US-Wahlkampf

Mit diesem Panzerbus rollt Obama durch die USA

Panzer, Polizeimannschaftswagen oder doch ein Reisebus? US-Präsident Obama ist mit einem Gefährt auf Wahlkampftour, das der Secret Service ausgestattet hat.

Die einen sahen das schwarze Monstrum einem "Mad Max"-Film entkommen, andere wähnten Batman mit Großfamilie auf Urlaub im Mittleren Westen: Barack Obamas neuer Wahlkampfbus hat die Phantasie der US-Medien deutlich mehr beflügelt als die Reden des Präsidenten, der an das gloriose Jahr 2008 anknüpfen muss.

Gut 350 Meilen durch drei Staaten hat Obama von Montag bis Mittwoch in dem Gefährt zurückgelegt, das einen Panzer auf das Vorteilhafteste mit einem Poizeimannschaftswagen und einem Reisebus kreuzt. Alles an dem Ding, selbst sein Codename, ist geheim. Dafür könnte sich, in Anlehnung an die "The Beast" genannte Präsidentenlimousine , "Big Beast" empfehlen.

Die Republikaner lästerten pflichtgemäß über Obamas "Magical Misery Tour" (Mitt Romney) und verlangten gespielt wütend, dass der US-Steuerzahler keinen Cent zu solchen Extravaganzen des ersten Wahlkämpfers der Nation beisteuern dürfe. Andere Präsidenten haben es Obama vorgemacht, nur wurden die Busse gemietet und umgerüstet. Neid mag bei den Kritikern eine Rolle spielen: der 1,1 Millionen teure, vom Secret Service ausgestattete Bus dürfte neben präsidialer Bequemlichkeit mindestens so viel Wehrhaftigkeit wie "The Beast" bieten.

Die 2009 von Cadillac gebaute Limousine lässt sich im Fall eines Gasangriffs luftdicht abschließen; ein Feuerunterdrückungssystem und Sauerstofftanks sind neben reichlich Beuteln mit (vom Präsidenten gespendeten) Blut Standard. Nachtsichtgerät, Tränengaskanonen, Schrotgeschütze ergänzen die zentimeterdicke Panzerung der Karosserie, die Panzerglasscheiben und die schusssicheren Reifen. Sogar auf den Felgen kann das Biest noch fahren. Die neuste Satellitentechnologie bewahrt den Präsidenten vor Handy-Funklöchern und hält ständigen Kontakt zu Pentagon und Vizepräsident.

Wenn das gemeine Biest schon eine derart sichere Bank ist, dürfte das Große Beast mindestens eine Woche Belagerung und Bombardement überstehen. Nur fliegen traut man dem Multitonner nicht mehr zu; für einen beispielhaft umweltfreundlichen Kraftstoff dürfte es auch nicht reichen. Statt nun ihrem Präsidenten ein wenig Luxus und Sicherheit zu gönnen, empören sich republikanisch gesonnene Bürger, dass der Bus nicht einmal in Amerika hergestellt wurde.

Zumindest nicht ganz. Die Firma Prevost im kanadischen Quebec lieferte die Hülle für beide Busse (einer bleibt in Reserve oder sogar für den republikanischen Herausforderer); in Nashville rüstete das Unternehmen Hemphill Brothers Coach Co. die Grundeinbauten ein. Es heisst, ein Detroit Diesel sei geordert worden. Den Rest übernahm der Secret Service, der naturgemäß schweigt.