US-Schuldenkompromiss

China prüft Rückzug aus Dollar-Investitionen

Nach Ansicht der Chinesen sind die US-Probleme ungelöst, sie würden lediglich vertagt und weiter anwachsen. Als "Schuldenwirtschaft" werden die USA mittlerweile bezeichnet, erwägt wird der Rückzug aus Dollaranleihen. Auch von Putin hagelt es Kritik für die "Parasiten".

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Eine große Mehrheit stimmte am Montag für den Kompromiss - am Dienstag muss noch der Senat zustimmen.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Chinesische Staatsmedien haben die Einigung im US-Schuldenstreit am Dienstag überwiegend kritisch kommentiert. Die USA hätten zwar „grundsätzlich eine Zahlungsunfähigkeit verhindert“, der Kompromiss berge jedoch neue Gefahren, schrieb die „Volkszeitung“ der kommunistischen Partei. Die Probleme der USA mit ihrer Staatsverschuldung blieben weiterhin ungelöst, würden lediglich vertagt und wahrscheinlich weiter anwachsen. „Dies wirft einen Schatten auf die Erholung der US-Wirtschaft und birgt noch größere Risiken und Schwierigkeiten für die Weltwirtschaft“, hieß es.

Das US-Repräsentantenhaus hatte am Montag einem Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten zugestimmt, der eine Anhebung der gesetzlich festgelegten Schuldengrenze um 2,1 Billionen Dollar bei gleichzeitigen Einsparungen in Höhe von 2,4 Billionen Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren vorsieht. Der Senat soll dem Paket am Dienstag zustimmen. China ist der größte Gläubiger der USA. Insgesamt hielt das Land Ende Juni ausländische Währungsreserven im Umfang von etwa 3,2 Billionen Dollar.

Nach Ansicht der „Volkszeitung“ könnte der wochenlange „politische Kampf“ um den nun erzielten Kompromiss das Vertrauen in US-Staatsanleihen schwinden lassen. Auch für die von China gehaltenen Papiere bestehe auf lange Sicht ein Risiko. Es sei daher notwendig, „die derzeitige Konzentration auf den Dollar aufzugeben“ und vor allem „den Trend zu steigenden Investitionen in den Dollar künftig zu beenden“, schrieb die „Volkszeitung“. „Dies erfordert eine grundsätzliche Neuorientierung im Modell des Wirtschaftswachstums“, hieß es.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bezeichnete die USA als „Schuldenwirtschaft“. Auf lange Sicht bleibe das Risiko eines Zahlungsausfalls bestehen. Die USA seien zu einer Abwertung des Dollar bereit, was wiederum zur Inflation in Schwellenländern wie China führen und ein stabiles Wachstum der Weltwirtschaft verhindern könne, schrieb Xinhua. Das Staatsfernsehen kritisierte, die Einigung in den USA sei von „Pomp und Feierlichkeit statt von Substanz“ geprägt gewesen. Die Regierung in Peking äußerte sich zunächst nicht.

Putin: USA leben wie Parasiten

Auch Russlands Premierminister Wladimir Putin hat die USA scharf angegriffen. Die Vereinigten Staaten "leben wie Parasiten" von der Weltwirtschaft, sagte er bei einem Besuch im traditionellen Sommerlager der Kreml-Jugendorganisation am Seligersee im Nordwesten Russlands. Die Teilnehmer am propagandistischen Ferienlager gelten als Kaderreserve Russlands.

Die Dominanz des Dollars bedrohe die Finanzmärkte überall. Die USA "leben über ihre Verhältnisse und schieben einen Teil ihrer Probleme auf die Weltwirtschaft ab", so Putin. Die Einigung im US-Schuldenstreit kommentierte Putin so: "Gott sei Dank hatten sie genug Menschenverstand und Verantwortungsgefühl, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen." Der Premier sagte, Russland habe viele US-Staatsanleihen. "Wenn es dort drüben einen Systemfehler gibt, betrifft das alle."