Peinlicher Fotofehler

Chinesische Zeitung blamiert sich mit Joschka Fischer

Für Asiaten sehen Europäer offenbar alle gleich aus: Eine chinesische Zeitung schreibt über den Spekulanten George Soros – druckt aber Bilder von Joschka Fischer.

Foto: Johnny Erling

Auch ein noch so treuherzig lächelnder Joschka Fischer kann Chinas Bevölkerung nicht über seine wahren Absichten hinwegtäuschen. Er denke offenbar nicht daran, sich, wie angekündigt, aufs Altenteil zurückzuziehen. Das behauptet Pekings Wochenzeitung "Qingnian Cankao" ("Elite Reference"). Sie meint in Wirklichkeit aber gar nicht den grünen Ex-Außenminister.

Die Zeitung befasst sich im Text ausführlich mit Großinvestor George Soros, zeigt jedoch Fotos von Joschka Fischer dazu. Ein peinlicher Fehler, weil Fischer auch in China gut bekannt ist.

Am Mittwoch erschien "Qingnian Cankao" mit einer Titelgeschichte über das, was das "Finanzkrokodil Soros" im Schilde führt.

Dieser Soros, so schreibt die Zeitung, wolle die Öffentlichkeit glauben machen, dass er ganz aufhört. Aber das sei wohl nur symbolisch. Er überlege augenscheinlich angestrengt, wie er seine spekulativen Geschäfte nach China verlagern könne.

Die Zeitung druckte gleich mehrere falsche Fotos ab

Die Zeitung bebildert das mit einem weiteren passenden Foto. Nur – es zeigt schon wieder Joschka Fischer. Auf dem zweiten Bild blickt der grüne Vordenker in grüblerischer Pose.

Die "Qingnian Cankao" beendet ihre Titelstory mit einem Schlusssatz zu George Soros. Der aber könnte auf Fischer ebenso wie auf Dutzende andere prominente Politiker zutreffen, die sich nach Ende ihres aktiven Dienstes gerne in China als Türöffner betätigen – wie Gerhard Schröder, Rudolf Scharping, Bill Clinton oder Tony Blair.

Die "Elite Reference" schreibt: "Es sieht so aus als ob die Zeit von Soros noch nicht zu Ende ist. Seine nächste Station heißt wohl China. Die Antwort darauf, ob es wirklich dazu kommt, wird uns die Zukunft geben." Wohl wahr.