Terrorismus

Al-Qaida lobt Frankfurter Todesschützen Arid U.

Die arabische Revolution sei ein Glück für das Terrornetzwerk, steht in der neuen Ausgabe des al-Qaida-Magazins "Inspire". Der Frankfurter Attentäter Arid U. erntet Lob.

Foto: Florian Flade

Der jemenitische al-Qaida-Ableger "Al-Qaida in der Arabischen Halbinsel" (engl. AQAP) hat sich mit einer neuen Ausgabe des englischsprachigen Online-Magazins "Inspire" zu Wort gemeldet. Darin frohlocken die Islamisten über die arabischen Revolten der vergangenen Monate und loben den Frankfurter Todesschützen Arid U. als "heldenhaften Gotteskrieger".

Das 70-seitige al-Qaida-Dokument, das Morgenpost Online vorliegt, trägt den Titel "Tsunami des Wechsels". In einem gleichnamigen Essay erläutert der in den USA geborene islamistische Prediger Anwar al-Awlaki, der im Jemen vermutet wird, dass die politischen Ereignisse in Tunesien und Ägypten von Vorteil für die Terroristen der al-Qaida seien.

"Unsere Mudschaheddin-Brüder in Tunesien, Ägypten, Libyen und dem Rest der muslimischen Welt bekommen die Chance, nach drei Jahrzehnten des Leidens endlich wieder zu atmen", so Awlaki. Die Erwartungen des Westens, al-Qaida habe die Revolutionen in Nordafrika verpasst und sei nicht in der Lage Vorteile daraus zu ziehen, seien völlig falsch. "Dass es den Gelehrten und die Aktivisten in Ägypten nun wieder möglich ist, frei zu sprechen, bedeutet einen gewaltigen Sprung nach vorne für die Mudschaheddin!" meint Awlaki, "Mit den neuen Entwicklungen in der Region kann man nur damit rechnen, dass die Tore der Möglichkeiten für die Mudschaheddin geöffnet wurden."

"Resultat muss keine islamistische Regierung sein"

Ein weiterer Autor namens Yahya Ibrahim erläutert in einem anderen Artikel, al-Qaida sei keinesfalls enttäuscht, dass die Regimewechsel in Tunesien und Ägypten nicht durch den bewaffneten Dschihad stattfanden. "Westliche Führer behaupten, weil die Proteste friedlich waren, würden sie beweisen, dass al-Qaida falsch liegt", so Ibrahim. "Dies ist ein anderer Trugschluss. Al-Qaida ist nicht gegen einen Regime-Wechsel durch Proteste sondern gegen die Idee, dass der Regime-Wechsel nur durch friedliche Mittel stattfinden sollte."

Den Ausgang der aktuellen Revolten könne niemand vorhersagen. "Wir wissen bislang noch nicht, was das Resultat sein wird, und wir müssen es auch nicht wissen", heißt es. "Das Resultat muss keine islamische Regierung sein, damit wir das, was dort geschieht, als Schritt in die richtige Richtigung erachten." Al-Qaida sei der Meinung, so Ibrahim, "dass die Revolutionen, die die Throne der Diktatoren zum Wanken bringen, gut sind für die Muslime, gut für die Mudschaheddin und schlecht für die Imperialisten des Westens und ihre Handlanger in der muslimischen Welt."

An anderer Stelle verhöhnt al-Qaida den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi und kündigt ähnliche Umstürze wie in Tunesien und Ägypten auch im Jemen und in Saudi-Arabien an.

"Bombe in Mutters Küche"

Zudem loben die Dschihadisten die Tat des Todesschützen vom Frankfurter Flughafen, der Anfang März zwei US-Soldaten erschoss, die sich auf dem Weg nach Afghanistan befanden. "Ein 21-jähriger heldenhafter kosovarischer Gotteskrieger hat das Feuer auf zwei US-Soldaten in einem Bus am Flughafen von Frankfurt, Deutschland, eröffnet und beide getötet", schreibt al-Qaida über den Attentäter. "Es wurde gesagt, dass er durch die Internet-Arbeit der Mudschaheddin inspiriert wurde. Präsident Obama war erschüttert von der Tat, gelobt sei Allah."

Weiter enthält das Magazin Texte von al-Qaidas Nr.2, Dr. Ayman Zawahiri, sowie von Abu Musab al-Suri, einem einflussreichen Ideologen der dschihadistischen Agenda. Auch ein Trainingsprogramm, wie eine AK-47 Kalaschnikow zu bedienen sei, findet sich in "Inspire".

In den vergangenen Monaten erschienen bereits vier Ausgaben des Online-Magazins. Sie enthielten Anweisungen an Islamisten, Anschläge im Westen durchzuführen und eigenständig, ohne Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Organisation, zu handeln.

Die Macher der islamistischen Propaganda-Schrift werden im Jemen vermutet. Chefredakteur des Dschihad-Heftes soll Samir Khan sein, ein amerikanischer Staatsbürger, der vor wenigen Jahren in den Jemen auswanderte und sich Al-Qaida anschloss. Westliche Sicherheitsbehörden warnen, das speziell für Muslime im Westen produzierte Online-Magazin enthalte gefährliches Gedankengut und terroristische Anleitungen, die für Anschläge genutzt werden könnten. Ein Artikel einer vorangegangenen Ausgabe des Magazins trug den Titel "Wie man eine Bombe in Mutters Küche baut".