.

Letzter noch in Libyen flüchtiger Gaddafi-Sohn

Sollte sich die Meldung bewahrheiten, dann wäre mit Saif al-Islam der letzte, noch in Libyen flüchtige Gaddafi-Sohn dingfest gemacht worden. Am Donnerstag waren bei den letzten Kämpfen in Sirte, 410 Kilometer östlich von Tripolis, Gaddafi selbst und sein Sohn Mutassim festgenommen und getötet worden.

>>> Video: Gaddafi-Sohn Mutassim wurde offenbar lebend gefangen genommen (ACHTUNG: drastische Aufnahmen)

Am Donnerstagabend hatte das offizielle Fernsehen des Übergangsrates auch Saif al-Islams Tod gemeldet. Doch anders als im Falle des Vaters und des Bruders tauchte sein Leichnam nicht im Krankenhaus von Misrata auf.

Die Rebellen hatten bereits im August die Festnahme Saif al-Islams gemeldet. Am Tag nach der Meldung war dieser jedoch in Tripolis aufgetaucht und hatte sich von Journalisten bei einer Fahrt in einem Bewaffneten Konvoi durch die Stadt begleiten lassen.

Unklarheit über genaue Todesumstände Gaddafis

Um die genauen Todesumstände Gaddafis rankten sich am Freitag unterschiedliche Darstellungen. Offizielle Stellen in Tripolis behaupten, der verletzte Gaddafi sei auf der Fahrt nach Misrata im Krankenwagen ins Kreuzfeuer neuer Kämpfe geraten und dabei tödlich verletzt worden. Andere Quellen sprachen davon, dass ihn die Milizionäre nach seiner Festnahme aus nächster Nähe erschossen hätten.

>>> Video: Der schwer verletzte Gaddafi bei Sirte (ACHTUNG: drastische Aufnahmen)

Der UN-Menschenrechtsrat forderte eine Untersuchung des Todes Gaddafis. Das hatte zuvor auch schon die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangt. Es müsse eine „umfassende, unabhängige und unparteiische Untersuchung“ geben, um die Umstände von Gaddafis Tod zu klären. Alle Mitglieder des ehemaligen Gaddafi-Regimes müssten human behandelt werden, hieß es.

Russland verlangt Aufklärung über Gaddafis Tod

Auch Russland verlangte Aufklärung über Gaddafis Tod. „Auf den ersten Blick sieht es wie ein Lynchmord aus“, schrieb der Chef des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Konstantin Kossatschow, in seinem Internetblog. „Wir brauchen objektive Angaben über die Todesumstände Gaddafis.“

Der Tod Gaddafis löse nicht die Probleme Libyens, schrieb der einflussreiche Politiker. In westlichen Medien sei die Rede von einem Sieg des libyschen Volkes. „Aber der Weg könnte auch direkt in die Hölle führen“, warnte Kossatschow. Er selbst habe „gemischte Gefühle“.

Russland war ein wichtiger Handelspartner und einer der größten Waffenlieferanten für das Gaddafi-Regime. Die Resolution des Weltsicherheitsrates gegen Libyen hatte die UN-Vetomacht Russland zwar durch Enthaltung ermöglicht. Die Luftangriffe seien jedoch nicht von dem Beschluss gedeckt, hatte Moskau stets kritisiert.

Nato bombardierte durch Zufall Gaddafis Konvoi

Unterdessen wurde bekannt, dass der Konvoi des flüchtenden Gaddafi am Donnerstag von Nato-Kampfflugzeuge bombardiert wurde. Die Nato habe jedoch nicht gewusst, dass Gaddafi in einem der Fahrzeuge saß. Dies geht aus einer von der Nato veröffentlichten Darstellung der Ereignisse hervor.

Demnach sei von den Nato-Flugzeugen ein Konvoi von etwa 75 Militärfahrzeugen in der Nähe der Stadt Sirte entdeckt worden. Zunächst sei ein einziges Fahrzeug beschossen worden, „um die Bedrohung zu verringern“. Daraufhin habe sich der Konvoi aufgeteilt, die gepanzerten Fahrzeuge seien in verschiedene Richtungen gefahren. Sie seien mit „einer erheblichen Menge von Waffen und Munition beladen“ gewesen.

Eine Gruppe von 20 Fahrzeugen sei dann mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Süden gefahren. Nato-Flugzeuge hätten daraufhin auf diese Fahrzeuge geschossen und etwa 10 davon zerstört. „Zur Zeit des Angriffs wusste die Nato nicht, dass sich Gaddafi in dem Konvoi befand“, heißt es in der Mitteilung der Nato. „Das Eingreifen der Nato war ausschließlich durch die Verringerung der Bedrohung für die Bevölkerung begründet.“

„Wir haben später durch offene Quellen und durch Aufklärung von Verbündeten erfahren, dass sich Gaddafi im Konvoi befand und der Angriff wahrscheinlich zu seiner Gefangennahme beigetragen hat“, heißt es in der Nato-Mitteilung. Das Bündnis machte keine Angaben über die Nationalität der beteiligten Flugzeuge.