Der Wahlkampf des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai vor zwei Jahren ist nach Angaben des früheren Notenbankchefs Abdul Kadir Fitrat in großem Stil von einer privaten Bank finanziert worden. „Einer der Eigentümer und Aktionäre der Kabulbank sagte mir, dass sie Karsais Kampagne einmal 3,6 Millionen Dollar anwiesen“, sagte der im Juni aus dem Land geflohene Ökonom der ARD in einem Interview.
Insgesamt seien schätzungsweise bis zu 14 Millionen Dollar bezahlt worden, unter anderem für „70 teure Fahrzeuge für den Wahlkampf und Medienauftritte“. „Ich sage Ihnen, die Geberländer haben in Kabul keine verlässlichen Partner“, sagte Fitrat.
Die Kabulbank ist das größte private Geldhaus des Landes. Sie kämpft derzeit ums Überleben und musste bereits 2010 von der Zentralbank gestützt werden. Fitrat hatte im April erstmals öffentlich Landsleuten Finanzbetrug vorgeworfen – darunter Karsais Bruder Mahmud, einem Aktionär der Kabulbank. „Er war eine der wichtigsten Figuren“, betonte Fitrat nun, und habe der Kabulbank „Millionen Dollar“ gestohlen.
Mahmud Karsai habe einfach Geld entnommen – „ohne Sicherheiten, ohne ordnungsgemäße Registrierung“. Ihm seien allein zehn Betrugsfälle nachgewiesen worden. Dem in den USA ausgebildeten Volkswirt zufolge kam es auch bei anderen Geldhäusern zu Betrugsfällen. Es gebe „vermutlich drei oder vier“ weitere betroffene Institute, die alle in Kabul säßen.
Erst am Samstag wurden in Afghanistan acht Menschen im Zusammenhang mit der Krise bei der Kabulbank festgenommen. Mindestens drei von ihnen befinden sich wieder auf freiem Fuß. Vize-Generalstaatsanwalt Rahmatullah Nasari wollte sich nicht zu den Gründen äußern.
Die Regierung von Hamid Karsai wirft Fitrat vor, selbst in den Betrugsskandal zverstrickt zu sein, und hat einen Haftbefehl gegen ihn angekündigt. Korruptionsermittler sagen, die Kabulbank habe eine halbe Milliarde Dollar an Krediten an allen Vorschriften vorbei an die Kabuler Elite vergeben, darunter Minister, an Verwandte und einen Stellvertreter Karsais sowie einen mächtigen früheren Kriegsfürsten.
Der Skandal gefährdet die Unterstützung Afghanistans durch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Fitrat war früher für den IWF und die Weltbank tätig.
Reuters/cc




