Libyen

Gaddafi erhielt deutsche G36-Gewehre bereits 2005

Die in Libyen entdeckten G36-Gewehre der deutschen Firma Heckler & Koch sollen bereits seit 2005 in Besitz der libyschen Armee gewesen sein. Indes geht das Verwirrspiel um eine mögliche Kapitulation Gaddafis weiter.

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Aus dem Umfeld des langjährigen Libyen-Herrschers Muammar Gaddafi kommen widersprüchliche Signale.

Video: Reuters
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Die in Libyen aufgetauchten G36-Sturmgewehre aus Deutschland sollen nach einem Zeitungsbericht bereits seit 2005 von Sicherheitskräften Muammar al-Gaddafis benutzt worden sein. Dies war einem damals sich dort länger aufhaltenden Augenzeugen im Sommer jenes Jahres aufgefallen, wie er den „ Stuttgarter Nachrichten “ eidesstattlich versicherte. Ihm seien die Waffen der baden-württembergischen Firma Heckler & Koch wegen des aufgestanzten Bundesadlers sowie der Württemberger Geweihstange als Kennzeichen des Beschussamtes Ulm aufgefallen.

Der Augenzeuge will damals auch dem Verdacht nachgegangen sein, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) in die Lieferung verwickelt sein könnte. Er habe dafür aber „trotz intensiver Recherchen Mitte der 2000er Jahre vor Ort keinerlei Anzeichen“ gefunden.

Libysche Rebellen hatten eine große Zahl der Waffen beim Sturm auf Gaddafis Residenz vergangene Woche in Tripolis entdeckt. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums gibt es „noch keine gesicherten Erkenntnisse“ darüber, auf welchem Weg sie nach Libyen gelangt sein könnten. Die Bundesregierung werde dem zusammen mit der neuen libyschen Regierung nachgehen, sagte ein Sprecher.

Der Freiburger Rüstungsgegner Jürgen Grässlin kündigte eine Strafanzeige an. „Ob nun Heckler & Koch diese Waffen direkt geliefert hat, oder ob sie über einen Zwischenhändler dorthin gekommen sind – es ist so oder so illegaler Waffenhandel“, sagte er der „Aachener Zeitung“ (Donnerstag). Der Sprecher der Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ erhält an diesem Donnerstag den Aachener Friedenspreis.

Indes scheint der Clan um den gescheiterten libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi scheint auseinanderzubrechen. Während Gaddafis Sohn Seif al-Islam in einer am Mittwochabend veröffentlichten Audiobotschaft erneut zum Widerstand gegen die Rebellen aufruft, äußerte dessen Bruder Saadi seine Bereitschaft zu einer Kapitulation. Gaddafi selbst soll einem Medienbericht zufolge vergeblich versucht haben, sich nach Algerien abzusetzen.

"Wir wollen das libysche Volk beruhigen, dass wir immer noch da sind. Der Widerstand geht weiter und der Sieg ist nah“, sagte Seif al-Islam in der vom syrischen Fernsehsender El-Rai verbreiteten Botschaft. Darin meldete sich Gaddafis Sohn nach eigenen Angaben aus einem Vorort von Tripolis zu Wort. Seinem Vater gehe es gut, sagte al-Islam. Zugleich warnte er die Rebellen vor einem Angriff auf Sirte. Dort seien 20.000 bewaffnete Männer zum Kampf bereit.

Seif al-Islam lebe in einem „Traum“, erwiderte der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrats der Rebellen, Abdel Hafis Ghoga. „Die Gaddafis sind es gewohnt, zu behaupten, sie hätten dutzende Millionen Anhänger, aber am Ende sind sie nicht mehr als überhaupt nur ein Dutzend“, sagte Ghoga. Wenn Seif al-Islam von einem nahen Sieg spreche, dann sei dies der Sieg der Revolution.

Gaddafis weiterer Sohn, der weniger einflussreiche Saadi, bezeichnete die Aufständischen in einem Interview mit dem Fernsehsender El-Arabija derweil als „Brüder“. Um das Blutvergießen zu beenden, sei er bereit, sich zu ergeben. Der Vize-Präsident des Militärrats der Rebellen, Mehdi Harati, sagte, Saadi zögere, zu kapitulieren. Die Aufständischen würden aber für seine Sicherheit garantieren, sollte er dies tun.

Harati zufolge konnten die Rebellen Außenminister Abdelati el Obeida festnehmen. Einem Sprecher der Aufständischen zufolge wurde er am Mittwoch in einem Vorort der Hauptstadt gefasst.

Von Gaddafi selbst fehlt seit der Einnahme seiner Residenz am Dienstag vor einer Woche jede Spur. Medienberichten zufolge soll er sich in seiner Geburtsstadt Sirte oder in Bani Walid südöstlich von Tripolis verstecken. Die französischsprachige Zeitung „El-Watan“ berichtete auf ihrer Internetseite, Gaddafi versuche von der Grenzstadt Ghadames aus, über seine Einreise nach Algerien zu verhandeln.

Gaddafi habe versucht, den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika telefonisch zu erreichen, schrieb „El-Watan“ unter Berufung auf Kreise des Präsidialamtes in Algier. Dieser habe sich jedoch geweigert, den Anruf entgegenzunehmen. Gaddafis Frau Saifa sowie seine drei Kinder Aischa, Hannibal und Mohamed konnten sich bereits nach Algerien absetzen. Algier betont jedoch, die Familienmitglieder aus „rein humanitären Gründen“ aufgenommen zu haben.

Über die Zukunft Libyens nach der Ära Gaddafi beraten am Donnerstag in Paris Gesandte von rund sechzig Ländern und Organisationen. Erwartet wird, dass der Übergangsrat der Rebellen seinen Finanzbedarf für die kommenden Monate anmeldet und seine Pläne für die Übergangsphase vorstellt.

Der neue Geschäftsträger der libyschen Botschaft in Berlin, Aly Masednah el-Kothany, schätzt den akuten Finanzbedarf für seine Heimat auf eine Milliarde Euro. Dieses Geld reiche zwar noch nicht, um „genügend Lebensmittel und Medikamente zu importieren, aber es würde uns etwas Luft verschaffen für die nächsten zwei Wochen“, sagte el-Kothany der „Financial Times Deutschland“.

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